„Ach so,” sagt Oliver, „für Abel?”

Ja, für Abel. Er wolle sich verändern. Es sei höchst merkwürdig, wie schnell die Jugend jetzt heranwachse und ehe man sich's versehe, selbständig werde. Was man dazu sagen solle? Aber abgesehen davon, so seien die Menschen in höheren Jahren ebensogut in der Hand des Schicksals. So sprach Mattis, ja, er drosch die ganze Zeit leeres Stroh.

Als Oliver nichts erwidert, sagt Mattis gerade heraus: „Ich will mich jetzt auch verändern, mit Respekt zu vermelden.”

Oliver hat das Talent, seine eigenen Angelegenheiten loszulassen und auf die der andern zu hören, deshalb fragt er überrascht: „Du?”

„Ja, du magst wohl fragen! Aber jetzt ist es sicher,” der Schreiner nickt bekräftigend. „Maren will den Jungen nicht hergeben, und ich Esel hab' mich nun ein wenig an ihn gewöhnt; aber wenn ein Kind die Hobelspäne in der Werkstatt anzündet, dann verbrennt es, das wissen wir alle. Und da krabbelt er die ganze Zeit um mich herum, und am Sonntag nimmt er mich bei der Hand und sagt: „Ausgehen, ausgehen!” Er ist ein merkwürdiger kleiner Kerl. Es ist jedoch nicht so, daß ich ihn nicht entbehren könnte, aber Maren will ihn auch nicht hergeben.”

Wieder eine lange Litanei, schließlich fragt Oliver: „Dann nimmst du also die Maren?”

„Was soll ich tun?” versetzt der Schreiner. „Ja, es ist die Maren.”

Aber wie merkwürdig, als der Schreiner Mattis schließlich weitergeht, scheint es ihm gar nicht mehr so schrecklich vorzukommen, daß er die Maren zu heiraten gedenkt, es ist im Gegenteil, als eile es ihm, heimzukommen. Es ist ihm vielleicht eine Last abgenommen worden, ein Druck von seiner Seele, Gott weiß es. Hatte es vielleicht dem Schreiner über das Schlimmste hinweggeholfen, daß Oliver jedenfalls mit Maren und ihrem Jungen nichts zu tun hatte? Wer nun auch der Vater sein mochte, Oliver war es jedenfalls nicht.

Und dort wandert auch der Krüppel heimwärts. Natürlich gibt es niemand, der sich nicht von ihm zurückgezogen hätte, der sich nicht vor ihm versteckt hätte, er ist ja so verstümmelt, so merkwürdig zugerichtet, er ist den Menschen widerlich. Kann er erwarten, irgend jemand werde ihn gutwillig ansehen? Sein wabbeliges Fett ist furchtbar, sein Wesen abstoßend, seine Sprünge auf der Straße unerträglich. Selbst als Tier, als Vierfüßler ist er unvollkommen, und er ist nicht nur ein Krüppel, er ist ein ausgehöhlter Krüppel, ist leer. Einmal war er ein Mensch.

Da hinkt er daher. Sogar der Schreiner Mattis ist von ihm fortgegangen.