War sie nicht auf dem Strich — war sie nicht?
Eine ungeheuere, unnatürliche Eifersucht lodert in dem Krüppel auf, zum erstenmal kennt er diesen fremden, brennenden Schmerz, er ist so heftig, daß sich sein Gesicht verzerrt, so daß Petra Angst bekommt; sie deckt das Kind zu. Oliver schwankt ans Fenster hin und sieht hinaus. Wenn nun braune Augen die richtigen Familienaugen waren, wie konnten dann blaue Augen dasselbe sein? Er kennt all den Klatsch über sich und sein Haus recht wohl, der ist nicht so zart und unschuldig gewesen, daß er ihn nicht verstanden hätte, das letzte, was er gehört hatte, war: Petra werde wohl Scheldrup Johnsen nicht immer Backpfeifen versetzt haben! Und wenn auch — Scheldrup Johnsen hatte braune Augen, die Kleine in der Wiege aber blaue.
Eine Schlange fraß sich in sein Herz hinein. Bis jetzt war es ihm gut gegangen, nun würde es ihm nicht mehr beschieden sein, sich die Unruhe fernzuhalten. Unruhe? Not drang auf ihn ein, sie wurde zur Qual. Er fing an, an den Straßenecken aufzulauern, dann sprang er plötzlich vor, packte Petra an der Brust und fragte, wohin sie wolle. Nacht und Tag war er auf der Wacht, und er fand nie mehr Ruhe, sein Haar ergraute. Der einzige Ort, wohin Petra ungehindert gehen konnte, war auch jetzt noch das Haus Johnsen am Landungsplatz, dahin, ins Haus und in den Laden, durfte sie jedesmal ohne Einwand gehen. Aber er ging ihr nach und gab acht, daß sie auch wirklich dahin ging.
Seine Verrücktheit dauerte an; er versäumte das Meer, um im Hinterhalt zu stehen und Petra aufzulauern, er bettelte Fische bei den andern Fischern, um etwas nach Hause bringen zu können. Und Petra, die dumme Person, verstand es nicht, seine Eifersucht zu dämpfen, sie stachelte sie eher noch auf. Als diese eine Zeitlang gedauert hatte und sie merkte, daß sie ihr für Leib und Leben ungefährlich war, stachelte sie Oliver bis zur Raserei auf. Die blauen Augen können von dem Schreiner Mattis stammen, dachte er wohl, und er fand keine Worte, die für diesen Mann verächtlich genug waren, dieses Nashorn, diesen Schürzenjäger!
Petra verteidigte ihn.
„Na, hat er jetzt nicht einmal mehr eine schreckliche Nase?”
„Nein. Diese Nase steht ihm gerade.”
„Schweig! Er ist ja Schreiner, da sollte er sich einen Stall für seine Nase bauen.”
Und sonderbar: es war, als gebe es noch andere, die der blauen Augen wegen, sozusagen, eifersüchtig wurden; aber Konsul Johnsen scherzte ja und tat nur so, wie wenn er eifersüchtig wäre, als er mit Petra darüber sprach.
„Du hast ein Mädelchen bekommen, Petra, wie ich höre?”