Ging hinein und kam nicht wieder!
Abel wartete eine Weile, sein ganzes Leben lang hatte er sich von Klein-Lydias Seite in eine weniger korrekte Behandlung finden müssen, und dieses ihr Weggehen war nicht schlimmer als vieles andere. Zum Beispiel damals, als sie ihm heißen Kaffee über die Hände goß, damit er den Bart wegrasieren könne. Oder als sie mit dem Bodenlumpen daherkam und ihm einen dunkeln Schatten unter den Augen wegwaschen wollte, obgleich der Schatten in der Haut saß und von Kummer herrührte.
Als er eben im Begriff war, seiner Wege zu gehen, öffnete Klein-Lydia einen Spalt in der Tür und lugte heraus. Sie konnte es wohl nicht länger drinnen aushalten.
„Ich seh' dich,” sagte er, „du kannst wohl wieder herauskommen.” Jetzt knöpfte er seine Jacke auf und warf sich in die Brust, ja, er gebrauchte also schließlich diesen unwürdigen Kniff mit vollem Bewußtsein, damit sie seine Uhrkette entdecken sollte — die Uhrkette, für die er keine Uhr hatte.
Als sie nun wieder heraustrat, fragte sie unschuldig: „Was, stehst du noch hier?”
„Jawohl,” antwortete er kaltblütig, „ich wartete auf dich.”
Sie holte einen Arm voll Brennholz im Schuppen, das war ein schlauer Vorwand, er konnte nicht mit ihr reden, wenn sie schwer mit Holz beladen war. Da sagte er in einem flotten Ton und mit einem Griff nach seiner Uhrkette: „Ja ja, da du es so willst, Klein-Lydia, dann komm' ich in einer halben Stunde wieder.”
Eigentlich hatte er nichts weiter mit ihr zu bereden, aber darum handelte es sich nicht, er wollte nur da sein, wo sie war, was denn sonst!
Jetzt machte er einen kleinen Gang nach dem Bollwerk und drehte wieder um, er wollte noch einmal zu Klein-Lydia hineinsehen. Wenn er freundlich und harmlos auftrat, schadete ihr eine neue Unterhaltung mit ihm nichts, und ihm würde sie gut tun.
Und — ob es nun wohl vorbedacht oder ein glücklicher Zufall war — er traf sie ganz allein in der Stube, die Eltern hatten sich in der Kammer schlafen gelegt, und die Schwestern waren ausgegangen, da es Samstagabend war. Klein-Lydia nähte und war übertrieben fleißig.