Und so war Fräulein Olsen noch immer zu Hause; sie wurde älter und beschäftigte sich mit ihren Erinnerungen. Ihr Herz hatte den Rechtsanwalt wahrscheinlich nicht vermißt, aber er war ihr nicht so ganz aus dem Sinn gekommen, er war der sprichwörtliche Sperling in der Hand. Wie war es wohl, hatte er Aussicht, Staatsrat zu werden? Noch immer war es die Natur selbst, die Fräulein Olsens Politik führte, einmal mußte doch auch sie eine verheiratete Frau werden.

„Wollen Sie sich nicht eine Zigarre anzünden?” sagt sie zum Rechtsanwalt.

Er fing an, von dem Untergang der Fia zu sprechen, das sei ein ordentliches Menetekel für die Familie Johnsen. Denken Sie doch, ein Dampfschiff nicht einmal versichern! Was denn der Konsul auf seinem Kontor tue, wenn er eine so überaus wichtige Sache vergesse? Das müßte doch eine Grenze haben! Allerdings solle man ja mit Menschen, die im Unglück sind, Mitleid haben, aber Gott wisse es, vielleicht schadete dem guten Johnsen so eine Züchtigung gar nichts. Sie hätten ja alle miteinander einfach unverschämt dumm-groß getan.

„Ich weiß nicht,” sagt Fräulein Olsen, „den Scheldrup halt' ich nicht für dumm.”

Der Rechtsanwalt erwidert gleichgültig: „Was der Scheldrup ist oder nicht ist, das weiß ich auch nicht. Ich rede von der Tochter und den Eltern.”

„Ich möchte wissen, wie es der Scheldrup aufnimmt. Was meinen Sie, daß er nun ergreifen wird?”

Da sieht sie der Rechtsanwalt wie aus einer ganz andern Welt an, er kann es nicht lassen, die Stirne zu runzeln und sie anzusehen. „Ihre Frage ist sehr komisch,” sagt er, „ich hab' mich wirklich nicht mit ihr abgegeben, denn ich hab' an andere Dinge zu denken. Was der und jener Junge anfangen wird? Ich weiß es nicht, er wird wohl das tun, was er bisher auch getan hat. Steht er nicht hinter einem Ladentisch oder etwas Ähnlichem?”

„Scheldrup! Nein, er hat nie hinter einem Ladentisch gestanden.”

„So, also nicht. Ja, mir ist es gleichgültig.”

„Vielleicht kommt er jetzt heim und übernimmt das Geschäft.”