Ich war nicht krank, nur matt, ich begann zu schwitzen. Ich wollte zum Stortorv gehen, um dort ein wenig auszuruhen; aber der Weg war lang und beschwerlich; endlich war ich beinahe dort, ich stand an der Ecke vom Marktplatz und der Torvstraße. Der Schweiß rann mir in die Augen, benetzte meine Brille und machte mich blind, und ich war soeben stehengeblieben, um mich ein wenig abzutrocknen. Ich merkte nicht, wo ich stand, dachte nicht darüber nach; der Lärm um mich her war fürchterlich.

Plötzlich ertönt ein Ruf, ein kalter, scharfer Warnungsruf. Ich höre diesen Ruf, höre ihn sehr gut und rücke nervös zur Seite, mache einen Schritt, so schnell meine schlechten Beine sich bewegen können. Ein Ungeheuer von einem Brotwagen fährt dicht an mir vorbei und streift meinen Rock mit dem Rad; wäre ich etwas flinker gewesen, wäre ich ganz frei ausgegangen. Ich hätte vielleicht etwas flinker sein können, ein ganz klein wenig flinker, wenn ich mich angestrengt hätte; nun war nichts mehr zu machen, mein einer Fuß tat mir weh, ein paar Zehen waren zerquetscht worden. Ich fühlte, wie sie sich im Schuh gleichsam zusammenkrümmten.

Der Wagenführer hält die Pferde mit aller Kraft an; er dreht sich auf dem Wagen um und fragt entsetzt, wie es gehe. Nun, es hätte schlimmer ausfallen können.... es sei wohl nicht so gefährlich.... ich glaube nicht, daß etwas gebrochen sei.... Oh, bitte sehr....

Ich ging, so schnell ich konnte, zu einer Bank; diese vielen Menschen, die um mich her stehenblieben und mich anglotzten, störten mich. Eigentlich war es kein Todesstoß, es war verhältnismäßig gut gegangen, wenn das Unglück schon einmal geschehen mußte. Das Ärgste war, daß mein Schuh zerquetscht, die Sohle von der Kappe abgerissen worden war. Ich hob den Fuß und sah Blut in der Öffnung. Na, es war von keiner Seite mit Absicht geschehen, es war nicht die Absicht des Mannes gewesen, mir noch Schlimmeres zuzufügen; er hatte sehr erschrocken ausgesehen. Wenn ich ihn vielleicht um ein kleines Brot vom Wagen gebeten hätte, so hätte ich es bekommen. Er hätte es mir gewiß mit Freuden gegeben. Möge Gott es ihm vergelten.

Ich hungerte schwer und wußte nicht, wie ich meinen schamlosen Appetit loswerden sollte. Ich wand mich auf der Bank hin und her und bog die Brust bis auf meine Knie hinunter. Als es dunkel wurde, schlich ich zum Rathaus.

Gott weiß, wie ich dahin kam — ich setzte mich auf die Kante der Balustrade. Ich riß die eine Tasche aus meinem Rock heraus und fing an, darauf zu kauen, übrigens ohne irgendwelche Absicht, mit finsterer Miene, die Augen starr geradeaus gerichtet, ohne etwas zu sehen. Ich hörte einige kleine Kinder um mich herum spielen und vernahm es instinktmäßig, wenn ein Spaziergänger an mir vorbeiging: sonst beachtete ich nichts.

Da fällt mir plötzlich ein, in einen der Basare unter mir zu gehen und ein Stück rohes Fleisch zu holen. Ich stehe auf und gehe quer über die Balustrade, bis zum anderen Ende des Basardaches und steige hinab. Als ich beinahe bis zur Fleischbank hinuntergekommen war, rief ich in die Treppenöffnung hinauf und drohte zurück, als spräche ich zu einem Hund da oben, und wandte mich frech an den ersten Metzger, den ich traf.

Ach, seien Sie so gut und geben Sie mir einen Knochen für meinen Hund! sagte ich. Nur einen Knochen. Es braucht nichts daran zu sein; er soll nur etwas im Maul zu tragen haben.

Ich erhielt einen Knochen, einen prächtigen kleinen Knochen, an dem noch etwas Fleisch war, und steckte ihn unter den Rock. Ich dankte dem Mann so herzlich, daß er mich erstaunt ansah.

Nichts zu danken, erwiderte er.