Aber Petra warf den Kopf zurück, Petra murrte. Was war das nur? Verstand sie vielleicht nicht, in was sie sich hineinbegeben hatte?
Sie war kein Mädchen mehr, sie war im Gegenteil verheiratet und verloren; laß jetzt jede Hoffnung schwinden! Arme Petra, sie hatte in einer Zwickmühle ordentlich nachgeben müssen, o, was für ein Kreuz sie auf sich genommen hatte! Sie konnte es nicht tragen, nicht wie andere aus dem Volke, andere Mädchen trugen auch kein solches Kreuz, zum Kuckuck, nein! Bei Konsuls war ihr viel anvertraut gewesen, zweimal hatte man ihr den Lohn erhöht, und Scheldrup war in sie verliebt gewesen, war es wohl noch. Und da saß sie nun! Ja, auf diese Weise lehnte sich Petra auf.
„Es ist gerade, als dächtest du gar nicht an den Jungen,” sagte Oliver wie ein Richter.
„O, ich denke Tag und Nacht an ihn. Soll ich ihn auf den Rücken nehmen, wenn ich ausgeh'?”
Petra höhnte. Oliver sah sie immer aufmerksamer an, und als nun ihr Hauch seine Nase erreichte, begriff er besser: sie war da und dort gewesen und hatte getrunken. Ha, das war großartig, und jetzt hatte sie Mut und Beredsamkeit bekommen.
„Wo bist du gewesen?” fragte er.
„O, nicht in vielen Häusern.”
„Du bist jedenfalls irgendwo gewesen, und man hat dir zu trinken gegeben.”
„Merkst du es? Jawohl, ich bin bei Konsuls gewesen. Sie hatten Gesellschaft, und ich hab' ein wenig geholfen. Frau Johnsen hat mir eingeschenkt.”
Petra war nicht dem Trunke verfallen, diese Erklärung genügte, wenn sie wahr war. Wenn sie wahr war! Sie scheute sich nicht vor einer Notlüge, einer falschen Aussage, im Gegenteil, da sie nicht besonders erfinderisch war, wurde sie dann liebenswürdig und lieb und frech, und damit kam sie weit. Oliver mochte es glauben oder nicht glauben, daß sie bei Konsuls gewesen sei, das änderte nichts an der Sache! Seht, da sitzt sie nun und stillt das Kind, etwas dumm, aber hübsch und jung, etwas toll vielleicht, leichtsinnig vielleicht, warum nicht? Nun, sie war gerade kein Licht, sondern gewöhnlich und unbedeutend, eine Dirne, aber auch mit guten Seiten, mit Körperwärme, mit einer verflixten Weiblichkeit. Da kam sie nun heim und war im Hause, sie gehörte Oliver, sie war etwas Ernährendes, sie hatte Milch in sich, er sah ihre geschwellten Brüste.