„Woher kommt ihr?” fragte er.
„Von einem Lande, das China heißt.”
Das bedeutete für Olaus gar nichts. „Ach so, von China. Ja, die Welt ist nicht mehr groß,” sagte er, „in alten Tagen, da konnte ein Seemann sagen, er komme von weit her. In der vorigen Woche liefen hier im Ort zwei Männer herum und bettelten um Geld und Essen. Ich fragte sie, woher sie kämen. ‚Von Persien,’ sagten sie. Ja, aus Persien, von dem wir in der biblischen Geschichte gehört haben und von dem niemand weiß, wo es liegt. Hast du Tabak für meine Pfeife?”
Man reicht ihm eine Pfeife voll; er bedankt sich nicht, aber er anerkennt den Tabak, indem er äußert: „Ich hab' schon schlechteren geraucht.” Und während er eine Landungstreppe mit seinen anderthalb Armen aufs Schiff wirft, kommandiert er: „Da, faßt an und vertäut sie!”
Das war Olaus. Das Schicksal hatte auch ihn verfolgt, den Einhändigen mit dem ewig blauen Gesicht, aber ob er dabei dick und ruhig geworden wäre? Zum Kuckuck nein! Er war nicht dick und tot wie ein Tier, und ebensowenig hatte er ein blasses Gesicht wie ein Adliger, sondern er war betrunken und großsprecherisch. Er zehrte von seinen Reserven. Ja, wozu hat man denn sonst Reserven, als um von ihnen zu zehren?
Oliver steigt an Bord. Das hätte er nicht tun sollen, nein, sie begrüßten ihn nicht mit Jubel, sie nahmen nur seine ausgestreckte Hand und sagten das Notwendigste. Alle waren von ihrem Eigenen in Anspruch genommen. Sollte sich Oliver über Menschen verwundern, die es möglich machten, aus China zurückzukommen? Der weitgereiste Matrose war ja selbst dort gewesen, für ihn war nichts neu. Nein, Oliver hätte nicht an Bord gehen sollen, jetzt hatte er überdies sein Englisch vergessen und konnte nicht mehr so recht in der Matrosensprache reden. Das Mannschaftslogis war genau wie früher, ein dunkler, übelriechender Schacht, obgleich da gespült worden war wie zum Sonntag. Er setzte sich an den wohlbekannten Tisch und schwatzte und schwatzte da immerfort von sich; im Anfang hörte man ihm zu, aber sie wollten ihn lieber nach den Ihrigen am Lande und nach den Honoratioren des Ortes fragen; so gingen sie wieder auf Deck und schauten nach ihren Angehörigen aus.
Oliver sagt: „Ja, nehmt nun an, daß ich ganz marode bin.”
„Ja du, dir ist wohl der Unterleib ordentlich kaputt geschlagen worden?”
„Was, mir, der Unterleib? Ich bin ein verheirateter Mann mit vielen Kindern. Eine Trantonne kann einem Mann nicht den Leib zerschlagen.”
„Was für eine Trantonne?” fragt Kaspar.