„Ich? Ach, es ist einerlei, was so ein armer Tropf wie ich sagt. Aber für dich und die andern kann es doch ganz einerlei sein, ob eine Trantonne oder ein Balken mich kaputt gemacht hat.”

„Ja, das ist wahrhaftig einerlei,” sagt jetzt auch Kaspar. „Was hat sie denn im Ausland getan?”

„Es heißt, sie sei Kajütjungfer auf einem Schiff gewesen.”

„Nein, denn ich hab' jedes Jahr von hier aus Briefe von ihr bekommen.”

„Ja ja,” sagt Oliver.

Auf dem Heimwege begegnet er Kaspars Frau; sie ist im Staatsgewand, sieht unschuldig aus und ist auf dem Wege, ihren Mann abzuholen. Im Vorbeigehen sagt Oliver zu ihr, daß ihr Mann auf sie warte; aber ob die Frau nun zu geputzt und zu unschuldig war, um Oliver etwas zu erwidern — sie eilt nur an ihm vorüber.

Oliver geht heim in sein Haus und zu seiner Familie. Der Besuch an Bord der Fia war entschieden ein Mißgriff gewesen. O, Glück auf die Reise, er würde nicht öfters hingehen. Und was Kaspar und seine Frau betraf, so erwartete er nicht viel von dieser Seite: hier war ein ganzer Ort Mitwisser. Überdies war ein Krüppel durch seine eigene Elendigkeit geschützt, selbst wenn er ein paar Eheleute aufeinanderhetzte.

Er setzt sich an den Tisch und fängt an, über die Mannschaft auf der Fia zu schimpfen, sie sei lauter Pack, er hätte jeden einzelnen durchprügeln sollen, damals, als er noch seine volle Körperkraft hatte.

Petra erwidert nichts, sieht nicht nach der Seite, wo er sitzt, so überdrüssig ist sie seines Geschwätzes und seiner Person. O, dieser Fettklumpen auf dem Stuhl dort, er schnauft, er hat einen regelrechten Anzug an, er hat Knöpfe am Anzug, auf dem oberen Ende sitzt ein Hut schräg auf dem Ohr. Sie kannte alles in- und auswendig, seinen Stelzfuß, der absteht und das kleine Zimmer versperrt, seine Reden, seine Lügen, seine Großmäuligkeit, seine Stimme, die einer Frauenstimme immer ähnlicher wird, die matten wasserblauen Augen, den allzeit feuchten Mund! Mit jedem Jahr verfiel er sozusagen mehr, nur sein Appetit war immer derselbe. Und es gab nicht immer Essen genug.

Merkwürdig! Das Leben in der Stadt ging seinen Gang, und es war sogar stark im Aufschwung begriffen. Als die Tanzlehrerin ihre Arbeit getan hatte und abgereist war, wurde jeden Samstagabend im Rathaussaal getanzt, und ebenso deutlich zeigte sich der Aufschwung in den Kleidern und in der Lebensweise der Leute. Aber bei Oliver und Petra ging nichts aufwärts, nein, nur abwärts ging's, ganz herunter ging's. Hatte nicht der verrückte Mann die Zieraten auf der Kommode verkaufen wollen, den weißen Engel und das Sparschweinchen vom Ausland? Dann eines Tages im Winter ging Oliver in die Stadt und verkaufte das Haus, in dem er wohnte. Es war ein gewissenloses Tun.