So, nun wurde also doch etwas aus der Sache, Geißler hatte keine leeren Umtriebe gemacht.
Es waren nicht dieselben großen Herren wie das letztemal, der Landrat fehlte, der Grubenbesitzer fehlte, aber es war der alte Sachverständige und der alte Ingenieur. Sie kauften Isak alle seine gesägten Bretter ab, die er nur entbehren konnte, sie kauften Nahrungsmittel und Getränke und bezahlten gut, dann unterhielten sie sich und waren freundlich und sagten, Sellanraa gefalle ihnen. Eine Seilbahn! sagten sie. Eine Luftbahn vom Berggipfel hinunter an die See, sagten sie. — Über alle Moore weg? fragte Isak, denn er war schwach im Denken. — Ach, da mußten sie lachen! Auf der andern Seite, sagten sie, nicht auf dieser Seite, das würde ja viele Meilen weit sein. Nein, auf der andern Seite des Berges, gleich zum Meer hinunter, da ist starkes Gefälle und gar keine Entfernung. Wir lassen das Erz durch die Luft in eisernen Trögen hinunter, du wirst sehen, es wird großartig! Aber zum Anfang wird das Erz hinuntergefahren, wir bauen einen Weg und lassen es mit den Pferden hinunterfahren — oh, mit wenigstens fünfzig Pferden, auch das wird großartig. Und wir sind auch nicht nur so wenig Leute, wie du hier siehst. Was sind denn wir? Nichts! Von der andern Seite kommen noch mehr; ein ganzer Zug Arbeiter und fertige Baracken und Nahrungsmittel und alle Art von Gerätschaften, wir treffen oben auf der Höhe zusammen. Es kommt Zug in die Sache, Millionen, und das Erz kommt nach Südamerika. — Ist der Landrat nicht mit dabei? fragte Isak. — Was für ein Landrat? Ach der? Nein, der hat verkauft! — Und der Grubenbesitzer? — Der hat auch verkauft. So, du erinnerst dich an sie? Nein, die haben verkauft. Und die von ihnen abgekauft haben, haben wieder verkauft. Jetzt gehört der Kupferberg einer großen Gesellschaft, ungeheuer reichen Leuten. — Wo mag wohl Geißler sein? fragte Isak. — Geißler? Kenne ich nicht. — Der Lensmann Geißler, der damals den Kupferberg verkauft hat. — Ach der! Hat der Geißler geheißen? Gott weiß, wo er hingekommen ist. Erinnerst du dich an den auch noch?
Dann sprengten sie und arbeiteten in den Bergen mit vielen Leuten den ganzen Sommer über, es war ein großer Betrieb. Inger hatte einen ausgedehnten Handel mit Milch und Käse, und sie fand es recht unterhaltend, Handel zu treiben und viele Menschen kommen und gehen zu sehen. Isak schritt mit seinem dröhnenden Gang weit aus und bestellte sein Land, er ließ sich durch nichts stören. Die zwei Maurer und Sivert bauten den Stall. Es wurde ein großer Bau; aber es dauerte lange, bis er aufgerichtet war, es waren zu wenig Mann bei der Arbeit, und Sivert war außerdem oft nicht dabei, weil er bei der Feldarbeit helfen mußte. Jetzt war es gut, daß sie eine Mähmaschine hatten und drei flinke Frauenzimmer beim Heuwenden.
Alles war gut geworden, das Ödland war zum Leben erwacht, Geld blühte allenthalben.
Seht doch nur den Handelsplatz Storborg, war das nicht ein Geschäft im großen Stil? Dieser Aron mußte doch ein verfluchter Kerl sein, er mußte seinerzeit von der bevorstehenden Grubenarbeit Wind bekommen haben und war sofort heraufgezogen mit seinem Kramladen; er handelte, oh, er handelte wie eine Regierung, ja, wie ein König. Zuallererst verkaufte er allerlei Haushaltungsgegenstände und Arbeiteranzüge; aber die Grubenarbeiter, die Geld haben, sind nicht so sparsam damit, daß sie alle nur das Notwendige kaufen, nein, sie kaufen alles. Besonders an den Sonntagabenden wimmelte es auf dem Handelsplatz Storborg von Käufern, und Aron strich Geld ein; er hatte seinen Ladendiener und seine Frau zur Hilfe hinter dem Ladentisch und verkaufte selbst, was er vermochte, aber es wurde nicht leer in seinem Laden bis tief in die Nacht hinein. Und es zeigte sich, daß die Pferdebesitzer im Dorfe recht behielten, es gab einen gewaltigen Fuhrwerksbetrieb mit Waren hinauf nach Storborg, die Straße mußte an verschiedenen Stellen verlegt und ordentlich instand gesetzt werden, jetzt war es etwas ganz anderes als Isaks schmaler Fußweg durchs Ödland. Aron wurde der reine Wohltäter für die Gegend mit seinem Handel und seiner Straße. Er hieß übrigens nicht Aron, das war nur sein Taufname, er hieß Aronsen, so nannte er sich wenigstens selbst, und so hieß ihn seine Frau. Die Familie tat recht großartig und hielt zwei Dienstmägde und einen Knecht.
Der Grund und Boden auf Storborg blieb vorläufig unbebaut liegen, sie hatten keine Zeit für Landwirtschaft, wer hätte auch im Moor Gräben ziehen wollen! Dafür hatte Aronsen einen Garten mit einem Lattenzaun und mit Johannisbeerensträuchern und Astern und Ebereschen und anderen gepflanzten Bäumen, einen feinen Garten. Es war ein breiter Gang darin, auf dem Aronsen an den Sonntagen auf und ab gehen und eine lange Pfeife rauchen konnte. Im Hintergrund lag die Veranda des Hauses mit roten und gelben und blauen Scheiben. Storborg! Drei kleine hübsche Kinder liefen herum, das Mädchen sollte lernen, Haustochter eines Kaufmanns zu sein, die Söhne sollten selbst die Handelsschaft erlernen; oh, drei Kinder mit einer Zukunft vor sich!
Hätte Aronsen nicht an die Zukunft gedacht, so wäre er überhaupt nicht hierhergekommen. Er hätte bei seiner Fischerei bleiben, und wenn er Glück hatte, auch dabei viel Geld verdienen können; aber das war nicht so vornehm wie ein Handelsgeschäft, es brachte nicht so viel Hochachtung ein, die Hüte flogen da nicht vor einem von den Köpfen. Aronsen hatte seither gerudert, in Zukunft wollte er segeln. Er hatte eine Redensart: bom konstant. Seine Kinder sollten es mehr bom konstant haben, als er es gehabt hatte, sagte er, damit meinte er, sie sollten weniger hart arbeiten müssen.
Und siehe da, die Sache ließ sich gut an, er und seine Frau, ja sogar seine Kinder wurden höflich gegrüßt. Man durfte es nicht gering anschlagen, daß sogar die Kinder gegrüßt wurden. Die Grubenarbeiter kamen vom Berg herunter und hatten seit langer Zeit keine Kinder mehr gesehen. Aronsens Kinder liefen ihnen bis vor den Hof entgegen, und die Arbeiter redeten gleich so freundlich mit ihnen, als hätten sie drei Pudelhunde vor sich. Sie hätten den Kindern gerne Geld geschenkt, weil es aber die Kinder des Kaufmanns waren, spielten sie ihnen statt dessen auf der Mundharmonika vor. Gustaf kam, der junge Wildfang mit dem Hut auf einem Ohre und dem munteren Geplauder, ja er kam herbei und schäkerte eine gute Weile mit den Kindern. Die Kinder kannten ihn auch gleich, wenn er ankam, und liefen ihm entgegen, er lud sie sich alle drei auf den Rücken und tanzte mit ihnen herum. Ho! sagte Gustaf und tanzte. Dann nahm er seine Mundharmonika und blies Lieder und Weisen, so schön, daß die beiden Dienstmägde herauskamen und Gustafs Spiel mit nassen Augen zuhörten. Gustaf wußte, was er tat, der ausgelassene Kerl!
Nach einer Weile ging er in den Laden und klimperte mit seinem Geld und füllte seinen ganzen Rucksack mit den verschiedensten Sachen, und als er dann wieder heim in die Berge ging, hatte er einen ganzen kleinen Kramladen bei sich, den er auf Sellanraa auspackte und vorwies. Er hatte Briefpapier mit Blumen darauf und eine neue Pfeife und ein neues Hemd und ein Halstuch mit Fransen dran, hatte Süßigkeiten, die er an die Frauen austeilte; er hatte glänzende Sachen, eine Uhrkette mit einem Kompaß daran, ein Federmesser; ja, er hatte eine Menge Sachen, unter anderem auch Raketen, die er sich für den Sonntag gekauft hatte, um sich und andere damit zu unterhalten. Inger setzte ihm Milch zu trinken vor, und er spaßte mit Leopoldine und hob die kleine Rebekka hoch in die Luft. — Na, steht der Stall bald? fragte er seine Landsleute, die Maurer, und war auch mit diesen gut Freund. — Nein, sie hätten nicht Hilfe genug, sagten die Maurer. — Dann wolle er ihnen helfen, sagte Gustaf zum Spaß. — Das wäre sehr gut, meinte Inger, denn der Stall sollte bis zum Herbst fertig sein, wenn das Vieh nicht mehr draußen bleiben könne.
Nun ließ Gustaf eine Rakete steigen, und nachdem er einmal eine abgebrannt hatte, konnte er auch gleich alle sechse steigen lassen, und die Weiberleute und die Kinder hielten den Atem an vor lauter Verwunderung über dieses Hexenwerk und den Hexenmeister, der es gemacht hatte. Inger hatte noch niemals eine Rakete gesehen, aber dieser sonderbare Blitz erinnerte sie an die große Welt. Was wollte jetzt eine Nähmaschine bedeuten! Und als Gustaf schließlich auch noch die Mundharmonika spielte, wäre ihm Inger am liebsten nachgezogen vor lauter Rührung...