Der Vater nickt mit dem Kopfe, wie wenn die Sache schon entschieden wäre, und erklärt: „Ich kann es nicht anders ansehen.”

Jawohl, Oliver war der Freund der Kinder, zu ihm kamen sie mit ihren Zweifeln und ihren Sorgen, er hatte die richtige Teilnahme für sie, er war für einen Vater, der seine Kinder sich selbst erziehen ließ, wie geschaffen. Abel, der unglaubliche Unband, hatte einmal verlauten lassen, er wolle sich nun niederlassen und sich verheiraten, o, er habe seine Gründe dafür, er würde nie glücklich sein, bis er sie bekomme, sagte er. Der Vater war dann nicht in helles Gelächter ausgebrochen, sondern hatte im Gegenteil genickt und gesagt: das sei gar nicht so verkehrt, durchaus nicht, gewissermaßen, und es komme ihm nicht unerwartet. Denn wenn Abel in kurzem Schmied und Handwerker in der Stadt werde und er groß und breitschulterig geworden sei, dann könne er zum Exempel alles tun, was er nur wolle. Er brauche nur eine kleine Frist, um sich alles zu überlegen, sich Herd und Wohnung und derartiges zu verschaffen, aber er werde schon sehen, zwei Jahre vergingen schnell. — Abel wendete ein, daß er es auf diese Weise unmöglich zwei Jahre lang aushalten könne. — „Nein, das will ich dir gerne glauben,” antwortete der Vater nachgiebig. — Abel fuhr fort: „Denn in jeder Vakanz kommt dieser Reinert heim und verdirbt wieder alles für mich.” — „Reinert,” sagte der Vater mit einem Hohn, der Abel sehr tröstete, „ist ein kleiner Junge, er ist wohl nicht mehr als achtzehn Jahre!” — Abel, der noch nicht lange siebzehn geworden war, beeilte sich einzuwerfen: „Ich bin auch nicht mehr als achtzehn.” — „Ja, aber es ist ein Unterschied zwischen dir und ihm, du bist Handwerker und Fachmann; wenn du ausgelernt hast, dann bist du am ersten besten Tag Meister und Geselle zugleich. Das sag' ich gerade heraus: Gibt es etwas auf der weiten Welt, das rascher vergeht, als ein Jahr oder zwei! Sieh bloß, da verheiratet sich der eine und dort verheiratet sich der andere, und sie sind nicht einmal Handlanger bei einem Maurer. Aber was bist du?” Mit all seinem Gerede meinte wohl Oliver, daß die Zeit dem tollen Jungen über seine Grillen hinüberhelfen werde.

Und an diesem Tag wirkt er aufmunternd auf den Sohn, er entwickelt eine Auffassung der Sache mit vielen wohlgemeinten Redensarten: Der Schmied Carlsen werde Abel über seine ganze Schmiede setzen — gleich wie Pharao einst Joseph über seinen Hof gesetzt habe. „Ich will dir etwas sagen, Abel,” sagte er, „da du so besonders tüchtig in deinem Fach bist und das ausgeführt hast, was er dir aufgetragen, was Gott für dich bestimmt hat, so kann Carlsen nichts anderes meinen.”

„Nein,” stimmte Abel bei.

„Du wirst über sein ganzes Hab und Gut gesetzt, wir wollen jetzt heimgehen und es deinen Schwestern zu wissen tun, das sind große Dinge. Ein Jahr ist weniger, als man glaubt. Was ist ein Jahr? Gott zwinkert nur ein einziges Mal mit den Augen, dann ist es schon ein Jahr. Und wenn du einer Sache vorstehst, so ist das genau so, wie wenn sie dein eigen wäre. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen einem guten Vorsteher und einem schlechten Vorsteher, und wenn ich den Vorräten und dem großen Lagerraum des Konsuls vorstehe, so ist es ebenso —”

Hochtrabende Worte und Geschwätz, Rührseligkeit und Großtuerei. Aber dann sagt der Vater: „Ja, ihr Jungen, ihr kommt wahrhaftig vorwärts, du Abel und Frank auch! Wenn du jetzt auf Kaffee warten willst, so hab' ich Kuchen vom Bäcker hier,” sagte er, um es festlich zu machen. „Es ist heute Samstagabend, und du brauchst morgen nicht in die Schmiede zu gehen.”

O, aber Abel hat viel zu tun und ist nicht frei, er macht sich sauber und geht wieder aus. Er ist wie ein Fischer, der einen Fisch an der Angel hat, nun holt er die Leine ein. Dieser Reinert war also im Sommer wieder eine Ewigkeit dagewesen und hatte ihm das Leben vergällt; jetzt war er wieder abgereist, aber auch nachher war Klein-Lydia nicht so gegen ihn gewesen, wie sie sollte, an manchem Abend ist Abel schweren Herzens von ihr fortgegangen. An diesem Abend geht er bedeutend leichteren Herzens zu ihr.

Er trifft sie daheim, und sie kommt heraus, sie sieht ihm wohl an, daß sich etwas ereignet hat und geht mit ihm.

Zuerst streckt er ihr die Hand hin, und als sie etwas verwundert zögert, sie zu ergreifen, faßt er selbst kräftig zu.

Aber Klein-Lydia — seit sie für Konsul Johnsens neueingerichteten Modehandel Arbeit bekommen hat und Hemden und Blusen näht, hatte sie beständig eine Nadel in der Hand und Nadeln an der Brust stecken, man konnte ihr nicht nahe kommen.