Ich wurde immer nüchterner, je weiter ich wanderte, fühlte mich schwer und matt und schleppte die Beine nach. Der Schnee fiel immer noch in großen, nassen Fetzen. Zuletzt kam ich nach Grönland hinaus, bis zur Kirche, wo ich mich auf eine Bank setzte. Alle Vorübergehenden betrachteten mich sehr verwundert. Ich fiel in Gedanken.

Du guter Gott, wie schlecht war es um mich bestellt! Ich war meines ganzen elenden Lebens so herzlich müde, daß ich es nicht mehr der Mühe wert fand, weiterhin darum zu kämpfen. Das Mißgeschick hatte überhand genommen, es war zu arg geworden. Ich war so merkwürdig vernichtet, nur noch ein Schatten dessen, was ich einmal gewesen war. Meine Schultern waren ganz auf die eine Seite herabgesunken, und es war mir zur Gewohnheit geworden, mich beim Gehen stark vorzubeugen, um meine Brust zu schonen, so gut es ging. Ich hatte meinen Körper vor ein paar Tagen untersucht, eines Mittags in meinem Zimmer oben, und ich war dagestanden und hatte die ganze Zeit über ihn geweint. Seit vielen Wochen trug ich das gleiche Hemd, es war steif von altem Schweiß, und mein Nabel war aufgewetzt; ein wenig blutiges Wasser kam aus der Wunde, sie schmerzte nicht, aber es war so traurig, mitten auf dem Bauch diese Wunde zu haben. Ich konnte nichts für diese Wunde tun und von selbst wollte sie nicht wieder zuheilen; ich wusch sie, trocknete sie sorgsam ab und zog wieder das gleiche Hemd an. Es war nicht zu ändern....

Ich sitze auf der Bank und denke über all dieses nach und bin ziemlich traurig. Es ekelte mich vor mir selbst; sogar meine Hände kommen mir widerlich vor. Dieser schlappe, schamlose Ausdruck auf meinem Handrücken peinigt mich, macht mir Unbehagen; ich fühle mich durch den Anblick meiner mageren Finger roh in Mitleidenschaft gezogen, ich hasse meinen ganzen schlottrigen Körper und schaudere bei dem Gedanken, ihn zu tragen, ihn um mich zu fühlen. Herrgott, wenn es doch nur ein Ende nehmen wollte! Ich würde so herzlich gerne sterben. Vollständig bezwungen, besudelt und in meinem eigenen Bewußtsein erniedrigt, stehe ich mechanisch auf und gehe heimwärts. Unterwegs kam ich an einem Tor vorbei, an dem folgendes zu lesen stand: „Leichenwäsche bei Jungfer Andersen, rechts im Torweg”. — Alte Erinnerungen! sagte ich und dachte an mein früheres Zimmer auf Hammersborg, den kleinen Schaukelstuhl, die Zeitungen unten bei der Türe, die Anzeigen des Leuchtfeuerdirektors und an Bäcker Fabian Olsens frischgebackenes Brot. O ja, damals hatte ich es doch viel besser gehabt als jetzt; in einer einzigen Nacht hatte ich ein Feuilleton für zehn Kronen geschrieben, nun konnte ich nichts mehr schreiben, konnte durchaus nichts mehr schreiben, mein Kopf wurde sofort leer, sobald ich es versuchte. Ja, ich wollte nun ein Ende haben! Und ich ging und ging.

Mit jedem Schritt, mit dem ich dem Kramladen näher kam, hatte ich halb unbewußt das Gefühl, ich gehe einer Gefahr entgegen; aber ich hielt an meinem Vorsatz fest, ich wollte mich ausliefern. Ruhig steige ich die Treppe hinauf, begegne in der Türe einem kleinen Mädchen, das eine Tasse in der Hand trägt, schlüpfe an ihr vorbei und schließe die Türe. Der Gehilfe und ich stehen uns wieder gegenüber, allein.

Na, sagt er, das ist ein schreckliches Wetter.

Wozu diesen Umweg? Warum stellte er mich nicht sofort? Ich wurde wütend und sagte:

Ich bin nicht hierher gekommen, um über das Wetter zu sprechen.

Diese Heftigkeit verblüfft ihn, sein kleiner Krämergeist versagt; es war ihm gar nicht eingefallen, daß ich ihn um fünf Kronen geprellt hatte.

Wissen Sie denn nicht, daß ich Sie betrogen habe? sage ich ungeduldig, und ich schnaufe heftig, bebe, bin bereit, Gewalt anzuwenden, falls er nicht sofort zur Sache käme.

Aber der arme Kerl ahnt nichts.