„Hat man je so etwas gehört, setzt sich hierher, tut ganz unschuldig und redet Schweinereien! Das Geld — was ist denn damit? O!” ruft er plötzlich. Endlich geht dem Mattis wohl ein Licht auf, er wird ganz blaß vor Zorn und steht mit dem Jungen auf dem Arm von seinem Stuhl auf: „Steck' das Geld ein und mach', daß du fortkommst, ich will es gar nicht!”

Ja, Oliver steht auf und will keinen Streit, aber er reizt den Schreiner noch auf; während er nach der Tür humpelt, sagt er: „Hehe, es ist fast, als sei der Junge dein Kind! Bist du vielleicht sein Vater?”

„Ich, sagst du das?”

„Ich frag' nur,” antwortet Oliver. Und jetzt kann kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß er Mattis noch mehr aufreizen will. „Du hast ja auch ein Bett für ihn gemacht,” sagt er.

Mattis verteidigt sich. „Das war gar nicht für ihn. Und liegst du vielleicht auf dem bloßen Boden? Hast du noch nie gehört, daß ein Kind ein Bett hatte? Aber jetzt sollst du zum Haus hinaus, das ist todsicher!” ruft Mattis, indem er das Kind auf den Boden setzt. „Und nimm dein Geld, mit dem du mich bestechen wolltest, nur wieder mit. Haha! Du meintest, du könnest mich kaufen, um deine Vaterschaft zu verschweigen, aber das ist dir nicht gelungen, heb' dein Geld für einen andern auf! O, du bist ein Schweinekerl! Hinaus aus dem Haus, sag' ich!”

Und Oliver geht.

Er sieht befriedigt aus, es war, wie es nicht besser hätte gehen können, als es gegangen war; Oliver summt wieder ein Liedchen. Als er heimkam, platzte ja Petra fast vor Neugier, aber er erklärte nichts, er tat nur noch mannhafter und stellte sich unter die Haustür mit der Hand in der Westentasche, als ob es gar nicht kalt wäre, und von diesem Platz aus schwatzte er albernes Zeug mit den Frauen und Mädchen, die vorübergingen.

Gute Zeiten, Einigkeit im Hause und Freude im Leben — o, wir sind im Aufstieg, wir kommen immer mehr obenauf, gebe Gott, daß es so weitergeht! Das äußerte sich in richtig anständigen Taten: Mattis hatte ja diesen roten Briefkasten an seinem Hause, Oliver kaufte einen Messinggriff für seine Haustür und sagte zu Petra: „Daß du ihn mir nun aber auch ordentlich blank hältst!” Auf die Gefahr hin, als Verschwender verschrien zu werden, kaufte er kleine Geschenke für seine Töchterchen und seine Frau und war sehr gutherzig, ja, er brachte der Großmutter öfter als früher eine Tüte Kaffee mit — die ihn übrigens wohl nichts kostete.

Wie erfreulich war jetzt das Leben! Der Winter verging, das Jahr verging, und Oliver hatte recht, daß nichts so schnell vergeht wie ein Jahr. Es ereignete sich nichts Großes, aber genug zur Abwechslung, die Familie war nicht an mehr gewöhnt, das Kind war wieder ein blauäugiges, und wie das zusammenhing, konnte wahrlich in der Geschwindigkeit niemand ergründen, aber die Frage hatte auch nicht mehr so ungeheure Bedeutung wie in den alten Tagen. Sollte Oliver näher untersuchen? Wie würde es dann gehen, wenn er selbst untersucht würde, ging nicht auch über ihn ein Gerücht in der Stadt? Als er sich einmal ein wenig bitter über die neuen blauen Kinderaugen aussprach, sagte Petra: „Na, haben denn nicht wir alle beide blaue Augen?”

In einem Gespräch mit seinem alten Freund, dem Fischer Jörgen, machte Oliver geltend, daß die Gewächse auf der Erde auch nicht alle gleich seien: die einen trügen Früchte über der Erde, die andern unter der Erde. „Nimm zum Beispiel die Apfelbäume, die einen sind rot, die andern gelb. Aber nimm die Kartoffeln, die unter der Erde wachsen — eine Sorte Kartoffeln ist gelb und eine andere ganz blau. Geradeso ist es bei unsern menschlichen Augen, sie sind von höchst verschiedener Farbe. Ich hab' mir überlegt, daß das vielleicht von mir selbst kommt: wenn ich am tollsten auf eine Frau aus bin, dann gibt es braune Augen; was meinst du, Jörgen?”