Die Tage vergingen, und Abel war ja ein guter Junge, ein komischer Kerl, er konnte seinem Vater bei Gelegenheit ein Zweikronenstück zustecken, sonst hätte es wohl mit Leckereien für Oliver knapp ausgesehen. Woher hätte er sonst Geld bekommen sollen? Er hatte einmal einen Sohn, der hieß Frank, ein wahres Wunder an Gelehrsamkeit; o, aber der schickte nichts nach Hause, er kam selbst nicht mehr heim, schrieb auch nicht, es ging das Gerücht, er habe irgendwo eine Lehrerstelle und er studiere weiter, nur immer weiter, wo wollte das enden? Die kleine Konstanze Henriksen auf der Werft hatte einen Brief von ihm bekommen, noch ein Jahr habe er vor sich, dann sei er fertig, das soll in dem Brief gestanden haben. Vor Verlauf eines Jahres konnte also Oliver keine Unterstützung von ihm erwarten, ein langes Jahr hindurch; aber dann würde ja etwas Erkleckliches kommen, nicht jedermann hatte einen gelehrten Sohn in der Hinterhand.
Inzwischen hatte er ja Abel, auch einen Prachtkerl, Oliver war rechtlich gesinnt und machte keinen Unterschied zwischen seinen Söhnen, wenn ja, so stand Abel seinem Vaterherzen jetzt am nächsten. Auf seinem Weg nach dem Lagerhaus kehrte er oft einen Augenblick in der Schmiede ein; Abel war da schon an der Arbeit, es machte dem Vater Spaß, ein Weilchen mit ihm zu plaudern und zu fragen, wie es gehe. Es ging immer ausgezeichnet. Abel hatte jetzt die Schmiede übernommen und war der Erste in allem. O, das war ein Sohn, auf den man stolz sein konnte! Auch andere kamen in die Schmiede, der Zeichenstift kam, der jetzt Heizer bei der Küstenlinie war, der wollte gewiß warten, bis eine von Abels Schwestern alt genug wäre, dann wollte er um sie freien, solche Absichten hatte also der Zeichenstift. Er kam in die Schmiede und fragte: „Hast du die Schmiede gekauft?” — „Nein,” antwortete Abel, „ich hab' nichts, um eine Schmiede zu kaufen, aber ich bin an Stelle des Meisters hier. Kannst du mir einen Jungen verschaffen, der den Hammer bedient?” — „Ei,” sagte der Zeichenstift, „sobald du dir einen Dampfhammer kaufst, der mit Paraffin getrieben wird, kannst du dir den Jungen für den großen Hammer ersparen.” „Ach, schwatz keinen Unsinn,” meinte der andere, „ich hab' in Horten mehrere solcher Hämmer gesehen.” — Abel wußte selbst, daß es solche Dampfhämmer gab, die mit Paraffin getrieben wurden, aber warum sollte er so einen für eine Schmiede kaufen, die nicht ihm gehörte? Still damit! — Der Zeichenstift schlug vor, Abel solle den Dampfhammer auf eigene Rechnung kaufen und das Geld für Lohn und Kost des Lehrjungen in seine Tasche stecken, das wäre eine Einrichtung, mit der auch Meister Carlsen gedient wäre. — „Woher soll ich das Geld für den Hammer nehmen?” fragte Abel. — Der Zeichenstift erwiderte: „Etwas hast du wohl selbst schon, etwas kann ich dir leihen, und den Rest kannst du schuldig bleiben ...” Ei, der tausend, der Zeichenstift mußte in die Blaumeise, Abels Schwester, bis über die Ohren verliebt sein!
Nein, nein, die Schmiede gehörte Abel noch nicht, aber er hatte sie in den Händen, und er verdiente einen schönen Lohn. Der Schmied Carlsen war nicht immer abwesend, nicht immer ganz fort, aber am liebsten stand er am Schraubstock und feilte an diesem und jenem, was geputzt werden mußte. In die Geschäftsführung mischte er sich immer weniger. „Was meinst du?” fragte er Abel, wenn er ein einzelnes Mal eine Arbeit übernehmen sollte. Im übrigen war er nicht einmal mehr ein halber Mann, er kam spät am Abend und ging früh wieder weg. So kam es, daß Oliver seinen Sohn fast ganz für sich hatte, wenn er seine Morgenbesuche machte.
Sie plauderten über ihre eigenen kleinen Vorkommnisse und besprachen die Ereignisse in der Stadt. „Nun wird der Fischer Jörgen allmählich ein ganzer Idiot,” sagte Oliver, „er kennt keinen Unterschied zwischen gelben Kartoffeln und blauen Kartoffeln, warum soll ich die Zeit vergeuden und mit so einem Mann reden? Ich lauf' davon, wenn ich ihn seh'.” — Vater und Sohn wurden nie uneinig, sie redeten freundschaftlich über alles, sprachen gewissermaßen brüderlich über alles, was ihnen am Herzen lag; wenn sie sich trennten, hatten sie nicht etwas Besonderes verabredet, oder sich für eine bestimmte Lebensanschauung entschieden, o weit entfernt; aber Oliver erfuhr, was der Sohn an dem Tag zu tun hatte, für wen er diese Karrenbeschläge schmiedete, sie waren für Konsul Johnsens Landhaus, wem der feine Wandschirm gehörte, der seit gestern in die Schmiede gekommen war, er gehörte dem Doktor. O, dieser Abel, er war ein tüchtiger Sohn, er arbeitete für alle vornehmen Leute.
Abel fragt: „Was denkst du nun über den Dampfhammer, von dem ich dir gesagt habe? Du wolltest darüber nachdenken.”
Natürlich hatte der Vater durchaus keinen Begriff von diesem abenteuerlichen Hammer, das mußte der Sohn schon vorher wissen, und war dann Abel nicht ein sonderbarer Kauz, daß er des Vaters Ansicht darüber hören wollte? Aber er hatte vielleicht sonst niemand, bei dem er sich aussprechen konnte; er behandelte seinen Vater ganz und gar nicht von oben herab und hörte ihm mit innerlichem Mitleid zu, er sah aus, als brauche er des Vaters Zustimmung bei dem, was er sich vornahm.
„Das will ich dir sagen,” antwortete Oliver, „ich bin ja weit herumgekommen in der Welt und habe alle Arten von Völkern gesehen — nun hab' ich gründlich darüber nachgedacht. Und wenn du den Hammer haben kannst, dann nimm ihn nur sofort. Das rat' ich dir.”
„So.”
„Ja, das sag' ich grad heraus. Denn es gibt in keinem Fach irgendeinen Meister, der so einen Dampfhammer hat, es wird in Stadt und Land bekannt werden, und du wirst schon die Funken sprühen sehen, wenn so ein Kerl aufs Eisen schlägt.”
„Ja.”