„Sie hat hübsche Zähne.”
Sprachen Sie denn noch immer von Fia? Beim Satan, wie zäh war doch Fräulein Olsen, wenn sie von etwas zu sprechen angefangen hatte. Er antwortete damit, daß er sich an sie anlehnte, bedeutend näherrückte, daß er den Arm um sie legte und sich's an ihrem warmen Rücken bequem machte. Und natürlich redete er währenddessen: nun wolle er ihr sagen, wer hübsche Zähne habe. Und jetzt wolle er ihr sagen, wer ein hübsches stattliches Mädchen und ein Schmuck in ihrem reichen Hause sei. Er sei ja jetzt in vornehmen Häusern gewesen, ja, geradezu an höheren Orten, deshalb könne er vergleichen, und das wolle er hervorheben, eine so herrliche Gestalt und so herrliche Formen im großen und ganzen genommen — wohingegen Fia, sehen Sie nur an sich selbst hinunter, Fräulein Olsen, und dann sehen Sie Fia an, das ist, Gott helfe mir, wie wenn man aus den Wolken wieder auf die Erde herunterkommt. Und im übrigen, alles, was sie sagt und tut und wie sie aussieht — lauter Kunst und Finesse und Spitzen und Ziererei alles miteinander.
Fräulein Olsen mußte über die Spitzen lachen, und da wuchs dem Rechtsanwalt der Mut noch mehr. „Wären es wenigstens Spitzen an Beinkleidern gewesen!” sagte er.
Er fühlte, wie sich ihm ihr Rücken etwas entzog, als ob sie aufstehen wollte, aber sein Arm hielt sie fest. Ja, das habe er gerade heraus sagen müssen. Und hohoho, lachte er, man wolle sich doch nicht nur mit Luft verheiraten. Er gehöre nicht zu denen, die die Freuden des Lebens verachteten, im Gegenteil, er sei in dieser Beziehung ein Freund von guten Narrenstreichen und Annehmlichkeiten, und wenn er es recht verstehe, so sei Fräulein Olsen selbst genau so beschaffen und gerade so angelegt, nicht wahr?
„Jetzt müssen Sie mich loslassen,” sagte sie, und wieder glitt ihr Rücken von ihm weg.
Er mußte zum Ernst und dem Geschäftlichen zurückkehren; nun erklärte er ihr, jetzt sei der Augenblick gekommen, die nächsten Wahlen würden ihn wieder in die Nationalversammlung führen, und dann sei es selbstverständlich, daß er in die Regierung komme. Es könne von ihm sanguinisch aussehen, so zu denken und so zu sprechen, aber es fehle ein Vertreter für die Seefahrt, und er habe ja als Obmann der Matrosenkommission eine gründliche Kenntnis auf diesem Felde bekommen, sagte er.
„Ei, dann werden Sie ja Staatsrat!” sagte sie.
„Nach menschlicher Berechnung, ja,” erwiderte er. Sie solle doch ja nicht denken, das sei nur ein Hirngespinst von ihm. Außerdem daß er schon in den Zeitungen als der kommende Mann bezeichnet worden sei, habe er auch dies und jenes hinter den Kulissen gehört. „Und Fräulein Olsen, jetzt frage ich Sie von ganzem Herzen, könnte es sich nun nicht so schicken, daß Sie mein Schicksal mit mir teilten und die Frau eines bekannten Politikers würden, die Frau eines Staatsrats?”
Keine Antwort.
Er redete weiter, aber er ließ doch so nebenbei durchblicken, daß er auch ohne sie nicht ganz und gar verzweifeln müßte, er habe verschiedene Bekanntschaften gemacht, jetzt aber sei Fräulein Olsen sein einziger Gedanke. Er gehe davon aus, daß ihre Eltern, der Konsul und seine Gattin, nichts dagegen einwenden würden, er wolle sie ja nicht zu einer gewöhnlichen Frau machen. Wie nun ihre Antwort laute, ob er hoffen dürfe?