„Ich auch.”
Welche Unhöflichkeit vom Konsul! Da sitzt er auf der Veranda und liest in seiner Zeitung, dann wird er aufmerksam, lüftet schließlich den Hut ein wenig und grüßt, liest aber dann gleich weiter.
„Jawohl, auch ich finde es daheim wieder sehr schön. Selbst wenn ich keine schönere Heimat hätte —”
„Wollen Sie nicht hereinkommen?” fragt Frau Johnsen.
„Nein, ich danke, es ist spät geworden. Ich gehe nur vor Schlafengehen ein wenig spazieren, und ich kann Sie von dem Aussichtspunkt grüßen, Fräulein Fia!”
„Es war wohl heute abend hübsch da oben?”
„Wundervoll. Ein Sonnenuntergang mit ein paar besonders prächtigen Wolken! Ich verstehe mich ja nicht so darauf, wie die Maler und Künstler, aber für meinen Geschmack war es einzig in seiner Art. Würden Sie sich nicht zu einem kleinen Spaziergang hinauf überreden lassen?”
„Jetzt? Nein.”
„O nein. Und Sie gehen wohl auch am liebsten allein?”
Nun zündet sich der Konsul seine Zigarre wieder an, aber er kann sich dabei fast nicht von der Zeitung losreißen: Was in aller Welt interessiert ihn denn so ungeheuer? Und was ist denn mit Frau Johnsen? Diese Frau Johnsen war nicht immer so wortkarg gewesen; in den alten Tagen hatte sie höchst vergnügt geplaudert, wenn der Rechtsanwalt mit ihr sprach und sich mit ihr abgab, ja, sie tat wahrhaftig, als mache sie sich etwas aus ihm. Wie reich und groß waren diese Leute nun geworden; aber wie konnten sie es auch nicht lassen, es zu zeigen! Seht, da sitzt die Tochter des Hauses, sie ist nun seit mehreren Jahren alt genug und zum Überfluß auch hübsch genug, und da sitzt sie und hält sich eigensinnig zurück, bloß weil sie steinreich und eine gute Partie ist. Rechtsanwalt Fredriksen hätte übrigens der Familie in verschiedenem nützlich sein können, er war jetzt nicht mehr der erste beste, er war Landtagsabgeordneter und ein großer Mann, er konnte sogar noch größer werden, ja, er hatte beinahe sichere Aussicht, noch größer zu werden, die neuen Wahlen würden das entscheiden. Warum stand er denn da draußen und warb vor einem Gartenzaun? Das schickte sich nicht für jemand, wie er war; kommt ihm nur in die Nähe, gebt ihm den kleinen Finger! Er hatte in der großen Hauptstadt etwas gelernt, das nächste Mal würde es schon besser gehen, er wollte sie in den Arm nehmen —