Eines Morgens füttert er sein Vieh sehr reichlich, damit es bis zum Abend aushalten kann, schließt die Türen hinter sich zu und geht in den Wald; außer Axt und Mundvorrat nimmt er noch eine hölzerne Schneeschaufel mit. Das Wetter ist mild, gestern tobte ein schwerer Sturm mit Niederschlägen, aber heute ist es still. Er geht den ganzen Weg an der Telegraphenlinie entlang, bis er zur Stelle ist; dort zieht er seine Jacke aus und fängt an zu hacken. Jeden Baum, den er fällt, zweigt er sofort ab, haut die Stämme glatt und schichtet Zweige und Äste auf Haufen.
Brede Olsen kommt den Weg herauf, dann ist also die Linie wohl durch den gestrigen Sturm in Unordnung geraten. Aber vielleicht lief Brede auch ohne besonderen Grund die Linie ab, er war sehr eifrig im Dienst geworden, er hatte sich also doch gebessert. Die Männer sprachen nicht miteinander und grüßten sich auch nicht.
Axel merkt wohl, daß das Wetter im Begriff ist umzuschlagen, der Wind wird immer stärker, aber Axel arbeitet nur eifrig weiter. Die Mittagsstunde ist längst vorbei, aber er hat noch nichts gegessen. Jetzt eben fällt er eine große Föhre, und diese schlägt ihn in ihrem Fall zu Boden. Wie ist das zugegangen? Unglück war unterwegs. Eine Riesenföhre schwankt auf ihrer Wurzel, der Mensch bestimmt ihr eine Seite zum Fallen, der Sturm eine andere. Der Mensch verliert. Es wäre noch angegangen, allein der Schnee deckte den unebenen Boden, Axel trat fehl, sprang auf die Seite und kam mit einem Bein in eine Felsspalte, nun lag er zwischen Felsen eingeklemmt und hatte eine große Föhre über sich.
Jawohl, es hätte trotzdem noch angehen können, allein er lag so ausgesucht verdreht, allerdings, soweit er fühlen konnte, mit ganzen Gliedern, aber schief und ohne eine Möglichkeit, sich unter dem schweren Gewicht hervorzuarbeiten. Nach einer Weile hatte er die eine Hand frei, auf der andern aber liegt er, und er kann die Axt nicht erreichen. Er sieht sich um und überlegt, wie jedes gefangene Tier es auch gemacht hätte, sieht sich um und überlegt und arbeitet und müht sich unter dem Baum ab. Brede muß in einiger Zeit auf dem Rückweg wieder vorbeikommen, denkt er und müht sich ab und atmet schwer.
Im Anfang nimmt Axel die Sache leicht und ist nur ärgerlich, daß er durch diesen Zufall, dieses elende Ungefähr festgehalten ist, er ist keine Spur besorgt für seine Gesundheit und noch weniger für sein Leben. Allerdings fühlt er, daß die Hand, auf der er liegt, allmählich gefühllos wird, und auch das Bein in der Felsenspalte wird kalt und auch gefühllos, aber das geht ja immer noch an. Brede kommt wohl bald.
Aber Brede kommt nicht.
Der Sturm nimmt zu und treibt Axel den Schnee gerade ins Gesicht. Jetzt wird's Ernst! denkt er, ist aber immer noch unbekümmert, ja, es ist beinahe, als ob er sich selbst durch den Schnee zublinzle: Aufgepaßt, jetzt wird's nämlich Ernst! Nach einer langen Weile stößt er einen einzelnen Hilferuf aus. Der ist wohl bei dem Sturm nicht weit zu hören, aber er geht die Linie entlang zu Brede. Axel liegt da mit ganz wertlosen Gedanken: wenn er doch nur die Axt erreichen könnte, dann könnte er sich vielleicht freihacken! Wenn er nur die Hand hervorziehen könnte! Diese lag auf etwas Spitzem, einem Stein, und der bohrte sich langsam und höflich allmählich in den Handrücken ein. Wenn nur dieser verflixte Stein weg gewesen wäre! Aber noch niemals hat jemand von einem Stein einen rührenden Zug berichten können.
Die Zeit vergeht, das Schneetreiben wird schlimmer. Axel wird zugeschneit; er ist ganz hilflos, der Schnee legt sich harmlos und unschuldig auf sein Gesicht, eine Weile schmilzt er, dann wird das Gesicht kalt, und der Schnee schmilzt nicht mehr. Nun wird es wirklich Ernst!