Olaus hat während der letzten Tage gebummelt und scheut sich deshalb durchaus nicht, sich geltend zu machen. Eine Bummelei des Olaus vom Wiesenrain war ja höchst verschieden von einem gewöhnlichen Abendmahlsgang mit Wein in der Kirche, er trank so viel, als er überhaupt trinken konnte. Jetzt kam er betrunken und übermütig ans Bollwerk, o, ein seliger Narr, aufrecht, eine Tonpfeife rauchend, vielleicht hungrig, aber stiermäßig stark. Er redete höchst überlegen mit den Leuten, großspurig, hatte auch eine grobe, schnarrende Stimme. Was er sagte? Seine Worte waren verständlich genug, sie verirrten sich weder nach rechts noch nach links. Er tat, wie wenn er Scheldrup Johnsen an Bord gar nicht sähe, und sprach sich also über ihn aus:

„Na, du sollst also den Scheldrup nach der Villa hinausfahren?” rief er dem Kutscher zu. „Ein netter Kerl, der! Frag' ihn, wie es mit der Versicherung der Fia bestellt gewesen sei? Habt ihr's gehört? Scheldrup, die Spitznase, hatte das Schiff selbst versichert und steckte das Geld in seine eigene Tasche.”

Alle Leute auf dem Bollwerk hörten zu. Das waren keine Kleinigkeiten, Olaus übertrieb vielleicht gar nicht, er gab jedenfalls einem sich immer weiter verbreitenden Gerücht Ausdruck. Was hier über Scheldrup gesagt wurde, war keineswegs unglaublich, er war ja eigentlich der gewesen, der die ganze Zeit her über das Schiff verfügt hatte, wozu der Vater gar nicht die Erfahrung haben konnte — konnte da nicht Scheldrup auch einen Termin Versicherung bezahlt haben? Er wäre dazu imstande gewesen. Das würde zugleich auch erklären, daß Scheldrup heimkommen, sich auf des Vaters Stuhl im Kontor setzen und Wechsel um Wechsel an die Gläubiger ausstellen konnte. Schließlich würde es auch erklären, daß der Vater von seinem Stuhl wieder Besitz ergriff, als die Sache an den Tag kam. O, vielleicht deshalb war Konsul Johnsen wieder aufgeflammt und wieder rührig geworden. Er hat seinen modernen Sohn geprügelt, er hat wieder soviel von der Leitung der Geschäfte an sich genommen, als er selbst für gut fand. Nichts ist so belebend für den Menschen wie ein Sieg.

Die Arme voller Blumen, gehen die Neuvermählten an Land, steigen in den Wagen und fahren grüßend ab, fahren hinein in den Ehestand und die Flitterwochen. Olaus schweigt einigermaßen. Einer nach dem andern von der Hochzeitsgesellschaft verläßt das Boot, dabei wird es Olaus wohl zu langweilig, er geht vom Landungssteg weg und begibt sich nach der Vorderluke, um nach den Waren zu sehen. Einige Kisten werden an Land geschafft. Olaus kommt es nicht auf ein paar weitere lümmelhafte Grobheiten an, er ist wie gewöhnlich, ohne eigentliche Bosheit, aber er ist mannhaft und ohne jegliches Verantwortlichkeitsgefühl darauf aus, die Anwesenden mit seiner Freimütigkeit in Erstaunen zu setzen und sie zum Lachen zu bringen.

Da steht nun Frank, der neue Schulvorsteher, mager und sprachkundig in seinem Winkel. Olaus redet ihn an: „Steh nicht da und mach die Trantonnen schmutzig!” ruft er. Da er diesmal ein Witzbold ist, kichern alle Leute. Oliver hört diesen auf den Sohn gemünzten Zuruf, diese tiefe Respektlosigkeit, und hinkt ein paar Sätze näher, wie um einzugreifen. Er hat jetzt seinen heimtückischen Blick und scheint gewisse Gefühle gegen Olaus zu hegen.

Aber Olaus wird durch den Sieg aufgestachelt und fährt fort: „Du stehst da mitten in meinem Logis, das weißt du wohl nicht? Jawohl, in dem Winkel liegen der Olaus vom Wiesenrain und ich bei Nacht unter einem Presenning, einem Teertuch. Wenn du heut abend hierherkommst, dann will ich dir auch ein Obdach geben!”

Noch mehr Respektlosigkeit also!

Um seine Gleichgültigkeit zu zeigen, legt Frank die Hände auf den Rücken und geht langsam vom Bollwerk fort. Er redet nicht, ohne zu belehren, und er belehrt nicht auf einem Bollwerk.

Olaus läßt ihn nicht los, er lacht hinter ihm drein und sagt: „Ja, du kannst glauben, ich hab' Achtung vor dir!” Jetzt erblickt er Oliver, Franks Vater, und nun treibt er diesen an, er ruft ihm zu, dort gehe sein Sohn, Petras und des Mondes Sohn. Oliver hört es, er bleibt stehen und schaut zu Boden. Übrigens anerkennt Olaus Petra, lobt Petra, sagt, er habe sie schon als ganz kleines Mädchen gekannt, „hübsch war sie die ganze Zeit,” sagt er, „viel zu gut, um ins Unglück zu geraten. Dann hat sie den Oliver geheiratet und dann wurde sie sozusagen Witwe in alle Ewigkeit mit ihm. Ach, du lieber Gott, Oliver, dich sollte man gar nicht in den Mund nehmen! Ein solcher armer Tropf, du tust mir leid, und du bist ja zu nichts anderem gut, als wie ein Frauenzimmer dazusitzen und eine Nadel einzufädeln. Petra dagegen —”

Doch da sieht Olaus den Doktor aufs Bollwerk zukommen, und in seiner Trunkenheit zieht er sofort den Doktor in sein Gewäsch hinein, er verschont niemand: „Petra war nicht wie die Frau Doktor, die keine Kinder haben wollte, nein, bekam sie solche nicht daheim, dann ging sie in die Stadt und bekam sie dort. So sollte es sein, es war ihr einerlei, was im Betsaal gesagt wurde. Es sollte vielleicht so sein, daß die Weibsleute keine Kinder bekämen? Das wär' beim Satan! Sie sollten es wie die Frau Doktor machen und sie sich wegweinen und wegjammern! Wein mir hier, wein mir dort, und versenk sie auf den Meeresgrund, sie war nichts Besseres wert! — War es so, Doktor,” rief er in seinem Übermut, „daß du damals mit einem Lappen ihre Tränen auf dem Boden auftrocknen mußtest? Ja, jetzt drehst du um und willst nichts mehr hören. Aber ich will dir noch eins sagen, eh du gehst, die Frauen, die nicht Leben und Blut hergeben, die sollten sich selbst in die Erde hineingraben, das sollten sie —”