Wäre nun Abel auch so fleißig gewesen und hätte sich halbtot studiert, so hätte er bei diesem Gebirgsausflug auch nicht fehlen dürfen, er hätte ihm außerordentlich gut getan und ihn tüchtig gekräftigt. Aber Abel war nicht von der Art, nein, das war er nicht, und zur Zeit war er überdies in Leid und Untätigkeit versunken.
Eines Tages sagte Eduard zu ihm, nun müßten sie wieder hinausrudern, es kämen große Merlanschwärme dahergezogen. Abel zeigte sich niedergedrückt und zu nichts aufgelegt, der Kamerad brauchte eine ganze Stunde, um ihn zu überreden. Und trotzdem ging Abel nicht ohne weiteres mit. Die Sache war nämlich die: Abel fiel es über die Maßen schwer, eine Verbindung abzubrechen und von einem Ort Abschied zu nehmen; und wenn er jetzt wieder mit Fischen anfangen sollte, dann mußte er seine Stelle beim Stadtingenieur aufgeben. Er hatte da eine elende Bezahlung bekommen, und er hatte wenig Geld, aber es hatte in diesem Haus dicke Butterbrote gegeben, und alle waren freundlich gegen das Eichhörnchen gewesen; konnte Abel da einfach hingehen und Lebewohl sagen? Er wußte, er konnte es nicht tun, ohne daß sich ihm das Herz im Leibe umdrehte, und so schob er es von einem Tag zum andern hinaus.
Da wurde Eduard böse und sagte, er werde schon einen andern Kameraden finden.
„Ach so! Aber wo willst du ein Boot hernehmen?” fragte Abel.
Ja, da wurde Eduard wieder zahm; denn es handelte sich ja um Abels Boot — Olivers Boot.
Und zum erstenmal seit langer Zeit konnte nun Abel ein wenig triumphieren, konnte er nun auf der Straße erwachsen ausspucken und sich als mehr denn ein Nichts fühlen. Das konnte Eduard ganz gut tun, diesem Bruder von Klein-Lydia.
Überdies hing Abel ja auch an seinem alten Kameraden, und als er sich die Sache ordentlich überlegt hatte, machte er ernst und verabschiedete sich bei Stadtingenieurs. Es wäre auch einigermaßen gut abgelaufen, wenn ihm nicht die Hausfrau gar so mütterlich die Hand gedrückt und gesagt hätte: „Armer Abel, du hast so eine kleine magere Hand!” Ganz geblendet von Tränen kam er auf die Straße hinaus.
„Hoho!” rief ihm da einer zu, „hast du da drinnen Haue bekommen?” Es war der Zeichenstift.
Dann saß er also wieder auf der Ruderbank und kam allmählich wieder zu sich. Seht, er war die reine Landratte und ein ganzer Pferdeknecht geworden, jetzt legte er dem Boote Zaum an und fuhr dieses, und wenn ein ordentlicher Seegang war, saß er wieder mit zwei Zoll Körper auf einer scharfen Kante und balancierte. O ja, das waren wohlbekannte Dinge, die Kameraden hatten wieder das Leben vor sich und verdienten wieder Bargeld. Der Kaufmann Davidsen war ein neuer, netter Kaufmann, mit dem ließ sich gut handeln, er verkaufte ihnen herrliche Fischleinen und nahm dafür Fische als Bezahlung. Kein Fischer war jetzt besser ausgerüstet, als die beiden Jungen. Nachdem eine Woche vergangen war, konnte Abel einen Wagen sehen, ohne von ihm in Versuchung geführt zu werden.
Aber trotzdem quälte ihn die Erinnerung an Klein-Lydia noch lange; er machte Umwege, um nicht mit ihr zusammenzutreffen, und erwähnte sie niemals. Nein, aber er brachte Eduard dazu, von ihr zu sprechen, ihren Namen auszusprechen, wenn auch nicht mehr. Abel fragt: