Darauf antwortete sie nichts, aber Zusammenarbeiten, was war denn das? Sie fand jedenfalls nicht, daß das ein Wort sei, das ihr keine andere Wahl ließ, entweder puterrot zu werden oder das Zimmer zu verlassen.

Nun entwickelte der Rechtsanwalt deutlicher, wie er in diesen zwei Jahren immer an sie gedacht habe — sie habe ihn vielleicht in dieser Zeit vergessen, aber er habe nichts vergessen, er könnte auf die Beilagen hinweisen, seine beiden Briefe. Alles, was er bei ihrer früheren Zusammenkunft ausgesprochen habe, sei in den Briefen wiederholt, und das gelte auch jetzt noch. Also, Fräulein Olsen, nun ist die Frage die: ist etwas Verständnis und Neigung auf beiden Seiten vorhanden?

Keine Antwort. Er wartete reichlich lange, und schließlich sagte sie wie er: „Lassen Sie uns von etwas anderem sprechen!”

War das nun wieder Ziererei? Er fühlte sich wohl nicht mehr ganz sicher, ihr Gerede über Scheldrup Johnsen hatte ihn unsicher gemacht; sie hatte so bestimmt behauptet, daß er nie hinter einem Ladentisch gestanden habe und daß er nun heimkommen werde, um das Geschäft zu übernehmen. Was bedeutete das alles in einem Augenblick wie diesem? Zum Henker, er konnte nicht singen, aber er redete weiter, ob sie längere Bedenkzeit haben wolle? Für ihn sei die Zeit jetzt gekommen, die Ungewißheit habe ihn gerade an diesem Morgen fortgetrieben, um für sich zu reden und zu hören, wie die Sache stehe. Aber vielleicht möchte sie doch lieber noch eine längere Bedenkzeit haben? fügte er hinzu.

„Ja,” sagte sie nur.

Wirklich? Er müsse gestehen, das könne er kaum glauben, nach Verlauf von zwei langen Jahren und nach allem, was zwischen ihnen vorgegangen sei. Ob sie denn nicht gerade herausgesagt finde, daß diese Stadt allmählich ein trauriges Loch geworden sei? Eine Stadt voll Kummer und Bankerott und Elend, an andern Orten lachten die Leute und es gehe ihnen gut. Welche Art Belustigungen man denn hier habe?

Hier warf sie lächelnd ein: „Ich bin nicht an Belustigungen gewöhnt.”

Aber sie könne es werden! lautete die Entgegnung. O, an andern Orten alle die vornehmen Straßen und die Schaufenster und Tivoli und Kaffeehäuser, ob sie denn das nicht reizen könne? Und was die Lebensweise betreffe, so handle es sich ja nur darum, wie man sie selbst bestimmen wolle, es gebe nichts, gar nichts, was man dort nicht bekommen könne. Alle Annehmlichkeiten des Lebens seien da auf einem Brett beisammen, die Zeitungen erschienen jeden Morgen und jeden Abend, die Musik spiele, beim Landtag würde geflaggt; am Sonntag könne man, wenn man wolle, den ganzen Tag im Bett liegen, oder man könne ins Theater gehen, oder mit der Straßenbahn irgendwo hinfahren, oder im Studentenwäldchen spazieren gehen, oder einen guten Vortrag hören. Was man hier am Ort denn habe! Wenn sie wolle wie er, dann zöge sie fort von hier —

Auch das war eigentlich kein Gesang, aber es war doch nicht so ganz verkehrt, und das Fräulein hätte nun einiges Interesse an den Tag legen sollen; aber nein. Gott weiß, was hergehörte, um diese Dame etwas aus dem Konzept zu bringen? Der Rechtsanwalt rückt ihr vorsichtig immer näher und erreicht sie schließlich; er hat in der Hauptstadt etwas gelernt, er tastet weniger ängstlich, legt schließlich den Arm um sie und sagt: „Liebes Fräulein, wenn es doch zu einem etwas besseren Verständnis zwischen uns kommen könnte!”

Sie stand auf, das tat sie, stand auf, lief aber nicht nach der Tür, die Dame stand nicht vor etwas Unumgänglichen, sie sah ihn nur an und sagte: „Ich hoffe, Sie sind nobel, Fredriksen?”