Die Sache sollte ihn nichts kosten, gar nichts. Aber sie müsse doch etwas Geld haben, nur eine kleine Summe; sie brauche Geld zur Reise und für den Zahnarzt, außerdem brauche sie ein Mantlett und noch verschiedenes andere, aber das müsse ja nicht sein, wenn es ihm unangenehm sei. — Du hast bis jetzt schon Geld genug bekommen, sagte Axel. — So, erwiderte sie. Das ist aber jedenfalls nicht mehr da. — Hast du denn nichts zurückgelegt? — Zurückgelegt? Du kannst ja in meiner Kiste nachsuchen. Ich habe auch in Bergen nichts zurückgelegt, und dort hatte ich doch einen viel größeren Lohn. — Ich habe kein Geld für dich, sagte er.

Axel hatte keinen rechten Glauben daran, daß Barbro von dieser Reise zurückkommen werde, und sie hatte seine Geduld mit ihrer Unliebenswürdigkeit so über alle Maßen geprüft, daß er anfing, ihrer überdrüssig zu werden. Es gelang ihr schließlich auch nicht, eine nennenswerte Summe aus ihm herauszuwinden, aber er sah durch die Finger, als sie sich einen ungeheuren Mundvorrat einpackte, ja, er selbst fuhr sie und ihre Kiste hinunter ins Dorf zum Postboot.

Nun war es also geschehen.

Er hätte ganz gut wieder allein auf der Ansiedlung sein können, er war es von früher her gewöhnt, aber er war jetzt durch seinen Viehstand allzusehr gebunden, und wenn er einmal von Hause abwesend sein mußte, waren die Tiere nicht versorgt. Der Kaufmann hatte ihm geraten, sich Oline kommen zu lassen, sie sei doch einmal mehrere Jahre auf Sellanraa gewesen, allerdings sei sie jetzt alt, aber noch rührig und arbeitsam. Ja, Axel hatte nach Oline geschickt, aber sie war nicht gekommen, und er hatte auch nichts von ihr gehört.

Während Axel auf sie wartet, fällt er Holz im Walde, drischt seine kleine Kornernte und besorgt seinen Viehstand. Es war einsam und still um ihn. Ab und zu kam Sivert von Sellanraa vorbei auf der Fahrt ins Dorf oder vom Dorf zurück; hinunter führte er Brennholz oder Häute oder Käse, aber zurück kam er fast immer leer, der Hof Sellanraa brauchte nicht viel Waren zu kaufen.

Dann und wann kam auch Brede Olsen an Maaneland vorbei und in der letzten Zeit häufiger als sonst — wer konnte wissen, was er hier so eifrig, so fleißig zu laufen hatte! Es war, als ob er sich noch in den letzten Wochen an der Telegraphenlinie unentbehrlich machen und den Posten behalten wolle. Seit Barbro abgereist war, kam er nie mehr zu Axel herein, sondern ging nur rasch vorbei, und das war doch vielleicht ein gar zu arger Hochmut von ihm, da er immer noch auf Breidablick wohnen blieb und nicht abgezogen war. Eines Tages, als er vorbeigehen wollte, ohne auch nur zu grüßen, hielt ihn Axel an und fragte, bis wann er den Hof zu räumen gedenke. — Auf welche Weise hast du dich von Barbro getrennt? fragte Brede dagegen. Das eine Wort gab das andere: Du hast sie ohne alle Mittel fortgeschickt. Es war nahe daran, daß sie nicht einmal bis Bergen gekommen wäre.

So, sie ist also in Bergen? — Ja, schließlich sei sie hingekommen, schreibt sie, aber dir hat sie nicht dafür zu danken. — Ich werde dich jetzt sofort aus Breidablick hinauswerfen, sagte Axel. — Ja, weil du seither so gutherzig gewesen bist, erwiderte der andere spöttisch. Nach Neujahr werfen wir uns selbst hinaus, fuhr er fort und ging dann seines Weges.

So, Barbro war nach Bergen gereist, es war also genau so gegangen, wie Axel sich gedacht hatte. Er war nicht betrübt darüber. Betrübt? Weit entfernt, sie war ein Zankteufel, aber bis jetzt hatte er doch noch nicht alle Hoffnung aufgegeben gehabt, sie würde doch vielleicht wiederkommen. Er wußte beim Henker nicht, wie es zuging, er hing doch ein bißchen zu fest an dieser Person, an diesem Ungeheuer; zuzeiten konnte sie ihre süßen Stunden haben, unvergeßliche Stunden, und gerade, um sie daran zu hindern, ganz bis Bergen durchzubrennen, war er beim Abschied mit Geld so geizig gewesen. Und nun war sie doch auf und davon gegangen. Von ihren Kleidern hing noch dies und das da, und ein Strohhut mit einem Flügel darauf lag in Papier gehüllt droben auf dem Bodenraum; aber sie kam nicht, ihr Eigentum zu holen. Ach ja, vielleicht war er doch ein wenig betrübt! Wie Spott und Hohn erschien es ihm, daß er immer noch ihre Zeitung erhielt, und das würde wohl auch vor Neujahr nicht aufhören.

Aber schließlich hatte er doch an anderes zu denken, er mußte ein Mann sein.

Im Frühjahr mußte er an der Nordwand des Neubaus eine Scheune anfügen, jetzt im Winter mußten die Stämme dazu gefällt und die Bretter gesägt werden. Axel hatte keinen zusammenhängenden Wald mit großen Bäumen, aber da und dort standen auf seinem Grund und Boden mächtige Föhren, und er suchte sich solche am Wege nach Sellanraa aus, damit sich das Hinschaffen der Stämme nach dem Sägewerk leichter bewerkstelligen ließe.