Oliver übertrieb ungeheuer, der Rechtsanwalt war wie sonst freundlich und in Gedanken versunken an ihm vorbeigegangen, aber Oliver war ja nicht mehr der mutige Mann, seine innere Tasche war leer, die Erhebung seines Charakters war verschwunden. Als er zum Essen heimkam, hatte er eine Unterredung mit Petra, aber er erzählte ihr keine Neuigkeit, sie war dem Rechtsanwalt selbst begegnet.
„Hat er etwas gesagt?” fragte Oliver.
„Oho, sagte er etwas! Sollte er etwas zu mir sagen — auf der Straße?”
„Wie hat er ausgesehen?”
„Das weiß ich nicht. Ausgesehen? Ich seh' die Mannsleute nicht an und schiele nicht nach ihnen hin. Das alte Schwein hat mich genug geplagt, als er das letztemal hier war.”
„Mir kam sein Aussehen unfreundlich vor.”
Nach einer Weile redet Oliver weiter: Jetzt werde wohl der Rechtsanwalt mit seiner Unvernunft wieder anfangen. — „Ich rühr' mich seinetwegen nicht mehr von der Stelle,” sagt Petra. — Oho, ob es besser wäre, wenn sie alle auf die Straße gesetzt würden? Oliver entwickelte die Sache weiter und von seinem Standpunkt aus: es habe ihm noch nie so davor gegraut, obdachlos zu werden, wie eben jetzt, sie müßten hoffen, daß der Rechtsanwalt ein Mensch sei, denn wenn er geradezu im Sinne habe, gegen einen Krüppel wieder auf Mörderwegen zu gehen, dann müsse Petra ihm noch einmal energisch ins Gewissen reden.
„Was hältst du davon?” fragte Oliver.
Petra überlegte und hielt es nicht für unmöglich. Aber da war soviel, was dagegen sprach. Sie habe nicht einmal ordentliche Kleider —
„Kleider?”