„Quittung? Nein.”
Oliver legt ein Zeugnis vom Doktor vor, daß er ein maroder Mann sei. Der Staatsrat liest das Zeugnis, gibt es wieder zurück und kann nicht einsehen, was ihn das angehe. „Nein,” sagt auch Oliver. Der Herr Staatsrat habe an so vielerlei zu denken, deshalb sollte er das Haus in seiner Heimatstadt gänzlich aus seiner Erinnerung streichen und für alle Ewigkeit eine Quittung dafür schreiben.
„Nein. Warum denn?”
Oliver sieht ihn vom Boden herauf an und antwortet:
„Sonst bekämen der Herr Staatsrat noch mehr zu denken!”
So hatten sie miteinander geredet.
Dämmerte es dem Herrn Staatsrat Fredriksen, daß sein guter Name in Gefahr war? Kurz und gut, er sah ein, daß er nicht wohl wegen eines Hauses mit einem Krüppel und maroden Menschen in einem Geschäftsverhältnis stehen könne, was würde sein alter Wahlkreis, was würde seine Heimat dazu sagen? Und er schrieb die Quittung.
Eine Zeitlang sonnte sich nun Oliver in seinem Triumph und verbarg das Wohlbehagen nicht, das er dabei fühlte. Noch hatte er Geld, obgleich er auf seiner großen Reise viel davon verbraucht hatte, auch zu Kleidern für die Familie, für den Zollstab, eine Klarinette, für Süßigkeiten, alles miteinander, aber noch hatte er Geld, und sein Wesen war das eines Mannes, dessen Ehre wieder hergestellt ist. Nur eines hatte sich nicht geändert: seine Stellung im Lagerhaus war ihm noch immer gekündigt, und er mußte nun schon in allernächster Zeit dort weg. Hierin lag sein Unglück; nach kurzer Zeit würde das ein Ende mit ihm machen und ihm den Nacken beugen.
Eines Tages nahm sich Oliver eine recht freche und faule Arbeit vor: er ging mit seinem ärztlichen Zeugnis zum Konsul. Ja, zum Konsul selbst. Es war ja beim Staatsrat Fredriksen so glatt abgelaufen. Oliver mußte den Versuch wiederholen, es war allerdings das letzte, zu dem er sich selbst überreden konnte, aber wenn kein anderer Ausweg mehr da war — — Er hatte früher von sich selbst niemals so niedrig gedacht, er hätte den Konsul Johnsen mit Zudringlichkeiten solcher Art gerne verschont, hätte die lustigen braunen Augen davor schützen mögen, daß sie sich verschleiern müßten. Aber was sollte er tun? In kurzer Zeit war er brotlos, soviel Anteil konnte der Konsul noch an dem Wohl und Weh der Familie Oliver bezeugen, daß er auch ferner eine Stelle in seinem Lagerhaus für den Krüppel hatte. Alles. Er könnte dem Konsul als Schürze dienen, o, in seiner Ergebenheit für seinen flotten Chef war nichts verändert, er konnte ihm sein Recht abtreten, konnte sein Hund sein, konnte der Wächter seines Harems sein —
Oliver ging zum Konsul.