„Natürlich. Hm. Aber Damen pflegen doch im Gegenteil Freude an ein wenig Hofmacherei zu haben,” sagte er, und dabei nickte er und zwinkerte mit dem einen Auge, als habe er recht genaue Kenntnis gewonnen. Er habe durchaus nichts Böses gemeint, nur eine Annäherung, sie wisse doch, wer er sei, sie kenne ihn —
„Ja, das allerdings,” erwiderte sie und setzte sich auf das Sofa.
Er sei ja mit einer Menge Damen zusammengewesen, das fehle durchaus nicht, habe auch an den Gesellschaften auf dem Schlosse teilgenommen, berühmte Sängerinnen gehört und was dergleichen mehr sei — o ja, und einige seien richtig feinfein und nach seinem Geschmack, einzig in ihrer Art gewesen, sie hätten tief ausgeschnittene Kleider an, machten die tiefsten Verbeugungen, trügen Halsketten und Brillanten. „Aber eine Familie mit so einer gründen und sie zur Lebensgefährtin erwählen — nein!” donnerte Fredriksen und schüttelte den Kopf. Er habe im Gegenteil immer an eine gewisse Dame in seiner eigenen kleinen Stadt gedacht, und auf sie habe er seine ganze Hoffnung gesetzt —
„Auf Fia,” warf Fräulein Olsen ein.
Wie plötzlich das herauskam! Er wurde ein wenig verdutzt und bemerkte nur: „Warum nennen Sie gerade diese?”
Fräulein Olsen lächelte.
„Fia,” sagte er, „lassen Sie sie nur in Ruhe, lassen Sie sie in ihrem roten Hut spazieren gehen und lassen Sie sie ihre Bilder malen. Ist es nicht wahr, wenn ich sage, kann man sich ein unnützlicheres Geschöpf denken? Aber das geht uns nichts an, ich begreife nicht, warum wir von ihr sprechen. Ja, mißverstehen Sie mich nun nicht, Fräulein Olsen, die Kunst und schöne Bilder und Gemälde haben ihre große Bedeutung. Ach, du lieber Gott, aber wie so ganz anders sind Sie als dieses Frauenzimmer, es ist nicht halb soviel an ihr wie an Ihnen, dünn und zart und lange Stelzen. Gott bewahre mich davor!”
Es konnte Fräulein Olsen nicht unlieb sein, auch einmal vorgezogen zu werden und als die erste zu gelten, seinerseits war der Rechtsanwalt keineswegs karg: wenn Anerkennung ihr etwas Ungewohntes war, dann sollte sie solche jetzt bekommen! Fräulein Olsen steht wahrhaftig auf und stellt den Aschenbecher vor ihn hin, da hat er es behaglich, und bei dieser Freundlichkeit, dieser Häuslichkeit riß ihn wohl die Liebe mit fort, und er nahm sie in den Arm. Sie wiederholte nur: „Seien Sie nobel, Fredriksen!” entfloh aber nicht wie ein Traum, sondern ließ sich neben ihm auf einen Sessel niederfallen. Er war ja nicht gefährlich und gefräßig, er war nur ein wenig grob und ungebildet wie alle Männer — was übrigens die Mannsleute nicht übel kleidet.
„Aber Sie müssen doch zugeben, daß Sie sehr hingenommen von Fia gewesen sind,” sagte sie.
„Von Fia?” Daß sie das sagen konnte, daß sie das in den Mund nehmen mochte! Hören Sie einmal, eine Malerin, die reine Bleichsucht! Fräulein Olsens wegen würde er sofort die ganze Welt umsegeln, aber Fias Bilder wegen keinesfalls. „Da haben Sie's!” Die Kunst jawohl, aber fürs Tägliche ziehe er im ganzen genommen Fräulein Olsens Beine und Arme und Brustpartie und Figur vor. „Ach, Fräulein Olsen!” sagte er.