Ja über Erwarten.

Haben Sie nun etwas zu tun?

Etwas zu tun? antworte ich und bin sehr erstaunt; ich bin doch Buchhalter bei der Großhändlerfirma Christie, ja.

Ach so! sagt er und weicht ein wenig zurück. Du lieber Gott, wie sehr ich Ihnen das gönne! Wenn man Ihnen nur jetzt das Geld, das Sie verdienen, nicht abbettelt! Guten Morgen.

Kurz darauf dreht er sich um und kommt zurück; er deutet mit dem Stock auf mein Paket und sagt:

Ich würde Ihnen meinen Schneider empfehlen. Sie bekommen keinen feineren Schneider als Isaksen. Sagen Sie nur, daß ich Sie sende.

Was steckte er da seine Nase in meine Sachen? Ging es ihn etwas an, welchen Schneider ich nahm? Ich wurde zornig; der Anblick dieses leeren, geputzten Menschen machte mich erbittert, und ich erinnerte ihn ziemlich brutal an zehn Kronen, die er von mir geliehen hatte. Noch ehe er antworten konnte, bereute ich jedoch, ihn gemahnt zu haben, ich wurde flau, und ich sah ihm nicht in die Augen; als im gleichen Augenblick eine Dame vorbeikam, trat ich schnell zurück, um sie vorüber zu lassen, und benützte die Gelegenheit, meiner Wege zu gehen.

Was sollte ich nun anfangen, während ich wartete? Ein Café konnte ich mit leeren Taschen nicht besuchen, und ich wußte keinen Bekannten, zu dem ich um diese Tageszeit hätte gehen können. Instinktmäßig schlenderte ich die Stadt hinauf, vertrieb einen Teil der Zeit auf dem Weg zwischen dem Markte und Graensen, las „Aftenposten”, die soeben an die Tafel gehängt worden war, machte einen Schwung zur Karl Johanstraße hinunter, kehrte dann um und ging geradeaus zum Erlöserfriedhof, wo ich einen ruhigen Platz auf dem Hügel neben der Kapelle fand.

Ich saß dort in aller Stille und döste in der nassen Luft, dachte, schlief halb und halb und fror. Und die Zeit ging. War es nun auch gewiß, daß das Feuilleton ein kleines Meisterstück inspirierter Kunst war? Gott weiß, ob es nicht da und dort seine Fehler hatte! Wenn ich alles wohl überlegte, brauchte es nicht einmal angenommen zu werden, nein, nicht einmal angenommen, ganz einfach! Es war vielleicht ziemlich mittelmäßig, vielleicht geradezu schlecht; welche Sicherheit hatte ich dafür, daß es nicht schon jetzt in diesem Augenblick im Papierkorb lag.... Meine Zufriedenheit war erschüttert, ich sprang auf und stürmte aus dem Kirchhof hinaus.

Unten in der Akerstraße guckte ich in ein Ladenfenster und sah, daß es erst wenig über zwölf Uhr war. Das machte mich noch verzweifelter. Ich hatte so sicher gehofft, es sei weit über Mittag, und vor vier Uhr hatte es keinen Sinn, nach dem Redakteur zu fragen. Das Schicksal meines Feuilletons erfüllte mich mit dunklen Ahnungen; je mehr ich daran dachte, desto unwahrscheinlicher kam es mir vor, daß ich so plötzlich etwas Brauchbares geschrieben haben könnte, beinahe im Schlaf, das Gehirn voller Fieber und Freude. Natürlich hatte ich mich selbst betrogen und war den ganzen Morgen über froh gewesen, um nichts und wieder nichts. Natürlich! .... Ich bewegte mich in raschem Gang den Ullevaalsweg hinauf, vorbei an St. Hanshaugen, kam auf offene Felder, in die engen, seltsamen Gassen bei Sagene, über Bauplätze und Äcker und befand mich zuletzt auf einer Landstraße, deren Ende ich nicht absehen konnte.