Er ging zu Scheldrup Johnsen und bat sich für einige Tage frei. — „Meinethalben gerne!” erwiderte Scheldrup Johnsen und ließ durchblicken, wie überflüssig Oliver im großen ganzen für das Lagerhaus sei. Oliver ging heim. Seiner Familie verkündete er, er habe im Sinn, eine Reise zu machen, und als die Familie vor Staunen die Hände zusammenschlug, blähte er sich auf und deutete an, welch eine unbedeutende Sache für ihn, der gewohnt sei, durch die ganze Welt zu fahren, eine Reise sei. „Ich will nur eine Spritztour nach Christiania machen zu einem gewissen Staatsrat,” sagte er. „Ich hab' hier ein Papier in der Tasche, das ich ihm gerne zeigen möchte.” O, welch dunkle Reden Oliver hielt, und wie er sich aufspielte! Er ging zu Abel und sagte: „Wenn du irgend etwas aus Christiania haben möchtest, Maschinen oder andere Dinge, so darfst du's nur sagen.” — „Nun ja,” erwiderte Abel, „wenn du mir einen eisernen Zollstab kaufen könntest. Hier ist keiner zu bekommen, und ich bin in der Schmiede aufgeschmissen.” — „Du sollst deinen Zollstab haben,” sagte Oliver mit Würde. „Von der besten Sorte,” sagte er. „Soviel kann ein Vater wohl für dich tun.”

Und Oliver reiste ab.

Einige Tage darauf kam er wieder zurück und war in strahlender Laune. Jawohl, denn er hatte bei seinem Plagegeist das erreicht, was er hatte erreichen wollen.

Er hatte sich auch nach seinem Sohne Frank umgesehen, das war selbstverständlich, Oliver machte keinen Unterschied zwischen seinen Kindern, er sah sich auch nach Frank um, aber das war vergebens gewesen, Frank war Lehrer irgendwo an einer großen Schule. Übrigens war er auf der Universität fertig, er konnte dort nichts mehr lernen. Außerdem konnte Oliver auch von Staatsrat Fredriksen Grüße bestellen; ei, ein prächtiger Mann, gesprächig und liebenswürdig wie immer; jetzt hatte er eine Quittung für das auf dem Hause stehende Geld geschrieben. Die Familie ist außer sich vor Freude. Oliver trägt einen neuen Strohhut schief auf dem Kopf: „Hat mich nur wenige Worte gekostet!” Die Familie ist voller Neugier, voller Fragen; Oliver bleibt stumm.

Oliver war ja auch früher schon in der einen und der andern Patsche gewesen; dabei hatte er eine eigene Art, vorzugehen, mit einem merkwürdig heimtückischen Blick, den er ganz langsam vom Boden aus aufschlug und mit einigen Worten begleitete, in denen für den andern eine geheime Gefahr lauerte. Es war da eine Verderbtheit in ihm, eine perverse Gemeinheit, der der Gegner weichen mußte. Er war auch diesmal seinem Gläubiger gegenüber weder grob geworden, noch hatte er das Messer gezückt. Was hatte er gesagt? Nicht viel. Abends im Bett befriedigte er die nicht mehr zu bändigende Neugier seiner Frau und gab seine Unterredung mit dem Staatsrat zum besten! O, dieses Ehepaar, dieser Oliver mit seiner Frau, die scheuten sich beide nicht, die Dinge beim Namen zu nennen, und zuweilen lobte ihn Petra einer guten Antwort wegen und sagte: „Ja, du bringst es fertig!” Dann blähte Oliver sich auf.

Was hatte er denn gesagt? Er hatte erklärt, er fände es nur in der Ordnung, wenn ihm der Herr Staatsrat in aller Stille die Schuld erließe, wenn ihm der Herr Staatsrat das Haus einfach schenkte, ihm und Petra und den Kindern —

„Den Kindern? Die sind doch erwachsen?” versetzte der Staatsrat.

„Nicht alle. Nicht die beiden mit den blauen Augen. Das eine davon ist noch recht klein.”

„So?”

„Sehr klein. Fast gar nichts zum Exempel. Und der Herr Staatsrat habe jetzt beim König und bei der Regierung soviel zu denken, da sollten der Herr Staatsrat mir eine Quittung für das Haus schreiben.”