Johan Arendt Happolati, wiederholte der Mann, erstaunt über meine Heftigkeit. Dann schwieg er.
Sie sollten seine Frau sehen, sagte ich rasend; einen dickeren Menschen.... Ja, Sie glauben vielleicht gar nicht, daß sie so besonders dick ist?
Doch, das glaube er wohl — ein solcher Mann —
Der Greis antwortete auf jeden meiner Ausfälle sanftmütig und still und suchte nach Worten, als sei er besorgt, sich zu vergehen und mich zornig zu machen.
Zum Satan, Mensch, glauben Sie etwa, daß ich hier dasitze und Ihnen die Ohren vollüge? rief ich außer mir. Sie glauben vielleicht nicht einmal, daß es einen Mann namens Happolati gibt? Niemals noch habe ich soviel Trotz und Bosheit bei einem alten Mann gesehen! Was zum Teufel ist mit Ihnen los? Sie haben vielleicht obendrein bei sich gedacht, ich sei ein äußerst armer Kerl, der hier in seinem besten Staat sitzt und überhaupt kein Etui voll Zigaretten in der Tasche hat? Eine solche Behandlung, wie Sie mir bieten, bin ich nicht gewöhnt, das will ich Ihnen sagen, und ich dulde sie, bei Gott, weder von Ihnen noch von irgendeinem anderen, das dürfen Sie glauben!
Der Mann hatte sich erhoben. Mit offenem Mund stand er da, stumm, und hörte meinen Ausbruch an, bis ich zu Ende war, dann ergriff er schnell sein Paket auf der Bank und ging, lief beinahe über den Weg mit seinen kleinen Greisenschritten.
Ich blieb zurück und sah seinen Rücken an, der mehr und mehr fortglitt und immer mehr zusammenzusinken schien. Ich weiß nicht, woher ich den Eindruck bekam, aber es schien mir, als hätte ich niemals einen unehrlicheren und lasterhafteren Rücken gesehen als diesen, und ich bereute nicht, daß ich diesen Menschen ausgescholten hatte, bevor er mich verließ....
Der Tag ging zur Neige, die Sonne sank, in den Bäumen ringsumher fing es an ein wenig zu sausen, und die Kindermädchen, die ein Stück weiter weg in Gruppen bei der Balancierstange saßen, begannen ihre Wagen heimzurollen. Ich war ruhig und wohlgemut. Die Erregung, in der ich eben gewesen war, legte sich nach und nach, ich fiel zusammen, wurde schlaff und begann mich schläfrig zu fühlen. Die große Menge Brotes, die ich gegessen hatte, war mir auch nicht mehr besonders lästig. In bester Stimmung lehnte ich mich auf der Bank zurück, schloß die Augen und wurde immer schlaftrunkener, ich schlummerte und war nahe daran, in festen Schlaf zu fallen, als ein Parkwächter seine Hand auf meine Schulter legte und sagte:
Sie dürfen hier herinnen nicht schlafen.
Nein, sagte ich und erhob mich sogleich. Und mit einem Schlag stand meine traurige Lage mir wieder klar und deutlich vor den Augen. Ich mußte etwas tun, irgend etwas ausfindig machen! Stellungen zu suchen hatte mir nichts genützt; die Empfehlungen, die ich vorzeigte, waren alt geworden und schrieben sich von allzu unbekannten Personen her, um kräftig zu wirken; außerdem hatten die ständigen Absagen während des ganzen Sommers mich verzagt gemacht. Na — unter allen Umständen war meine Miete fällig, und ich mußte einen Ausweg dafür finden. Dann konnte das übrige einstweilen auf sich beruhen.