Es war kein Zweifel, der ehemalige Lensmann Geißler wollte sich am Dorfe rächen, weil es dem Amtmann beigestanden hatte, ihn abzusetzen, und es war auch gar kein Zweifel, daß das Dorf diesen Mann unterschätzt hatte. Er war nicht so dumm. Mit dem ganz einfachen Mittel, eine schamlose Viertelmillion für ein Stück Berg zu verlangen, hielt er die ganze Entwicklung der Gemeinde auf. War er nicht mächtig? Axel Ström von Maaneland konnte hier mitreden, er hatte Geißler zuletzt gesprochen. Barbro, Bredes Tochter, war in der Stadt vor Gericht geladen gewesen und freigesprochen wieder nach Hause gekommen, und da war Geißler während der ganzen Verhandlung zugegen gewesen! Und wer etwa meinte, der Geißler habe abgewirtschaftet und liege danieder wie irgendein armer Schlucker, der brauchte ja nur die teuren Maschinen zu betrachten, die er Axel zum Geschenk gemacht hatte!
Dieser Mann hielt also das Geschick des Bezirks in seiner Hand, und man mußte sich mit ihm abfinden. Um wieviel würde Geißler wohl im allerletzten Fall seinen Berg verkaufen? Darüber mußte man ins reine kommen. Die Schweden hatten ihm fünfundzwanzigtausend geboten, das hatte Geißler abgelehnt. Aber wie, wenn nun das Dorf, wenn die Gemeinde den Rest zuschoß, damit das Geschäft zustande kam? Wenn es nicht eine gar zu ungereimte Summe war, würde es sich lohnen. Sowohl der Kaufmann unten an der Küste, als auch der Kaufmann Aronsen auf Storborg würden ganz in der Stille und in aller Heimlichkeit einen Beitrag geben; eine solche jetzt gemachte Auslage würde ihnen mit der Zeit wieder hereinkommen.
Schließlich waren zwei Mann beauftragt worden, zu Geißler zu reisen und mit ihm zu reden. Und die wurden nun bald zurückerwartet.
Seht, darum hatte Aronsen wieder Hoffnung gefaßt und glaubte, einen Mann, der Storborg kaufen wollte, hochfahrend behandeln zu können. Aber er sollte nicht lange hochfahrend bleiben.
Nach einer Woche kamen die zwei Abgesandten mit einer unbedingten Ablehnung heim. Ach, das schlimme an der Sache war schon von Anfang an, daß einer der beiden Abgesandten Brede Olsen war — weil er so gut Zeit hatte. Die Männer hatten Geißler ganz richtig aufgefunden, aber Geißler hatte nur den Kopf geschüttelt und gelacht. Reist nur wieder nach Hause! hatte er gesagt; aber er hatte ihnen die Heimreise bezahlt.
Und so mußte nun also der ganze Bezirk untergehen!
Nachdem Aronsen eine Zeitlang getobt hatte und allmählich immer ratloser geworden war, ging er eines Tages hinauf nach Sellanraa und schloß den Handel ab. Ja, das tat Aronsen. Eleseus bekam, was er haben wollte, einen Hof mit Gebäuden und Vieh und Waren für fünfzehnhundert Kronen. Allerdings zeigte es sich bei der Übernahme, daß Aronsens Frau den größten Teil des Baumwollzeugs an sich genommen hatte; um solche Kleinigkeiten kümmerte sich jedoch ein Mann wie Eleseus nicht. Man darf nicht kleinlich sein! sagte er.
Aber im ganzen genommen war Eleseus nichts weniger als entzückt. Nun war sein Lebenslauf also besiegelt, das Ödland würde sein Grab werden. Er mußte alle seine großen Pläne fahren lassen; Büroschreiber war er nicht mehr, Lensmann konnte er nicht werden, nein, er war nicht einmal ein städtischer Herr. Seinem Vater und den andern daheim gegenüber tat er ein wenig groß damit, daß er Storborg genau um den Preis, den er geboten, auch bekommen hatte, da konnten sie sehen, daß er sich auf die Sache verstand! Aber dieser kleine Triumph reichte nicht weit. Er hatte auch die Befriedigung, den Ladendiener Andresen mit übernehmen zu können, der ging gewissermaßen bei dem Handel mit drein, Aronsen brauchte ihn nicht mehr, solange er kein neues Geschäft hatte. Es kitzelte Eleseus ganz eigenartig, als Andresen kam und fragte, ob er nicht bleiben dürfe; da war er nun zum erstenmal Herr und Meister. Du kannst bleiben! sagte er. Ich muß hier am Platz einen Stellvertreter haben, wenn ich meine Geschäftsreisen mache und Handelsverbindungen mit Bergen und Drontheim anknüpfe, sagte er.
Und Andresen war kein schlechter Stellvertreter, das sah er gleich; er war fleißig und hielt gute Aufsicht, während der Herr und Meister Eleseus abwesend war. Nur im Anfang hatte der Ladendiener Andresen hier im Ödland den großen und feinen Herrn herausgekehrt, und daran war sein Herr, Aronsen, schuld gewesen. Jetzt war es anders geworden. Als im Frühjahr die Moore etwas aufgetaut waren, kam Sivert von Sellanraa nach Storborg hinunter und fing an, bei seinem Bruder Gräben zu ziehen — und da ging wahrhaftig auch der Ladendiener Andresen hinaus aufs Moor und half Gräben ziehen aus was für einem Grunde es auch geschehen mochte, da er es eigentlich nicht nötig hatte; aber ein Mann von solcher Art war er. Der Boden war noch so wenig aufgetaut, daß sie lange nicht tief genug graben konnten, aber sie taten einstweilen wenigstens die halbe Arbeit, und das war schon viel getan. Es war des alten Isaks Gedanke, auf Storborg die Moore zu entwässern und Ackerbau zu treiben, der kleine Kramhandel sollte nur so nebenbei betrieben werden, daß die Leute im Ödland nicht nötig hatten, ins Dorf zu gehen, wenn sie eine Rolle Faden brauchten.
So zogen also Sivert und Andresen Gräben und verschnauften sich zuweilen und führten eine muntere Unterhaltung. Andresen war auf irgendeine Weise in den Besitz eines goldenen Zwanzigkronenstücks gekommen, und nach diesem blitzblanken Goldstück verspürte Sivert großes Gelüste; aber Andresen wollte sich nicht davon trennen, er wickelte es in Seidenpapier und verwahrte es in seiner Truhe. Sivert schlug vor, sie wollten um das Geldstück losen, sie wollten darum kämpfen, aber darauf wagte Andresen sich nicht einzulassen. Sivert bot ihm dann zwanzig Kronen in Papier, und außerdem wollte er das ganze Moor allein entwässern, wenn er das Geldstück bekomme. Aber da war der Ladendiener Andresen beleidigt und sagte: So, damit du deinen Leuten zu Hause erzählen könntest, ich brächte es nicht fertig, im Moor zu arbeiten! Zuletzt einigten sie sich über fünfundzwanzig Kronen in Papier für das Goldstück, und Sivert lief in der Nacht nach Sellanraa und bekam das Papiergeld von seinem Vater.