Sivert fragt: Hat der Aronsen nichts von einem Mann gesagt, der Geißler heißt? — Doch, das sei einer, der seinen Berganteil nicht verkaufen wolle, sagte er. Aronsen war rasend: Ein abgesetzter Lensmann, sagte er, der vielleicht keine fünf Kronen im Beutel hat, er sollte totgeschossen werden! — Ihr müßt nur ein wenig warten, sagte ich. Vielleicht verkauft er später. — Nein, sagte der Aronsen, das darfst du nicht glauben. Das begreife ich als Kaufmann ganz gut, wenn die eine Partei zweihundertfünfzigtausend verlangt und die andere fünfundzwanzigtausend bietet, dann steht zuviel zwischen ihnen, das gibt kein Geschäft. Aber Glück zu! sagte der Aronsen, wenn nur ich mit den Meinigen den Fuß niemals in dieses Loch gesetzt hätte. — Ja, denkt Ihr vielleicht daran, zu verkaufen? fragte ich. — Ja, sagte er, genau an das denke ich. Diese Moorsümpfe, dieses Loch und diese Einöde! Ich nehme ja keine Krone mehr am Tag ein, sagte er.
Die Männer lachten über Aronsen und hatten keinerlei Mitleid mit ihm. Glaubst du, daß er wirklich verkauft? fragte Isak. — Ja, er tat so. Und er hat auch schon den Knecht entlassen. Ja, der Aronsen ist ein komischer Kerl, das ist gewißlich wahr. Den Knecht entläßt er, der das Holz für den Winter schlagen und mit seinem eigenen Pferd Heu einführen könnte, aber den Ladendiener behält er. Es ist wohl wahr, er verkauft nicht für eine Krone am Tag, denn er hat keine Waren mehr in seinem Laden, aber wozu braucht er dann den Ladendiener? Ich glaube, es ist nur Hochmut, Großtuerei. Er muß einen Mann haben, der am Pult steht und in große Bücher schreibt. Hahaha, ja, es ist gerade, als ob der Aronsen ein ganz klein wenig verrückt wäre.
Die drei Männer arbeiten bis zur Mittagsstunde, verzehren dann ihr mitgebrachtes Essen und plaudern noch ein Weilchen. Sie haben ihre eigenen Angelegenheiten zu bereden, das Wohl und Wehe der Gegend und der Ansiedler, das sind keine Kleinigkeiten, aber sie behandeln sie mit Gelassenheit, sie sind gesetzte Männer, ihre Nerven sind unverbraucht und tun nicht, was sie nicht tun sollten. Nun kommt das Spätjahr, rundum im Wald ist es still geworden, die Berge stehen hier und die Sonne steht dort, am Abend kommen die Sterne und der Mond, das sind alles feste Verhältnisse, sie sind voller Freundlichkeit wie eine Umarmung. Hier haben die Menschen noch Zeit, sich im Heidekraut auszuruhen, mit dem einen Arm als Kopfkissen.
Fredrik spricht von Breidablick und daß er dort noch nicht viel habe ausrichten können. Doch, sagte Isak, du hast schon viel getan, das hab' ich gesehen, als ich drunten war. — Dieses Lob von dem ältesten Ansiedler in der Gegend, dem Riesen, tut Fredrik augenscheinlich wohl, er fragt ehrlich: Meint Ihr wirklich? Nein, es muß immer noch besser kommen. Ich bin in diesem Jahr sooft abgehalten worden. Das Wohnhaus mußte hergerichtet werden, es war nicht dicht und wurde immer schlimmer, und den Heuschuppen mußte ich einreißen und neu aufstellen. Die Stallgamme war zu klein, ich habe Kühe und Kälber, was der Brede zu seiner Zeit nicht gehabt hat, sagt Fredrik stolz. — Gefällt es dir hier? fragt Isak. — Ja, mir gefällt es, und meiner Frau gefällt es auch, warum sollte es uns nicht gefallen? Wir haben einen weiten Blick und sehen die Straße hinauf und hinunter. Das kleine Gehölz beim Hause ist nach unserer Meinung sehr hübsch, es sind Birken und Weiden darin, und wenn ich Zeit habe, will ich auf der andern Seite des Hofplatzes noch mehr Bäume pflanzen. Es ist großartig, wie trocken das Moor schon geworden ist, seit ich im Frühjahr Gräben gezogen habe. Nun wollen wir sehen, was heuer darauf wächst! Ob es uns gefällt? O ja, wenn doch meine Frau und ich Haus und Hof und Grund und Boden haben! — Na, wollt ihr immer nur zu zweit bleiben? fragt Sivert listig. — Nein, weißt du, es kann wohl sein, daß wir mehr werden, erwidert Fredrik munter. Und wenn wir schon davon reden, ob es uns hier gefällt, so habe ich meine Frau noch nie so gedeihlich gesehen wie jetzt.
Sie arbeiten bis zum Abend. Zuweilen richten sie sich auf und schwatzen miteinander. Du hast also keinen Tabak bekommen? fragt Sivert. — Nein, und das tat mir auch nicht leid. Ich rauche nicht, erwidert Fredrik. — Du rauchst nicht? — Nein. Ich bin zu dem Aronsen nur hingegangen, um zu hören, was er sagt. Da lachten die beiden Spitzbuben und freuten sich diebisch.
Auf dem Heimweg sind Vater und Sohn schweigsam wie gewöhnlich. Aber Isak muß sich etwas ausgedacht haben, denn er sagt: Du, Sivert? — Ja? erwidert Sivert. — Ach, nichts Besonderes, sagt Isak. — Sie gehen eine lange Strecke weiter, dann spricht der Vater wieder: Kann denn Aronsen Handel treiben, wenn er keine Waren mehr hat? — Nein, sagt Sivert. Aber es sind jetzt nicht mehr viele Menschen da, für die er Waren braucht. — So, meinst du? Ja, du kannst recht haben. — Sivert wundert sich ein wenig über diese Worte seines Vaters, und dieser fährt fort: Es sind jetzt allerdings nur acht Ansiedlungen hier, aber es können mehr und immer mehr werden. Wer weiß! — Sivert wundert sich noch mehr, woran denkt sein Vater? Oh, an nichts. Wieder gehen die beiden eine lange Strecke weiter und sind beinahe zu Hause. Da fragt der Alte: Hm. Was meinst du wohl, daß der Aronsen für den Hof haben will? — Ja, das kommt nun darauf an! antwortet Sivert. Willst du ihn kaufen? sagt er im Spaß. Aber plötzlich geht ihm ein Licht auf, wo sein Vater hinaus will: An Eleseus denkt der Alte. Oho, er hat ihn wohl nie vergessen gehabt, er hat ebenso getreulich an ihn gedacht wie die Mutter, nur auf seine eigene Weise, näher bei der Erde und auch näher bei Sellanraa. Da sagt Sivert: Der Preis wird wohl erschwinglich sein. Und als Sivert so viel gesagt hat, da merkt der Vater seinerseits, daß er verstanden worden ist, und wie wenn er Angst hätte, zu deutlich geworden zu sein, sagt er nun schnell ein paar Worte über den Wegbau und daß es gut sei, den hinter sich zu haben.
In den nächsten Tagen steckten Sivert und seine Mutter die Köpfe zusammen, sie ratschlagten und hatten viel zu flüstern, auch schrieben sie einen Brief, und als der Samstag kam, bezeigte Sivert Lust, ins Dorf zu gehen. — Was willst du denn schon wieder im Dorfe? du läufst nur unnötig deine Schuhe durch, sagte der Vater sehr ärgerlich, oh, viel grimmiger im Gesicht, als natürlich gewesen wäre; er merkte wohl, daß Sivert auf die Post wollte. — Ich will in die Kirche, sagte Sivert. — Einen besseren Grund fand er nicht, und der Vater sagte: Ja, wenn es nicht anders sein kann.
Aber wenn Sivert schon einmal in die Kirche wollte, dann konnte er auch einspannen und die kleine Rebekka mitnehmen. Der kleinen Rebekka konnte man doch wirklich zum erstenmal in ihrem Leben dieses Vergnügen machen, sie hatte ja so eifrig das Turnipsfeld gehütet und war im großen ganzen die Blüte und die Perle von allen auf dem Hofe; ja, das war sie. Es wurde also angespannt, und Rebekka bekam die Magd Jensine zur Begleitung mit — wogegen Sivert nichts einzuwenden hatte.
Während sie fort sind, geschieht es, daß der Ladendiener von Storborg daherkommt. Was nun? Ei, nichts Besonderes, nur daß ein Ladendiener, ein Mann namens Andresen daherkommt; er soll in die Berge hinauf, sein Herr schickt ihn. Weiter ist es nichts. Und dieses Geschehnis bringt auch keine große Aufregung auf Sellanraa hervor, es ist nicht wie in alten Tagen, wo ein Fremder ein seltener Anblick auf der Ansiedlung war und Inger sich mehr oder minder darüber aufregte. Nein, Inger ist wieder in sich gegangen und ist still und ruhig.
Ein merkwürdiges Ding, dieses Andachtsbuch, ein Führer, ja, ein Arm um den Hals! Als Inger sich selbst verloren hatte und in den Beeren irregegangen war, fand sie sich wieder beim Gedanken an ihre Kammer und an das Andachtsbuch, und zurzeit war sie wieder in sich versunken und gottesfürchtig. Sie gedenkt der längst verflossenen Jahre, als sie, wenn sie nähte und sich in den Finger stach, der Teufel auch! sagte. Das lernte sie von ihren Mitschwestern an dem großen Tisch in der Nähstube. Jetzt sticht sie sich mit der Nadel, daß es blutet, und saugt schweigsam das Blut aus. Es gehört nicht wenig Überwindung zu solcher Umkehr! Aber Inger ging noch weiter. Als der steinerne Stall fertiggebaut war und alle Arbeiter sich entfernt hatten und ganz Sellanraa wieder einsam und verlassen dalag, da hatte Inger eine Krisis und weinte viel und litt schwere Not. Sie bürdete niemand als sich selbst die Schuld dafür auf, und sie war tief demütig. Wenn sie nur mit Isak hätte reden und sich das Herz erleichtern können; aber auf Sellanraa sprach niemand von seinen Gefühlen, und niemand bekannte seine Fehler. So holte sie ihren Mann sehr fürsorglich zu den Mahlzeiten herein; sie ging dazu bis zu ihm hin und forderte ihn auf, statt nur unter der Haustür zu rufen, und abends sah sie seine Kleider durch und nähte die Knöpfe an. Ja, Inger ging sogar noch weiter. Eines Nachts stützte sie sich auf den Ellbogen und sagte: Du, Isak. — Was gibt's? fragt Isak. — So, wachst du? — Ja. — Ach, nichts Besonderes, sagt Inger. Aber ich bin nicht gewesen, wie ich hätte sein sollen. — Was? fragt Isak. Das entfuhr ihm, und auch er richtete sich auf den Ellbogen auf. Dann redeten sie weiter miteinander, sie ist nun eben doch eine prächtige Frau und hat das Herz voll. Ich bin nicht so gegen dich gewesen, wie ich hätte sein sollen, sagt sie. Das tut mir sehr leid. — Diese einfachen Worte rühren ihn, sie rühren den Mühlengeist, und er will Inger gerne trösten; er versteht zwar nichts von der Sache, versteht nur so viel, daß es keine mehr gibt wie sie. — Deshalb brauchst du nicht zu weinen, sagt Isak. Wir sind alle nicht, wie wir sein sollten. — Ach nein, sagt sie dankbar. Oh, Isak hatte eine gesunde Art, die Dinge zu behandeln, er richtete sie wieder auf, wenn sie umfallen wollten. Wer ist, wie er sein sollte! Er hatte recht; der Gott des Herzens selbst, der doch ein Gott ist, geht auf Abenteuer aus, und wir können es ihm ansehen, dem Wildfang: an einem Tag taucht er in einen Rosenreichtum unter und wiegt sich wohlig darin und leckt sich die Lippen, am anderen Tag hat er sich einen Dorn in den Fuß getreten und zieht ihn mit verzweifeltem Gesicht heraus. Stirbt er daran? Oh, keine Spur. Er ist so gesund wie vorher. Das wäre was Schönes, wenn er daran stürbe!