Aufgeblasen von Hoffnung und Zufriedenheit, ständig in Anspruch genommen von meiner merkwürdigen Skizze, die ich jeden Augenblick aus der Tasche zog, darin zu lesen, wollte ich sogleich Ernst damit machen und den Umzug in Gang bringen. Ich nahm mein Bündel hervor, ein rotes Taschentuch, das ein paar reine Kragen und etwas zusammengeknülltes Zeitungspapier, in dem ich mein Brot heimgetragen, enthielt, rollte meine Bettdecke zusammen und steckte meinen Vorrat an weißem Schreibpapier zu mir. Darauf untersuchte ich der Sicherheit halber alle Winkel, um mich zu vergewissern, daß ich nichts hinterlassen hatte, und als ich nichts fand, ging ich zum Fenster und sah hinaus. Der Morgen war dunkel und naß; es war niemand bei der abgebrannten Schmiede draußen, und das Waschseil, das sich unten im Hof von Wand zu Wand spannte, war von der Nässe gestrafft. Ich kannte alles zusammen von früher, trat deshalb vom Fenster weg, nahm die Decke unter den Arm, verbeugte mich vor der Bekanntmachung des Leuchtfeuerdirektors, verbeugte mich vor Jungfer Andersens Leichenwäsche und öffnete die Türe.
Mit einem Mal kam mir meine Wirtin in den Sinn, — sie mußte doch von meinem Auszug unterrichtet werden, damit sie sehen konnte, daß sie es mit einem ordentlichen Menschen zu tun gehabt hatte. Ich wollte ihr auch für die paar Tage, die ich das Zimmer über die Zeit hinaus benützt hatte, schriftlich danken. Die Gewißheit, nun für längere Zeit gerettet zu sein, drang so stark auf mich ein, daß ich meiner Hausfrau sogar fünf Kronen versprach, wenn ich nächster Tage vorbeikäme; ich wollte ihr bis zum Übermaß zeigen, was für einen honetten Menschen sie unter dem Dach gehabt hatte.
Den Zettel hinterließ ich auf dem Tisch.
Abermals hielt ich an der Türe an und kehrte um. Dieses strahlende Gefühl, nun obenauf zu sein, entzückte mich und machte mich dankbar gegen Gott und die ganze Welt, und ich kniete beim Bett nieder und dankte Gott mit lauter Stimme für seine große Güte gegen mich an diesem Morgen. Ich wußte es, oh, ich wußte es, daß der Rausch von Inspiration, den ich eben durchlebt und niedergeschrieben hatte, eines wunderbaren Himmels Tat an meinem Geiste war, eine Antwort auf meinen Notruf von gestern. Das ist Gott! Das ist Gott! rief ich mir zu, und ich weinte vor Begeisterung über meine eigenen Worte; dann und wann mußte ich innehalten und einen Augenblick horchen, ob jemand auf der Treppe sei. Endlich erhob ich mich und ging; ich glitt lautlos alle diese Stockwerke hinunter und erreichte ungesehen das Tor.
Die Straßen waren blank vom Regen, der in den Morgenstunden gefallen war, der Himmel hing rauh und tief über der Stadt, und es war nirgends ein Sonnenstrahl zu sehen. Wie spät mochte es sein? Ich ging wie gewöhnlich in der Richtung des Rathauses und sah, daß es halb neun Uhr war. Ich hatte also noch ein paar Stunden vor mir; es nützte nichts, vor zehn Uhr, vielleicht elf Uhr, in die Redaktion zu kommen, ich mußte mich einstweilen herumtreiben und inzwischen spekulieren, wie ich zu einem kleinen Frühstück gelangen konnte. Ich hatte übrigens keine Angst davor, an diesem Tag hungrig ins Bett zu gehen; diese Zeiten waren Gott sei Lob vorüber! Das war ein zurückgelegtes Stadium, ein böser Traum; von nun an ging es aufwärts!
Indessen wurde mir die grüne Bettdecke beschwerlich; ich konnte mich auch wirklich nicht mit einem solchen Bündel vor allen Leuten sehen lassen. Was würde man von mir glauben! Und ich ging weiter und überlegte, wo ich sie bis auf weiteres aufbewahrt bekommen konnte. Da fiel mir ein, ich könne damit zu Semb gehen und sie in Papier einschlagen lassen; dies würde gleich besser aussehen, und es wäre keine Schande mehr, sie zu tragen. Ich trat in den Laden und trug mein Verlangen einem der Gehilfen vor.
Er sah zuerst die Decke an, dann mich; es schien mir, daß er im stillen ein wenig geringschätzig die Schultern zuckte, als er das Paket entgegennahm. Das verletzte mich.
Tod und Teufel, seien Sie ein bißchen vorsichtig! rief ich. Es sind zwei teure Glasvasen darin; das Paket soll nach Smyrna.
Das half, das half großartig. Der Mann bat mit jeder Bewegung, die er machte, um Verzeihung dafür, daß er nicht sofort wichtige Dinge in der Decke geahnt hatte. Als er mit dem Einpacken fertig war, dankte ich ihm für die Hilfe wie ein Mann, der schon früher kostbare Sachen nach Smyrna gesandt hatte; er öffnete mir sogar die Türe, als ich ging.
Ich wanderte unter den Menschen auf dem Stortorv umher und hielt mich am liebsten in der Nähe der Weiber auf, die Topfpflanzen zu verkaufen hatten. Die schweren, roten Rosen, die blutig und rot im feuchten Morgen glommen, machten mich begehrlich, führten mich in Versuchung, sündhaft rasch eine mitgehen zu lassen, und ich fragte nach dem Preis, nur um ihnen so nah wie möglich kommen zu können. Würde mir Geld übrigbleiben, wollte ich sie kaufen, gehe es, wie es wolle; ich konnte es ja reichlich da und dort an meiner Lebensweise einsparen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.