„Evensen? Ich hab' den Ring selbst gemacht.” Und Abel zeigte die Form vor, in der er ihn gegossen, zeigte die Feilspäne, die er abgefeilt hatte, und die Feilen, die golden geworden waren. „Hier siehst du auch das Schmirgelpapier, mit dem ich ihn geputzt hab',” sagte er, „und hier sind die verschiedenen Feilen, grobe und feine, zuletzt hab' ich noch mit sämisch Leder nachgerieben.”

Das Ganze war wohl die reine Wahrheit, Oliver schüttelte den Kopf und sagte: „Gott bewahre mich, Abel, das ist ja nett, wie du alles fertigbringst, was du angreifst.”

Und Abel war stolz auf das Lob des Vaters, sagte aber: „Jetzt kommt es darauf an, ob sie ihn haben will.”

„Haben will!” rief Oliver. „Wenn das Menschenkind ihn nicht haben will, dann schick' sie nur zu mir! Schick' sie mir nur! Einen Ring wie diesen nicht haben wollen! Fühl doch nur, er ist doppelt so schwer als der, den ich deiner Mutter im Ausland gekauft hab'. Mach doch keine schlechten Witze!”

Von des Vaters Lebensunterhalt war keine Rede mehr, aber der Besuch in der Schmiede hatte den armen Kerl doch aufgemuntert. Dazu gehörte nicht viel, schon allein, daß Abel der bevorstehenden Not gegenüber nicht den Mut verlor, war ihm ein Trost und eine Stütze. Abel den Mut verlieren? Nein.

Er zieht das Taschentuch heraus, dessen Zipfel dem Vater aus der Brusttasche hervorschaut, Abel will es geschwind benützen, es ist ihm ein Rußkörnchen ins Auge geflogen. Und als Oliver das Taschentuch zurückbekommt, fühlt er, daß es um ein Zweikronenstück schwerer geworden ist.

Dann geht er, Oliver geht. Merkwürdig, wie aufgekratzt er jetzt ist, der Besuch in der Schmiede hat ihm gut getan, er hat wieder Geld in der Tasche, morgen ist Sonntag, es gibt gewiß ein Wetter zum Hinausrudern — ach, die Sache mit der Zukunft wird sich schon machen! Als er um Mittag nach Hause geht, bringt er den Kindern etwas Gutes mit, und nachmittags rudert er hinaus.

Es wird Nacht, und er kommt nicht nach Hause, der nächste Tag erscheint, aber kein Oliver läßt sich sehen; daran ist man schon gewöhnt, er läßt das Boot treiben, er fischt, was er zum Essen braucht, legt an, kocht, ißt und schläft. O, es gibt nichts, gar nichts, was diesem wundervollen Müßiggang und dieser Trägheit gleichkäme!

Das erste Morgengrauen über dem Meer und den Inseln hat eine wunderbare Stimmung, wie die Einsamkeit der Ewigkeit möchte man sagen; weit drinnen im Festland stehen einige kahle Telegraphenstangen, das Glockenläuten aus einem naheliegenden Dorfe dringt zu ihm heraus, das stimmt ihn weich, macht ihn still und ruhig. Das Morgengrauen verführt nicht zu irgendwelchen Unsitten, zu Flüchen und Gotteslästerungen, nein, nein, die Erde zum Exempel ist ein schöner Ort, und nachdem er gegessen hat, was gestern abend von den Fischen übriggeblieben ist, fühlt er sich satt und zufrieden und sagt: „Gott sei Lob und Dank für das gute Essen!” Das ist mehr, als heutzutage die meisten Menschen tun.

Nicht jedes Morgengrauen ist dem andern gleich, es gibt auch Sonntagmorgen mit Andacht und Kirchenglocken, in der Luft saust und braust es, das Meer liegt zu seinen Füßen, das ist seine Heimat, seine Wiege, die Dünungen kommen auf ihn zu, wogen auf und ab, werden zu Schaum und zu Nichts in der Ferne. Alles ist wunderschön. Denkt doch nur, einmal in seiner Jugend nahm er ein Los, als eine Tischdecke verlost wurde, und gewann sie. Später hat er auf dem Meer ein vollgetakeltes Schiff geborgen. Das alles hat Oliver Andersen getan.