Der Ring schmückte schließlich nicht die Hand, für die er gemacht worden war. Nein, Klein-Lydia wollte den Ring nicht nehmen, als Abel damit ankam, sie habe sich selbst einen Ring gekauft, einen mit einem roten Stein, einen glatten Ring wolle sie nicht tragen.
„Was fehlt dem Ring?” fragte Abel. „Ich hab' ihn selbst gemacht, und ich glaube nicht, daß er entzwei geht.”
Ach nein, sie danke ihm, aber sie wolle ihn nicht haben; die Leute könnten sonst meinen, sie sei verlobt. Im übrigen hatte Klein-Lydia im Augenblick gar keine Zeit übrig, sie sollte zum Polizei-Carlsen und Klavier üben; sie ging etwas hastig im Zimmer umher, blieb dann vor dem Spiegel stehen und war recht geputzt. Ihre Stiefelabsätze waren herrlich hoch, ja, wie von einem Architekten gebaut.
Abel sprach für sich, wie das so seine Art war, vielleicht etwas ängstlicher und schüchterner als sonst, natürlich schwatzte er auch und wechselte mit Ernst und Scherz ab. Was sie nun meine, nun seien sie beide alt genug, und er habe die Schmiede, jetzt möchte er es gerne wissen.
Wissen, was denn? Sie verstand ihn nicht, durchaus nicht, Abel erklärte sich, und das war nun seine Art und Seidenfeinheit, daß er keine großen Umschweife machte.
Klein-Lydia bat ihn aufzuhören, sie habe es gut daheim und wolle sich nicht verändern, sie nähe für das Modegeschäft.
Jawohl. Aber Abel sagte, er wolle jetzt einen endgültigen Bescheid haben. Er habe einen Dampfhammer, habe sich verschiedenes fürs Haus angeschafft, sie sollten im Altenbau in seinem Elternhaus wohnen, Mattis habe das Bett angefertigt.
Da schien es wahrhaftig, als sei es Klein-Lydia zu viel geworden, ja, als knicke sie etwas zusammen über all das, was sie hörte, sie neigte sich vor und sah ihn an.
„Siehst du mich an?” fragte Abel.
„Ja,” antwortete sie. „Ich begreife nicht, daß du so etwas denken kannst! Daß du glaubst, ich wollte das!”