Nun geht sie mit ihrem Mundvorrat hinaus und gibt ihn ab. Sie hatte neben der Treppe eine Kufe zurechtgestellt, die ihr Gustaf zum letztenmal an den Fluß hinuntertragen helfen sollte. Vielleicht wollte sie ihm noch etwas sagen, vielleicht ihm etwas zustecken, den goldenen Ring, Gott weiß, es ist ihr alles zuzutrauen. Aber das muß jetzt ein Ende haben, Gustaf dankt für den Mundvorrat, sagt Lebewohl und geht. Und geht.

Da steht sie.

Hjalmar! ruft sie laut, ganz unnötig laut. Es klingt wie ein trotziger Jubelruf, wie ein Notschrei.

Gustaf geht ...

Den Herbst über wird nun in der ganzen Gegend bis zum Dorf hinunter die gewöhnliche Arbeit getan; die Kartoffeln werden herausgehackt, das Korn hereingeschafft, die Kühe werden auf die Weide gelassen. Es sind acht Ansiedlungen, und überall drängt die Arbeit; aber auf dem Handelsplatz Storborg haben sie kein Vieh und kein bestelltes Land, sie haben nur einen Garten, und Handel haben sie auch keinen mehr, auf Storborg gibt's keine dringende Arbeit.

Auf Sellanraa haben sie eine neue Hackfrucht, die Turnips heißt, die steht grün und riesengroß da und weht mit den Blättern, und es ist ganz unmöglich, die Kühe davon fernzuhalten, diese brechen alle Gatter nieder und stürmen brüllend darauf zu. Darum müssen nun Leopoldine und die kleine Rebekka das Turnipsfeld hüten, die kleine Rebekka hat eine große Rute in der Hand und jagt die Kühe mit wütendem Eifer. Der Vater arbeitet in der Nähe, und von Zeit zu Zeit kommt er her, befühlt ihre Hände und Füße und fragt, ob sie nicht friere. Leopoldine, die groß und beinahe erwachsen ist, strickt beim Hüten Strümpfe und Socken für den Winter. Sie ist in Drontheim geboren und war fünf Jahre alt, als sie nach Sellanraa kam; die Erinnerung an eine große Stadt mit vielen Menschen und an eine weite Reise auf dem Dampfschiff gleitet bei ihr immer mehr in den Hintergrund, sie ist ein Landkind und kennt keine andere große Welt als das Dorf dort unten, wo sie einige Male in der Kirche gewesen und wo sie letztes Jahr konfirmiert worden ist ...

Jetzt kommen einige Nebenarbeiten an die Reihe, so der Weg abwärts, der an einigen Stellen kaum fahrbar ist. Da die Erde noch nicht gefroren ist, fangen Isak und Sivert eines schönen Tages an, an dem Wege Gräben zu ziehen. Es sind noch zwei Stücke Moorland da, die entwässert werden müssen.

Axel Ström hat versprochen, sich an dieser Arbeit zu beteiligen, weil auch er ein Pferd hat und den Weg braucht. Aber nun hat Axel ein dringendes Geschäft in der Stadt — was in aller Welt wollte er denn dort —, es sei eine ganz dringende Sache, sagte er. Statt seiner schickt er seinen Bruder von Breidablick zu dem Wegbau. Fredrik heißt er.

Dieser Mann war jung und neu verheiratet, ein leichtlebiger Kunde, der gerne sein Späßchen macht und trotzdem brauchbar ist. Er und Sivert sind einander recht ähnlich. Nun war Fredrik, als er morgens heraufkam, bei seinem nächsten Nachbarn Aronsen auf Storborg gewesen und noch ganz erfüllt von dem, was ihm der Kaufmann gesagt hatte. Es hatte damit angefangen, daß Fredrik eine Rolle Tabak verlangte. Ich werde dir eine Rolle Tabak verehren, wenn ich selbst eine habe, sagte Aronsen. — So, habt Ihr nicht einmal mehr Tabak? — Nein, und ich lasse auch keinen mehr kommen, es ist ja niemand mehr da, der ihn kauft. Was meinst du denn, daß ich an einer Rolle Tabak verdiene? Aronsen war in recht schlechter Laune gewesen, er war der Ansicht, die schwedische Grubengesellschaft habe ihn an der Nase herumgeführt. Nun hatte er sich hier in der Einöde niedergelassen, um Handel zu treiben, und da wurde der Grubenbetrieb eingestellt!

Fredrik lächelt behaglich über Aronsen und spottet über ihn: Nein, er hat gar kein Land bestellt und hat nicht einmal Futter für sein Vieh, das kauft er! Er ist bei mir gewesen und wollte Heu kaufen. Nein, ich hatte kein Heu zu verkaufen. So, du brauchst also kein Geld? fragte er, der Aronsen. Er meint, es sei alles, wenn man nur Geld habe, warf einen Hundertkronenschein auf den Tisch und sagte: Da ist Geld. — Ja, Geld ist etwas Schönes, sagte ich. — Das ist bom konstant, sagte er. Es ist gerade, als sei er ab und zu ein bißchen närrisch, und seine Frau läuft am hellen Werktag mit einer Taschenuhr umher — was das nur für eine wichtige Stunde sein mag, die sie nicht vergessen darf.