Ach, du lieber Himmel! unter welch dummen Menschen mußte man doch leben! Ich schelte ihn aus, erkläre ihm Punkt für Punkt, wie das Ganze zugegangen war, zeige ihm, wo ich stand und wo er stand, als die Tat geschah, wo das Geld gelegen hatte, wie ich es in meine Hand eingesammelt und die Hand darum zusammengeschlossen hatte, — und er versteht alles, unternimmt aber trotzdem nichts gegen mich. Er wendet sich hierin und dorthin, horcht nach Fußtritten im Nebenzimmer, macht mir Zeichen, um mich zu leiserem Sprechen zu bewegen und sagt zum Schluß:

Das war recht schäbig von Ihnen!

Nein, warten Sie! rief ich in meinem Drang, ihm zu widersprechen und ihn aufzureizen. Es sei nicht so gemein und niedrig gewesen, wie er es sich in seinem elenden Krämerhirn vorstelle. Ich hätte das Geld natürlich nicht behalten, das wäre mir niemals eingefallen; ich für meinen Teil wollte keinen Nutzen daraus ziehen. Dies sei meiner grundehrlichen Natur zuwider....

Was taten Sie dann damit?

Ich hätte es einer alten, armen Frau gegeben, jeden Ör, daß er es nur wisse; solch ein Mensch sei ich, ich vergäße die Armen nicht ganz....

Er denkt eine kleine Weile darüber nach, wird offenbar unsicher, wieweit ich ein ehrlicher Mann sei oder nicht. Endlich sagt er:

Hätten Sie das Geld nicht besser zurückgeben müssen?

Nein, hören Sie, antworte ich frech. Ich wollte Ihnen keine Unannehmlichkeiten bereiten, ich wollte Sie schonen. Aber das ist der Dank, den man für seinen Edelmut hat. Nun stehe ich hier und erkläre Ihnen das Ganze und Sie schämen sich nicht wie ein Hund, machen auch nicht die geringsten Anstalten, den Streit mit mir auszugleichen. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Im übrigen soll Sie der Teufel holen. Leben Sie wohl!

Ich schlug die Türe hart hinter mir zu.

Aber als ich in mein Zimmer kam, in dieses betrübliche Loch, durchnäßt vom weichen Schnee, die Knie bebend von des Tages Wanderungen, verlor ich augenblicklich meine Hochnäsigkeit und fiel wiederum zusammen. Ich bereute meinen Überfall auf den armen Ladengehilfen, weinte, griff mir an die Kehle, um mich für meinen erbärmlichen Streich zu strafen, und tobte umher. Er war natürlich in der tödlichsten Angst um seine Stellung gewesen und hatte nicht gewagt, wegen dieser fünf Kronen, die das Geschäft verloren hatte, viel Aufhebens zu machen. Und ich hatte seine Furcht ausgenützt, hatte ihn mit lauter Rede gepeinigt, ihn mit jedem Wort, das ich ausrief, aufgespießt. Und der Kaufmann selbst hatte vielleicht im Zimmer nebenan gesessen und wäre bei einem Haar herausgekommen, um zu sehen, was vorging. Nein, es war doch unfaßbar, welche Niederträchtigkeiten ich begehen konnte!