„Doch,” sagte der Vater und ging noch weiter in der Selbstaufgabe. „Und ich gebe auch meine Konsulate auf, das steht fest.”
„Keine Spur!” versetzte Scheldrup bestimmt. „Wir haben nicht so sehr viele wertvolle Aktiva,” sagte er. Im übrigen habe er jetzt die Bücher durchgegangen, sie seien da und dort etwas oberflächlich geführt, und das sei ein Fehler; Zahlen seien nichts Ungefähres, Zahlen seien etwas Ernstes, etwas Strenges. „Treibe keinen Scherz mit Zahlen! Aber die Lage ist nicht einmal so schlecht, Vater; das wär' noch schöner, wenn wir den Kopf verlieren würden. Laß die herumreisenden Herren aus Christiania und Hamburg und Göteborg und Havre nur künftig zu mir kommen!” sagte er.
„Was sagst du da?”
„Aber unter einer Bedingung: daß du dich ausruhst, Vater.”
Endlich brachen sich nun also seine kindlichen Gefühle Bahn; der Vater brauchte Ruhe, das verstand er. Und der Vater hatte durchaus nichts dagegen, sich auszuruhen, er hatte allzuvielem vorstehen müssen, sein Haar war gelichtet, seine Augen ohne Glanz, seine Tage ohne Frieden, die Nächte ohne Freude. „Aber ich kann doch nicht die ganze Zeit über gar nichts tun,” sagte er.
Doch Scheldrup verkündigte: „Ich will die Führung haben, du sollst ausruhen.”
Gleich zu Anfang ging Scheldrup mit den Menschen und den Dingen recht rücksichtslos um; er kündigte Oliver Andersen im Lagerhaus, er zog die jährliche Unterstützung und den jährlichen Anzug für den Philologen Frank, Olivers Sohn, ein, er verabschiedete den alten ererbten Holzhacker, der um Ehre und silberne Löffelprämien schon in Frau Johnsens Kinderheimat gedient hatte, und er hob auch eine gewisse Verbindung mit Henriksens auf der Werft auf.
Wieder standen die Leute in Haufen vor den Häusern und teilten sich gegenseitig ihre Ansichten über diesen Zustand mit: darüber konnte kein Zweifel herrschen, der Konsul war gestürzt, und Scheldrup hatte die Leitung des ganzen Geschäfts übernommen, das sah man an den Wirkungen ringsum, jawohl, an guten und bösen Wirkungen, und alle wurden am Brunnen erörtert.
O, wie die Plappermühlen liefen! Frau Konsul Johnsen hatte sich jetzt einen ganz kleinen Hut angeschafft. Früher trug sie immer einen großen Hut mit einem weißen Rand, der auf und ab wogte, wenn sie ging, fast wie wenn er Scharniere hätte. Aber jetzt hatte sie einen Hut, der einigermaßen dem ähnlich war, den die kleine Frau Konsul Davidsen trug und der nicht viel kostete. Da hatte wohl Scheldrup eingegriffen, wo griff der nicht ein? Die geheimnisvolle Sache auf der Werft brachte er auch in Ordnung. Seht, es war da wohl eine kleine Übereinkunft, die die verstorbene Frau Henriksen und der Konsul seinerzeit, vor sehr langer Zeit miteinander getroffen hatten, damals, als Frau Henriksen noch frisch und lebendig auf der Erde wandelte und nur ganz wenig über dreißig Jahre alt war. Ja, so war es wohl. Aber jetzt stand die Werft still. Dies war das schlimmste von allen Vorkommnissen, die Werft stand still, Kaspar und alle die andern Arbeiter da draußen waren nun arbeitslos und hatten nichts anderes zu tun, als ihre Frauen voreinander zu hüten.
Scheldrup griff ein. Als die von den Gläubigern geschickten fremden Abgesandten kamen, wurden sie in sein Kontor gewiesen, wo er ganz allein saß; die Herren von Göteborg und Havre blieben nicht lange bei ihm, er brachte die Sache mit ihnen in Ordnung, komplimentierte sie zur Tür hinaus und setzte sich wieder. Was hatte er gesagt, um sie zufrieden zu stellen? O, nicht, was er sagte, sondern was er tat, machte den Herren einen unvergeßlichen Eindruck: er schrieb ihnen Wechsel für ihre Forderungen. Bitte — ein Wunder nach dem andern! Das Dampfschiff Fia war im Geschäft wohl mit zweihunderttausend Kronen gebucht; wo nahm nun der Herr Scheldrup diese Million her, um den Verlust des Schiffes auszugleichen? Er mußte da draußen in der großen Welt ganz verteufelte Verbindungen haben!