Ich glaube, den habe ich schon ein paarmal gefahren, sagte der Kutscher. Er hat auch einen Knotenstock.

Dies ließ mir den Mann ganz lebendig werden und ich erwiderte:

Hehe, diesen Mann hat wohl noch niemand ohne seinen Knotenstock in der Hand gesehen. Dessen können Sie sicher sein, ganz sicher.

Ja, es war klar, daß dies der gleiche Mann war, den er gefahren hatte. Er erkannte ihn wieder....

Und wir fuhren darauf los, daß die Funken von den Hufen sprühten.

Mitten in diesem aufgeregten Zustand hatte ich keinen einzigen Augenblick die Geistesgegenwart verloren. Wir kommen an einem Polizeibeamten vorbei, und ich bemerke, daß er die Nummer 69 hat. Diese Zahl trifft mich grausam genau, steht mit einemmal wie ein Splitter in meinem Gehirn. Neunundsechzig, genau neunundsechzig, ich würde es nicht vergessen!

Ich lehnte mich im Wagen zurück, eine Beute der verrücktesten Einfälle, kroch unter dem Schutzleder zusammen, damit niemand sehen sollte, daß ich den Mund bewegte, und plapperte idiotisch vor mich hin. Der Wahnsinn rast durch mein Gehirn und ich lasse ihn rasen, ich bin mir vollkommen bewußt, daß ich Einflüssen unterliege, über die ich nicht Herr bin. Ich beginne zu lachen, stumm und leidenschaftlich, ohne jeden Grund, immer noch lustig und betrunken von den etlichen Glas Bier, die ich genossen hatte. Nach und nach nimmt meine Erregung ab, meine Ruhe kehrt mehr und mehr zurück. Ich fühlte in meinem verwundeten Finger die Kälte und steckte ihn in den Halsbund, um ihn ein wenig zu wärmen. So kamen wir in die Tomtestraße. Der Kutscher hält an.

Ich steige ohne Hast aus dem Wagen, gedankenlos, schlapp, schwer im Kopf. Ich gehe durch das Tor, komme in einen Hinterhof, den ich überquere, stoße auf eine Türe, die ich öffne, gehe hinein und befinde mich in einem Gang, einer Art Vorzimmer mit zwei Fenstern. In einem Winkel stehen zwei Koffer übereinander, und an der Längswand ist eine alte, unbemalte Sofabank, auf der eine Decke liegt. Im nächsten Zimmer zur Rechten höre ich Stimmen und Kindergeschrei und über mir im ersten Stock den Lärm einer Eisenplatte, auf die gehämmert wird. All dies bemerke ich, sowie ich hereingekommen bin.

Ich gehe ruhig quer durchs Zimmer, zur entgegengesetzten Türe hin, ohne mich zu beeilen, ohne den Gedanken an Flucht, öffne auch diese Türe und trete in die Vognmandsstraße hinaus. Ich sehe an dem Haus hinauf, das ich eben durchquert habe, und lese über der Türe: Kost und Logis für Reisende.

Es fällt mir nicht ein, wegzuschleichen, mich von dem Kutscher, der auf mich wartet, fortzustehlen; ich gehe sehr bedächtig auf die Vognmandsstraße hinaus, ohne Furcht und ohne mir einer schlechten Tat bewußt zu sein. Kierulf, dieser Wollhändler, der so lange in meinem Gehirn gespukt hatte, dieser Mensch, den ich tatsächlich am Leben geglaubt, und den ich notwendig hätte treffen müssen, war mir aus dem Kopf gekommen, war ausgelöscht, zusammen mit anderen verrückten Einfällen, die einer nach dem anderen kamen und gingen, er war mir nur noch wie eine Ahnung, eine Erinnerung im Gedächtnis.