„Du lachst nur!” rief er beleidigt. „Wie alt bist du denn selbst? Daran denkst du nicht.”

Klein-Lydia wollte wahrlich auch nicht klein sein, ebensowenig wie er, sie wollte gerne für ein Nähfräulein gelten und trug schon längst lange Kleider. „Ich?” sagte sie, „wie alt ich bin? Warum fragst du? Ich will nicht länger hier stehen bleiben und dir zuhören.”

Abel schlug um. „Nein, du willst nur dem Reinert zuhören. Aber das muß nun ein Ende haben. Ich kann wirklich nicht glauben, daß du dir etwas aus ihm machst, Klein-Lydia.”

„Ich? Meine Mutter sagt, er sei ein flotter Herr.”

„Nein, er ist ein Gauner!” rief Abel unnatürlich erregt. „Ich werd' ihn zwischen meine Nägel nehmen, wenn er wiederkommt. Verstehst du das?”

„Jetzt muß ich hinein,” sagte sie.

„Zwischen diese meine Nägel!” rief er und streckte beide Fäuste in die Höhe. „Ich bin Manns genug dafür, du wirst es schon sehen!”

Es mußte ihr allmählich aufgegangen sein, daß er wie auf der Folter war, und als er nun erklärte, er müsse sie haben und könne nicht länger warten, zeigte sie sich nachgiebig und sagte, nein, das könne er wohl nicht, er redete immer weiter, mit einer ganz fremden Stimme, die zitterte, er meinte jedes Wort, und sie sagte endlich im Ernst, wenn auch etwas zu erwachsen für ihre jungen Kinderjahre: „Ja, aber ich kann nicht sagen, daß ich dich liebe.”

Er lächelte ungläubig: „Doch, doch,” sagte er. Und dann begann er wieder: „Sie könnten vielleicht oben beim Schmied wohnen, da sei eine Kammer, blau gemalt, mit hübschen Wandbrettern, der Schmied habe gewiß gemeint, er solle auch dieses Gelaß übernehmen, was hätte er anders mit dem Ganzen meinen sollen? Und da werde Abel sie aufheben, dann gebe es in den Ferien kein Scharmutzen mehr mit dem Buben, mit dem Zierbengel in den Kniehosen, dem Gauch!” sagte er. Es solle ein anderes Leben werden. Abel stellte mehrere solche Dinge fest und redete weiter noch zu deren Vorteil.

Klein-Lydia nahm es offenbar vernünftiger als er, sie nickte, als er von der Kammer sprach, und als er erklärte, er werde in Zukunft dem ganzen Getue ein Ende machen, da kam ihr das wohl sehr hart vor, sie hielt es aber doch vielleicht für natürlich, daß er so redete, jedenfalls erhob sie keinen Widerspruch. Aber ganz allmählich, während sie auf seine Rede lauschte, schloß sie langsam die Augen, es war, als verliere sie ihre eigenen Augen aus dem Gesicht, und plötzlich drehte sie sich um und ging hinein.