Der Schreiner Mattis grämt sich augenblicklich darüber, daß er einen unschuldigen Mann betreffs Maren Salts Kind im Verdacht gehabt hat, er ist sehr aufrichtig und sehr ungeschickt, er will sein Unrecht wieder gut machen und paßt deshalb Oliver auf der Straße ab, begrüßt ihn und streckt ihm die Hand hin. Es ist ein unglaubliches Zusammentreffen, das die beiden Männer einander gegenüberstellte.

„Ja,” sagt Mattis, „ich hab' dich nur einmal begrüßen wollen. Und daß du es entschuldigen sollst, wie ich gegen dich gewesen bin!” Er spricht so vorsichtig wie möglich und bringt es auch wirklich so weit, sich Oliver gegenüber, der keinen Unrat merkt, eine Weile vollkommen unverständlich zu machen. O, dieser Schreiner Mattis, da steht er, ein sonderbarer Kauz, ein komischer Prachtmensch, er sieht davon ab, daß Oliver ihm unrecht getan hat, ihn um zwei Türen betrogen, ihn um einen goldenen Ring, ja gewissermaßen um Petra selbst geprellt hat, er ist nur darauf versessen, sich zu entschuldigen, er habe keine Ruhe mehr gehabt, seit er gehört habe, wie Oliver sei —

„Wie ich sei?”

„Ja, daß du so marode und so operiert bist.”

Oliver starrt ihn an, und schließlich sagt er: „So, das weißt du?”

Oho, warum sollte Mattis es nicht wissen! Die Stadt redete davon, Maren Salt hatte es gestern vom Brunnen mit heimgebracht, und es wurde, mit Einzelheiten und Zusätzen ausgeschmückt, weiter verbreitet; es war nicht so besonders traurig, es war auch etwas komisch, ja urkomisch. Und dann die Petra, die ihre Kinder selber machte, das brachten nicht alle Frauenzimmer fertig, hihi!

Mattis geht nicht gerade scharf auf dieses ein, aber er bezeugt Mitleid mit dem Verstümmelten und läßt einige Worte darüber fallen, wie schwer das Leben ihn doch mitgenommen habe, ja, das sei sehr traurig. Oder ob am Ende alles rump und stump erlogen sei?

Oliver stand vor ihm mit gesenktem Kopf, er war im Augenblick ganz verwirrt und wußte wohl nicht recht, ob er seinen Fall leugnen oder eingestehen solle. Er gab nach, ließ alle Keckheit fallen und sagte: „Nein, es ist nicht gelogen.”

Bei dieser Antwort schien sich der Schreiner plötzlich erleichtert zu fühlen, ja, wie wenn vor ihm plötzlich ein Hindernis aus dem Wege geräumt worden wäre, was es nun auch immer sein mochte. Dachte er in diesem Augenblick an eine Sache, die ihn nur ganz allein anging? Dann sagte er zu Oliver: „Ja ja, du Armer, wenn du so unglücklich gewesen bist! Aber nun will ich dir etwas sagen: keiner von uns weiß, wie es ihm selbst noch gehen kann, wir stehen alle in der Hand des Schicksals. Denk' dir, bei uns hat das Kind eines Tages die Zündhölzer erwischt und damit die Hobelspäne in der Werkstatt angezündet! Es hätte selbst verbrennen können.”

Mattis schwatzt, er tröstet Oliver, sagt „du Armer” zu ihm und tut, was er kann. Und um von dem einen aufs andere zu kommen, fährt er fort, so solle er jetzt für Abel eine Bettlade machen. Dieser sei heute morgen bei ihm gewesen und habe sie bestellt; in vierzehn Tagen müsse er sie haben.