Sie gewinnt ihre Seelenruhe wieder und macht Einwendungen: Heute? Sie könne doch nicht stehenden Fußes hingehen, sie müsse sich erst etwas Wäsche waschen, sie sei unordentlich angezogen.

Als sie dann aber am nächsten Tag ordentlich angezogen und hergerichtet bereit war, da war sie auch wieder ein verflixt prächtiges Frauenzimmer, Oliver hätte nur ihren Mund sehen sollen, wie er gewölbt war und wie es um ihre Lippen spielte wie eine wahre Galoppade, Oliver hätte sie küssen können, aber er war leblos. Was hatte sie nun davon, daß sie hübsch war?

Ihr Besuch bei Scheldrup Johnsen führte zu nichts, sie kam zu einem Stein, einem Holzklotz, Scheldrup wies sie ab, er habe keine Verwendung für Oliver, er sei nicht in der Lage, ihn noch länger zu füttern — nun, reden wir nicht mehr darüber! O, Scheldrup hatte wohl eine gewisse ernste Backpfeife, die Petra ihm in seiner Jugend versetzt hatte, nicht vergessen; jetzt war er ein Bräutigam und ein kleinlicher Geselle, er glich seinem Vater, dem Konsul, ganz und gar nicht, der oftmals recht freigebig sein konnte.

Da blieb denn nichts anderes übrig; Oliver steigerte sich so weit in Wut hinein, daß er selbst zu Scheldrup ging. Ein verhängnisvoller Schritt, der für ihn bittere Widerwärtigkeiten im Gefolge haben sollte. Seine alte Art des Vorgehens, nämlich mit dunkeln, drohenden Worten und einem schielenden Blick von unten herauf, nützte ihm hier gar nichts, Scheldrup war ein moderner, entschiedener Mann mit gehärteten Gefühlen. Meinte man, dieser Herr fürchte sich vor einem Skandal, so täuschte man sich, das könnte höchstens sein, wenn er noch etwas dabei verdiente; in diesem Falle konnte er ganz ruhig sein, er hatte Fräulein Olsen, was auch geschehen mochte.

Oliver mußte den Kürzeren ziehen, er benahm sich verkehrt und verlor das Gleichgewicht, er schrie. „Still!” wehrte Scheldrup scharf ab. Oliver schleuderte sein wertvolles ärztliches Zeugnis auf den Tisch; nun ja, auch Scheldrup Johnsen nahm das Papier und las es, darauf fragte er: „Was soll das bedeuten?”

„Ich bin nicht Vater,” sagte Oliver.

Scheldrup fragte lachend: „Ja, was zum Henker geht das mich an?”

Dieser Handelsmann hatte kein Verständnis für das unerhörte Schicksal, dem er hier gegenüber stand, er hatte wohl auch nur einen oberflächlichen Eindruck von der Gemeinheit und der Schmach, die in den Worten des Krüppels zum Ausdruck kam; er lächelte noch immer. Oliver aber sank wie gewöhnlich zusammen und erbleichte; er sagte alles, was er nicht hätte sagen sollen, nannte seine fünf Kinder, wiederholte sich und redete von braunen Augen, o hübsche Augen, die braunen —

„Mach, daß du fortkommst!” sagte Scheldrup.

„Braune Augen —”