Schon mehr als einmal hatte er das Haus verkaufen wollen, der Rechtsanwalt Fredriksen, dem es gehörte, würde einem Krüppel gegenüber doch wohl ein Mensch sein. Aber Rechtsanwalt Fredriksen dachte wohl, er habe Oliver schon genug geholfen, als er ihn mit seiner Bemerkung über die Seemannstat berühmt gemacht hatte; warum tat er nicht noch mehr Großtaten? Das Haus verkaufen, das Haus eines andern —

Oliver wurde einfach verklagt.

Seht, dieser Oliver Andersen hätte ja von Rechts wegen längst hinausgeworfen werden müssen, aber die Stadt beschützte den Krüppel. Jetzt hatte er sich endlich selbst durch ein Verbrechen jegliches Schutzes verlustig gemacht.

Oliver stapfte zum Rechtsanwalt und bat um Gnade, der Handel solle rückgängig gemacht werden, das Ganze sei also fast ungeschehen. Es half aber nichts, der Rechtsanwalt wollte die Gelegenheit benützen, das Haus leer zu bekommen. Nein, es half nichts, bis Petra zum Rechtsanwalt ging und recht hübsch bat; aber auch Petra gelang es nicht gleich beim ersten Male.

Das war ein Zustand, die Heimat dicht vor dem Abgrund. Was war dabei, wenn sich Petra da von Hause fortschlich und sich auf die Treppe des Tanzsaales setzte, um in einer Abendstunde ein wenig selig zu träumen! Oliver, der Mann, krepierte nicht vor Scham und Not, im Gegenteil, er tat noch groß und schimpfte über den Rechtsanwalt, über den Leuteschinder, der sich einem Krüppel gegenüber nicht als Mensch zeige. Na, einerlei, wenn Oliver um das Geld für das Haus betrogen werde, dann sei er dadurch nicht mehr ruiniert als vorher; es fehlte ihm durchaus nicht an Auswegen, wenn er daheim saß und mit seiner Familie redete. Den Platz beim Leuchtturm, nein, den hatte er aufgegeben, aber wer könne ihn daran hindern, sich einen Rollwagen anzuschaffen und in den Gemeinden herumzufahren? Oder wie, wenn er in eine große Stadt führe und auf der Drehorgel spielte?

„Ja,” sagte Petra, „das solltest du nur tun!”

„So. Und wovon solltest dann du und die Familie leben?”

Ja, wovon sollten sie leben? Vielleicht konnte er so viel verdienen, daß er etwas Geld heimschickte. Aber da hatte Petra ihre Zweifel. Auch die Großmutter zweifelte daran, ja, sie sagte gerade heraus, Oliver werde wohl den ganzen Verdienst aufessen.

So wurde nichts aus der Reise des Versorgers, und der Fuß, auf dem die Familie lebte, blieb derselbe wie vorher. Aber sie lebten von einem Tag zum andern, sie lebten es auch durch, sie überlebten es.

Warum sollte es auch so schlecht gehen? Der Versorger war körperlich unvollkommen, was dann? Hannibal war einäugig, Alexander hinkte. Oliver war von guten Eigenschaften nicht ganz entblößt, was wollte man denn? Er war eigentlich friedlich von Natur, er ging nicht mit blutunterlaufenen Augen und furchtbar gebleckten Zähnen umher und wartete darauf, bis die kleinen Kinder fürs Schlachten reif wären, nein, er war freundlich gegen Kinder. Mißgestaltet? Jawohl, da war das leere Hosenbein, das so jämmerlich hin und her schlug, wenn er ging. Aber er war zum Beispiel nicht wie die Buckligen, die, wenn sie gehen, aussehen, als trügen sie sich selbst auf dem Rücken. Entblößt von guten Eigenschaften? Er trank nicht, o nein, niemals, er rauchte nicht einmal mehr Tabak, nein, in dieser Beziehung war er wie ein Frauenzimmer geworden.