Ja, ich sag's ja! meinte der Greis leise. Mehr sagte er nicht; er glaubte jedes Wort, das ich erzählte, und fiel trotzdem nicht in Erstaunen. Das enttäuschte mich ein wenig, ich hatte erwartet, ihn durch meine Einfälle ratlos zu machen.
Ich erfand noch ein paar desperate Lügen, trieb es bis zum Hasard, flüsterte davon, daß Happolati neun Jahre Minister in Persien gewesen sei. — Sie haben vielleicht keine Ahnung, was es sagen will, Minister in Persien zu sein? fragte ich. Das sei mehr als König hier, oder ungefähr soviel wie Sultan, wenn er wisse, was das sei. Aber Happolati habe alles bewältigt und sich niemals festgerannt. Und ich erzählte von Ylajali, seiner Tochter, einer Fee, einer Prinzessin, die dreihundert Sklavinnen hatte und auf einem Lager von gelben Rosen lag; sie sei das schönste Wesen, das ich je gesehen hätte. Gott straf mich, wenn ich in meinem Leben jemals einen ähnlichen Anblick erlebt hätte.
So, war sie so schön? äußerte der Alte mit einer abwesenden Miene und sah auf den Boden.
Schön? Sie war herrlich, sie war sündhaft süß! Augen wie Rohseide, Arme aus Bernstein. Ein einziger Blick nur von ihr sei verführerisch wie ein Kuß, und wenn sie mich rief, jagte ihre Stimme wie ein Strahl Weines bis an mein Herz. Weshalb sollte sie nicht so herrlich sein? Hielt er sie etwa für einen Kassenboten oder für einen Mann von der Feuerwehr? Sie war einfach eine Herrlichkeit des Himmels, könne ich ihm sagen, ein Märchen.
Jaja! sagte der Mann ein wenig verdutzt.
Seine Ruhe langweilte mich. Ich war von meiner eigenen Stimme erregt worden und sprach in vollem Ernst. Die gestohlenen Archivsachen, der Traktat mit dieser oder jener fremden Macht waren nicht mehr in meinen Gedanken. Das kleine flache Paket lag zwischen uns auf der Bank, und ich hatte nicht mehr die geringste Lust, es zu untersuchen und zu sehen, was es enthielt. Ich war ganz von meinen eigenen Gedanken in Anspruch genommen, seltsame Gesichte trieben an meinen Augen vorbei, das Blut stieg mir zu Kopf, und ich lachte aus vollem Halse.
In diesem Augenblick schien der Mann gehen zu wollen. Er tastete an sich herum und fragte, um nicht schroff abzubrechen:
Er soll schwere Besitzungen haben, dieser Happolati?
Wie konnte dieser blinde, widerwärtige Greis es wagen, mit einem Namen, den ich erdichtet hatte, umzugehen, als sei es ein gewöhnlicher Name und stünde auf jedem Krämerschild der Stadt? Er stolperte über keinen Buchstaben und vergaß keine Silbe; dieser Name hatte sich in seinem Gehirn festgebissen und im selben Augenblick Wurzeln geschlagen. Ich wurde ärgerlich, eine innere Verbitterung begann in mir gegen diesen Menschen zu entstehen, den nichts in Verlegenheit bringen konnte und nichts mißtrauisch machte.
Davon weiß ich nichts, erwiderte ich störrisch; ich weiß durchaus nichts davon. Lassen Sie es sich nun übrigens ein für allemal sagen, daß er Johan Arendt Happolati heißt, nach seinen eigenen Vorbuchstaben zu urteilen.