Darauf erwiderte sie unendlich kühl und herablassend: „Ja, das ist meine Meinung.”
„Daß du mich überhaupt nicht willst?”
„Ja, das kannst du doch merken,” antwortete sie. Und nun raffte sie den ganzen Staat auf dem Tisch zusammen, wie um auf ihn hinzuweisen: „Sieh, was alles für mein ganzes Leben auf dem Spiel steht, wenn ich in diesem Augenblick eine andere Antwort gäbe!” Sie drehte sich um, ihre Mutter sprach in die Stube herein. Mutter Lydia sagte:
„Geh sofort zu Bett, Lydia! Und du, Abel, geh auch, augenblicklich! Ich will auch nicht, daß du dich hier spät und früh herumtreibst, nun hast du's gehört! Was ist das für eine erbärmliche Narretei von so einer Rotznase! Bist du nicht recht klug? Geh heim und werd' erst trocken hinter den Ohren!”
Die Kammertür wurde zugemacht, aber dann ging sie wieder auf, und Mutter Lydia sprach noch einmal, das Reibeisen sagte ein letztes Wort: „Sag' deinem Vater von mir, daß er dir Haue auf dein Hinterteil geben soll!”
Abel — da saß er! Dann stand er auf und blieb so sonderbar stehen, den Stuhl zwischen den Beinen. Dann faßte er sich endlich etwas, richtete den Blick zuerst auf die geschlossene Tür und dann auf Klein-Lydia. Sein Gesicht hat einen bläulichen Schein bekommen, aber er hielt sich einigermaßen stramm und sagte lächelnd: „Das war zum Satan!”
Von Klein-Lydia wurde ihm keine Hilfe zuteil, und sie anerkannte auch seine Mannhaftigkeit nicht. Sie jagte ihn nicht fort, nein, sie tat nichts in der Richtung, wo es heißt: „Nun, flugs, es gilt das Leben, bete ein Vaterunser!” Nein, Klein-Lydia war an die scharfe Zunge ihrer Mutter gewöhnt und fürchtete sich nicht davor. Aber als Abel nach der Tür ging, war es wirklich, als gefalle ihr seine Art zu verschwinden, sie hielt ihn mit keinem Wort zurück.
„Ja ja,” sagte er, um nicht ganz vernichtet zu sein. „Ja, ich werde schon aus dem Wege gehen, wenn es so beschaffen ist.” O, aber er hatte wohl zuviel versprochen, plötzlich fragte er Klein-Lydia: „Kannst du nicht mit mir hinausgehen, daß ich mit dir reden kann?”
„Nein, weit entfernt!” antwortete sie.
Da ging Abel heim. Die Eltern stritten sich um etwas; da er aber keine Lust hatte, zuzuhören, verschwand er in der Kammer.