Sie redeten hin und her, sie sagte, sie müsse fast über ihn lachen. Schließlich redete sie im Ernst, er bekam sehr deutliche Antworten, und es konnte nicht vermieden werden, daß sie sogar Anspielungen machte, was für eine Art Vater und Mutter er habe.

Nun war also keine Hoffnung mehr für ihn, und so schwieg er.

Da Klein-Lydia aber kein herzloses Mädchen war, sondern ein Mädchen wie alle andern, fing sie nun unverfänglich an, von andern Dingen zu reden: ihr Bruder Eduard sei jetzt auf dem Heimweg, er habe von Boston geschrieben. Darauf gab Abel eine höfliche Erwiderung und schwieg dann wieder. Ja, tat sie dann kund, jetzt sei sie fertig und müsse gehen. Abel stand auf und ging nach der Tür; um nicht vollständig zerschmettert zu erscheinen, versuchte er es sogar noch einmal mit einem Scherz und sagte: „Ja ja, ich kann ja später wiederkommen!”

Aber er kam nicht wieder.

Er wanderte auf der Landstraße dahin, der Leichtfüßigste der Stadt ging einen schweren Gang. Er wanderte wohl so dahin, um sich etwas von seinem Schmerz und seinem Jammer wegzulaufen, nun ging er schneller, lief immer mehr wie unter einem Druck, wie wenn ihm eine Erbschaft entginge, wenn er sich nicht beeilte. O, er war wohl auch etwas gekränkt, etwas wütend.

Jetzt stand er vor einem Hof am Wege. An diesen Hof knüpfte sich für Abel eine Kindheitserinnerung: hier hätte er einmal als kleines Eichhörnchen gerne eine Jacke weggeschmuggelt, die an einem Seil hing, hatte dann um etwas zu essen gebeten, aber nichts bekommen, schließlich hatte er gesagt, er möchte eine Tasse Kaffee kaufen, aber auch das war ihm verweigert worden unter dem Vorwand, er sei noch zu klein. Armes Eichhörnchen! Aber bei dieser Gelegenheit hatte er sich gelobt, wieder zu diesen schändlichen Leuten zu kommen, wenn er groß geworden sei. Jetzt kam er.

Ein Mädchen steht auf dem Hofplatz; er kennt sie einigermaßen, hat sie ab und zu in der Stadt gesehen und ihr zugenickt, und jetzt erkennt auch sie ihn, das kann er deutlich sehen, sie macht sich etwas zu eifrig am Schleifstein zu schaffen, sie errötet. Lovise heißt sie. Natürlich ist es nicht ganz zufällig, daß Abel jetzt vor ihr steht, nur wenige Dinge geschehen ganz zufällig, er steht hier, weil er anderswo verschmäht worden ist, im Trotz ist er hierher gelaufen.

Und die junge Lovise ist vielleicht auch nicht ganz zufällig in diesem Augenblick aus dem Hause getreten, jedenfalls kann sie unmöglich meinen, sie müsse den Schleifstein so ganz genau untersuchen. Sie kommen ins Gespräch miteinander, und da Abel wiederum keine großen Umschweife macht, sagt er allerlei. Sie erwiderte nicht viel, eine schöne Unsicherheit lag über ihrem Wesen, und um ihren Mund spielten viele kleine Lachgeisterchen. Bei diesem ersten Male machten sie dies und jenes aus, beim zweiten Male mehr, beim dritten Male alles. Abel eilte es gewaltig, seinen Ring anzubringen.

Nun könnte man ja meinen, Abel habe gleich von Anfang an eine gefährlich große Familie bekommen: Frau, Eltern, zwei Schwestern und die Großmutter, in den ersten Wochen nach der Hochzeit war es wohl auch ziemlich schwierig; aber Abel und der Dampfhammer arbeiteten gut, außerdem half der Vater in der Schmiede, er hatte den mächtigsten Oberkörper und war besonders gewandt beim Feilen, wie eine Maschine konnte er feilen. Es ging ganz gut. Dazu kam noch, daß die Blaumeise das Haus verließ, da gab es einen Mund weniger zu versorgen. Seht das kleine Persönchen, die Blaumeise, da zog sie mit dem Zeichenstift in ein eigenes, behagliches Haus auf dem Hügel und hinterließ Abel, den komischen Kauz, einen ganzen Tag heimlich weinend. Um ihn zu trösten, sagte der Vater: „Ja ja, ihr seid gute Kinder gegeneinander gewesen. Und was für Kinder ihr alle miteinander geworden seid!” — „Es hätte doch keine solche Eile gehabt,” erwiderte Abel.

Es sollte mit der einen Schwester nicht genug sein. Abel hatte nur noch eine, das Braunchen, die mit den Familienaugen und dem ovalen Gesicht. Sie hätte wohl noch eine Weile so bleiben können, wie sie war, meinte Abel, aber das strandete an Eduard; Eduard kam heim und holte sie. Der Matrose war nun so viele Jahre lang fort gewesen, als ein erwachsener, breitschultriger Mann kehrte er heim und holte sich das Braunchen.