Aber was tat Oliver jetzt? Er richtete sich vom Stuhl auf und griff nach ihr. Ein Affe, der die Gebärden anderer nachmacht, zwei ungewohnte Hände, die zufassen. Er spielte sich auf, tat, als könne er ihrem Liebreiz, der Sinnlichkeit ihres Wesens nicht widerstehen, er streckte die Zunge heraus, lachte mit seinem feuchten Mund. O, sie hatte Erfahrung! Hätte sie nicht gewußt, daß hinter seinen Narrenstreichen nicht das mindeste steckte, dann hätte sie ihm entgegenkommen, ja, sie hätte ihm sogar Anleitung geben können, jetzt fuhr sie bei seiner leeren Vorspiegelung zurück und schauderte. Als er das sah, sank er schlaff und mit unbehaglichem Ausdruck wieder auf seinen Stuhl nieder.

Petra wurde es wohl schwer, nicht vor ihm auszuspucken, sie war eine gesunde Natur, die Qualle dort am Brückenrand machte sie ängstlich und schamerfüllt. Um das Ganze etwas auszugleichen, sah sie ihn nicht mehr an und sagte wie zu sich selbst: „Wenn ich doch nur ergründen könnte, was du an Maren Salt gesehen hast!”

Oliver erwiderte matt: „Schweig! Ich hab' es nicht getan, hörst du!”

„Du weißt selbst, was du getan hast.”

„Ja, prosit Mahlzeit, glaub' es nur! Ich scher' mich nicht darum.”

„Nein, das versteht sich,” sagte Petra wie eine Märtyrerin. „Du bist ja der Mann im Hause, wir andern haben nicht das Recht, etwas über dein Benehmen zu sagen.”

„Na, ein solcher Tyrann bin ich doch auch nicht!”

„Um mich kümmerst du dich jedenfalls nicht,” sagte sie.

Nun war er doch allmählich wieder der alte Oliver geworden, und so fragte er nicht so wenig schlagfertig: „Nun, und wer hat sich denn dann um dich gekümmert?”

Eine Antwort auf diese Frage bekam er nicht, und er wünschte auch keine zu bekommen, aber Petra war frech und verstand es jedenfalls, ihn fernzuhalten: „Wenn ich zu denen gehört hätte, die gewollt haben, dann hättest du sehen sollen,” sagte sie. „Aber ich gehör' nicht zu denen. Ich bin auch gar nicht so neugierig, daß ich das ausschnüffle, was du tust, und Maren Salt ist wenigstens sechzig Jahre alt, da kannst du sie wohl haben!”