Wie Inger an jenem Sonntagabend von den Bergen nach Hause kam? Ho, ausgezeichnet, ebenso tugendhaft, wie sie gegangen war, nicht mehr und nicht minder. Viele Männer gaben ihr das Geleite, und die vielen Männer wollten nicht umkehren, solange Gustaf bei ihr war, sie gaben nicht nach, sie wollten nicht nachgeben! Nicht einmal draußen in der großen Welt hatte es Inger so unterhaltend gehabt. — Ob Inger nichts vermisse, fragten sie schließlich. — Vermissen, nein. — Den goldenen Ring! sagten sie. — Nun mußte Gustaf damit herausrücken, er hatte ein ganzes Heer gegen sich. — Es ist gut, daß du ihn gefunden hast, sagte Inger und beeilte sich, von ihrem Gefolge Abschied zu nehmen.
Sie näherte sich Sellanraa und sah die vielen Dächer, dort unten war ihr Heim. Sie erwachte wieder zu der tüchtigen Frau, die sie war; sie geht einen Fußweg am Sommerstall vorbei, um nach dem Vieh zu sehen, und auf dem Wege dahin kommt sie an einer Stelle vorbei, die sie gut kennt: hier lag einmal ein kleines Kind begraben, sie hatte die Erde mit den Händen zusammengescharrt und ein kleines Kreuz darauf gesteckt. Ach, wie lange war das her! Und gleich denkt sie weiter: Ob wohl die Mädchen gemolken und für den Abend alles in Ordnung gebracht haben!
Die Grubenarbeit geht weiter, jawohl, aber es wird gemunkelt, daß der Berg nicht halte, was er versprochen habe. Der Sachkundige, der nach Hause gereist war, kommt wieder und hat noch einen zweiten Sachkundigen bei sich, sie bohren und sprengen und untersuchen gründlich. Was ist denn nicht in Ordnung? Das Kupfer ist fein genug, daran fehlt es nicht, aber die Ader ist dünn, sie nimmt nach Süden an Dicke zu und fängt gerade da, wo die Grenzlinie der Gesellschaft geht, erst an, dick und herrlich zu werden, aber da ist die Allmende. Seht, die ersten Käufer hatten sich wohl nicht viel bei ihrem Kauf gedacht, es war ein Familienrat, Verwandte, die auf Spekulation kauften; sie hatten sich nicht den ganzen Berg gesichert, all die vielen Meilen bis zum nächsten Tale, nein, sie kauften ein Stückchen von Isak Sellanraa und Geißler und verkauften dann wieder.
Und was ist nun zu tun? Die Herren und die Vorarbeiter und die Sachkundigen wissen das sehr gut, sie müssen sofort mit dem Staat verhandeln. Sie schicken also eine Stafette nach Hause mit Briefschaften und Karten und reiten danach selbst zum Lensmann, um Beschlag auf den ganzen Bergzug auf der Südseite des Wassers zu legen. Aber jetzt treffen sie auf allerlei Schwierigkeiten. Das Gesetz steht ihnen im Weg, sie sind Ausländer, sie können nicht direkt kaufen. Das wissen sie wohl, da haben sie vorgesorgt. Allein die Südseite des Berges ist bereits verkauft, das haben sie nicht gewußt. — Verkauft? sagen die Herren. — Schon lange, schon seit mehreren Jahren. — Wer hat das Land gekauft? — Geißler. — Was für ein Geißler? Ach der? — Verbrieft und versiegelt, sagt der Lensmann. Es ist kahler Fels, er hat ihn beinahe für nichts bekommen. — Aber zum Kuckuck, was ist denn das für ein Geißler, von dem wir immer wieder hören! Wo ist er? — Gott weiß, wo er ist.
Die Herren mußten eine neue Stafette nach Schweden schicken. Und sie mußten ja auch versuchen, herauszubringen, wer dieser Geißler war. Vorläufig konnten sie nicht mehr mit voller Mannschaft weiterarbeiten lassen.
Nun kam Gustaf hinunter nach Sellanraa; er trug all sein irdisch Gut auf dem Rücken und sagte, nun komme er! Jawohl, Gustaf hatte den Dienst bei der Gesellschaft verlassen, das heißt, er hatte sich am letzten Sonntag etwas zu offenherzig über den Kupferberg geäußert, seine Worte waren dem Vorarbeiter und dem Ingenieur hinterbracht worden, und Gustaf hatte den Abschied erhalten. Glückliche Reise, und außerdem war es vielleicht gerade das, was er gewollt hatte: nun erweckte es keinen Verdacht, wenn er nach Sellanraa ging. Er bekam sofort Arbeit beim Stallbau.
Sie mauern und mauern, und als kurz darauf noch ein Mann von den Bergen kommt, findet auch er einen Platz bei der Arbeit; nun konnten zwei Schichten gemacht werden, und die Arbeit ging rasch von der Hand. Der Stall würde bis zum Herbst doch noch fertig werden.
Aber ein Arbeiter nach dem andern kam von den Bergen herunter, allen war aufgekündigt worden, und sie zogen wieder heim nach Schweden. Der Versuchsbetrieb sollte aufhören. Im Dorfe drunten ging es wie ein Seufzer durch alle Menschen; seht, sie waren so töricht, sie begriffen nicht, daß ein Probebetrieb ein Betrieb auf Probe ist, aber das war es. Mißmut und schlimme Ahnungen ergriffen die Menschen im Dorfe, das Geld wurde seltener, die Löhne wurden herabgesetzt, der Handelsplatz Storborg verödete. Was sollte das alles bedeuten? Nun war doch alles so schön im Gang, Aronsen hatte sich eine Flaggenstange und eine Flagge angeschafft, er hatte sich für den Winter ein Eisbärfell für seinen Familienschlitten gekauft und die ganze Familie mit großartigen Kleidern ausstaffiert. Das waren ja nur Kleinigkeiten, aber es waren auch große Dinge geschehen: zwei neue Ansiedler hatten sich Rodeland in der Gegend gekauft, hoch oben zwischen Maaneland und Sellanraa, das war keine unbedeutende Sache für diese kleine abgelegene Welt. Die beiden Ansiedler hatten ihre Gammen errichtet, hatten gerodet und Moore entwässert, es waren fleißige Leute, sie waren in kurzer Zeit weit gekommen. Den ganzen Sommer über hatten sie ihre Nahrungsmittel in Storborg gekauft, aber als sie das letztemal kamen, war fast nichts mehr zu haben. Waren — was sollte Aronsen mit Waren, wenn der Grubenbetrieb aufgehört hatte? Nun hatte er beinahe keine Waren mehr, er hatte nur Geld. Von allen Leuten in der Gegend war vielleicht Aronsen der mißmutigste; er hatte sich mit seinem Überschlag gar zu sehr verrechnet. Als ihm geraten wurde, sein Land zu bebauen und bis bessere Zeiten kämen, davon zu leben, antwortete er: Das Land bebauen? Dazu bin ich mit den Meinen nicht hierhergekommen.
Zuletzt hielt es Aronsen nicht mehr aus, er wollte selbst hinauf zu den Gruben und einmal nach der Sache sehen. Es war an einem Sonntag. Als er nach Sellanraa kam, wollte er Isak mit hinaufnehmen; aber Isak hatte noch keinen Fuß ins Gebirge gesetzt, seit dort der Betrieb angefangen hatte, er gedieh am besten auf seiner Halde. Inger mußte sich ins Mittel legen. Kannst du denn nicht mit Aronsen gehen, wenn er dich darum bittet, sagte sie. Sieh einmal an, Inger hatte wohl nichts dagegen, wenn Isak eine Weile von zu Hause weg war! Es war Sonntag, sie wollte ihn wohl gerne ein paar Stunden los sein. So ging Isak also mit.