„Du kommst dafür in die Zeitung, und das kannst du mir aufs Wort glauben, denn ich bin selbst in die Zeitung gekommen. Ich hab' ein ausländisches, vollgetakeltes Schiff in Sturm und Unwetter vom Meere herein geborgen und es hier am Landungsplatz angelegt. Dann schickte ich nur einen Boten an Land nach dem Konsul und dem Protokoll. Was meinst du wohl, was all die Leute dachten, die da herbeiströmten und es sahen? Und drei Tage später stand ich in der Zeitung.”

„Ja.”

Nie wurde Oliver müde, andere mit diesem Ereignis zu ermüden. Aber er vergaß auch den Dampfhammer nicht, nein, er sagte, er könne ihn gar nicht mehr aus dem Kopfe hinausbringen. Und wenn er dem Sohn in der nächsten Zeit irgendwie behilflich sein könne, wenn er also etwas Geld, das der Mühe wert sei, zwischen die Hände bekomme, so werde er augenblicklich damit herkommen. „Laß mich nur erst mit mir selbst beraten!” sagte er und nickte mit nachdenklicher Miene dazu, wie wenn er vielleicht bald eine Möglichkeit sehen könnte. O, das Geld würde sich schon finden, und wenn nicht, dann wollte er jede Nacht im Boot draußen sein und am Morgen mit einer Ladung Treibholz heimkommen, die man verkaufen könne.

Nur ein Geplauder in aller Freundschaft. Abel blieb ja ebenso arm zurück, als der Vater fortging, ja, sogar noch etwas ärmer, da er zwei Kronen bei einer Wette verloren hatte. Das war so zugegangen: Abel sagte: „Du kannst nicht mehr bei Nacht hinausrudern, du hast die Kräfte nicht mehr dazu.” — „In meinem oberen Körper hab' ich noch genau dieselben Kräfte,” versetzte der Vater. — „Du kannst nicht einmal diesen Eisenblock hier aufheben.” — „So, kann ich das nicht? Diesen hier, den ich schon früher aufgehoben habe?” — „Ja, aber jetzt bist du ein Jahr älter. Es ist derselbe, ich setz' zwei Kronen!” — Oliver spuckte nicht einmal in die Hände, er hob den Block auf und gewann zwei Kronen. „Ich will sie nicht,” sagte er. — „Nein, du willst vielleicht lieber, daß dir der Block an den Kopf fliegt,” erwiderte der Sohn und überreichte dem Vater das Zweikronenstück.

Lauter Scherz und Freundschaft.

Keiner von ihnen erwähnte Klein-Lydia oder ließ etwas von der Heirat verlauten, nein, Abel war ein viel älterer, gesetzterer Mann geworden. Seinen dichtesten Bart hatte er allerdings noch immer auf den Händen, aber er hatte eine Schmiede unter sich und stand an Stelle des Meisters, da konnte man wachsen und heranreifen. Übrigens hatten da auch andere Ursachen mitgewirkt, Mutter Lydia war demnach nicht ohne Bedeutung für seine Entwicklung gewesen. Er mochte sich noch so sträuben, es anzuerkennen, aber an einem gewissen Abend vor ein paar Jahren hatte das alte Reibeisen ihm wahrlich ein Lehrgeld gegeben, das er nicht vergessen konnte. An dem, was sie gesagt hatte, war tatsächlich wirklich etwas dran gewesen, ein Knall vor seinen Ohren, eine Erweckung, die natürliche Folge davon war, daß er anfing, sich vom Hause des Fischer Jörgen fernzuhalten. Jawohl, er würde sich entfernt halten, wie er versprochen hatte! Er war furchtbar eifrig darauf aus, zu erfahren, wann Eduard von Neuguinea, oder wo es war, heimkäme, aber er ging doch am Hause vorüber. Später war ihm Mutter Lydia begegnet, sie war jetzt hinterdrein offenbar ganz friedlich gegen ihn gesinnt, hatte ihm zum Gruße zugenickt und ein paar freundliche Worte gesprochen. Er war auch ebenso höflich gewesen. Einige Wochen später begegnete ihm sein Liebchen, Klein-Lydia, selbst. Das Merkwürdige war, daß er ihr jetzt lieber nicht begegnet wäre, wenigstens nicht in diesem Augenblick, wo er rußig und ungewaschen von der Schmiede kam. Da das Zusammentreffen unvermeidlich war, versagten ihm fast die Knie, aber er brachte doch einen kurzen Gruß heraus und ging vorüber. In diesen Wochen hatte er es erlebt, daß er schüchtern wurde. In der folgenden Zeit traf er sie ab und zu in der Stadt mit Paketen in der Hand; er hätte sicher nähertreten und ihr die Pakete tragen können, aber er tat es nicht.

Nein, er redete nie mehr vom Heiraten.

„Du hast den Block nicht so hoch gehoben wie sonst!” rief er seinem Vater nach.

„Was hab' ich nicht?” versetzte der Vater. „Du hättest gut selbst noch oben drauf sitzen können!”

Wenn er so großartig scherzen konnte, so deutete das wohl auf eine besonders gute Laune bei Oliver. O, aber an diesem Tag hatte er besonders böse Ahnungen! Als er im Lagerhaus allein war, sich da zurecht machte, in den Spiegel schaute und an seine Arbeit ging, war ihm ganz klar, er stand vor einer Gefahr: Rechtsanwalt Fredriksen war ihm in der Stadt begegnet. Dieser Leuteschinder, dieser Blutsauger, er hatte einen Krüppel angesehen, als gehöre er ihm eigen. Und jetzt waren es zwei Jahre her, seit ihrem letzten Zusammentreffen.