Ein jugendlicher Einfall, ein Einfall der wackeren, lebenskräftigen Jugend! Eine durchwachte Nacht, eine Meile hin, eine Meile her, den Tag darauf wieder die volle Arbeit — das war nichts für den kräftigen jungen Mann, und es war ein schönes Goldstück. Es war nicht ausgeschlossen, daß sich Andresen wegen dieses guten Handels ein wenig über ihn lustig machte; aber da wußte Sivert guten Rat, er brauchte nur ein Wort von Leopoldine verlauten zu lassen, etwa: Ach ja, das ist wahr, ich sollte dich von Leopoldine grüßen! so hörte Andresen sofort auf und wurde dunkelrot.
Es waren vergnügliche Tage für die beiden, während sie im Moor arbeiteten und sich zum Spaß stritten, wieder arbeiteten und wieder stritten. Zuweilen kam Eleseus zu ihnen heraus und half mit, aber er wurde rasch müde, er hatte weder einen starken Körper noch einen starken Willen, aber er war der liebenswürdigste Mensch. — Da kommt die Oline! konnte der Schäker Sivert sagen. Nun mußt du heimgehen und ihr wieder ein halbes Pfund Kaffee verkaufen! Und das tat Eleseus gerne. Er ging hin und verkaufte Oline irgendeine Kleinigkeit. Solange brauchte er doch keine Schollen umzukehren.
Und die arme Oline, sie mußte von Zeit zu Zeit ein paar Kaffeebohnen haben, ob sie nun ein seltenes Mal das Geld dazu von Axel bekam oder sich die Bohnen für einen kleinen Ziegenkäse eintauschte. Oline war nicht mehr so ganz unverändert, der Dienst auf Maaneland war im Grunde zu schwer für dies alte Weib und hatte an ihr gezehrt, aber doch nicht so sehr, daß sie ihr Alter oder ihre Hinfälligkeit zugegeben hätte, hoho, sie hätte ihre Meinung ordentlich gesagt, wenn ihr aufgekündigt worden wäre! Sie war zäh und nicht unterzukriegen, tat ihre Arbeit und fand noch Zeit, zu den Nachbarn zu wandern und einen kleinen, unendlich angenehmen Schwatz zu halten, den sie daheim vermissen mußte, denn Axel war kein Redner.
Sie war unzufrieden mit der Gerichtsverhandlung, enttäuscht von dem Ausfall der Verhandlung, dem Freispruch auf der ganzen Linie. Daß Barbro, Bredes Tochter, ohne Strafe davonkam, wenn Inger auf Sellanraa acht Jahre bekommen hatte, das konnte Oline nicht fassen und begreifen, sie nahm ein ganz unchristliches Ärgernis daran, daß man gegen eine andere „so gütig gewesen war”. — Aber der Allmächtige hat seine Meinung noch nicht kundgetan! sagte Oline und nickte mit dem Kopfe. Sie stellte damit ein mögliches späteres himmlisches Strafgericht in Aussicht. Natürlich war Oline außerstande, ihr Mißvergnügen über die Sache bei sich zu behalten; besonders wenn sie mit ihrem Hausherrn über das eine oder andere uneinig wurde, machte sie auf ihre Weise Andeutungen und wurde äußerst spitzig: Ja, ich weiß nicht, wie das Gesetz jetzt gegen die Sünder von Sodom und Gomorra geworden ist. Ich aber halte mich an Gottes Wort, so einfältig bin ich.
Ach, Axel war seiner Haushälterin mehr als überdrüssig und wünschte sie dahin, wo der Pfeffer wächst. Nun kam das Frühjahr wieder, und er mußte wieder alle Feldarbeit allein verrichten. Dann kam die Heuernte, und er war verraten und verkauft. Das waren Aussichten! Seine Schwägerin auf Breidablick hatte heim nach Helgeland geschrieben und versucht, eine ordentliche weibliche Hilfskraft für ihn aufzutreiben, aber bis jetzt war es ihr noch nicht geglückt. Und jedenfalls hätte er dann das Reisegeld bezahlen müssen.
Nein, das war eine böse und schlechte Tat von Barbro gewesen, das kleine Kind auf die Seite zu schaffen und selbst auf und davon zu gehen. Zwei Winter und einen Sommer hatte er sich nun mit Oline behelfen müssen, und es sah ganz so aus, als ob es noch länger so bleiben müßte. Aber nahm sich Barbro, die schlechte Person, dies irgendwie zu Herzen? Er hatte einmal während des Winters drunten im Dorf einige Worte mit ihr gesprochen, aber keine Träne war ihr langsam heruntergerollt und da festgefroren. — Was ist aus den Ringen geworden, die ich dir gegeben habe? fragte er. — Ringe? sagte sie. — Ja, Ringe. — Die hab' ich nicht mehr. — So, du hast sie nicht mehr? — Zwischen uns war ja alles aus, sagte sie, da konnte ich doch die Ringe nicht mehr tragen. Das ist nicht der Brauch, wenn doch alles aus ist. — Ich möchte nur wissen, was du damit angefangen hast. — Willst du sie wiederhaben? fragte sie. Ich hätte dich nicht für so gemein gehalten. — Axel überlegte einen Augenblick, dann sagte er: Ich hätte dich dafür entschädigen können. Du hättest sie nicht umsonst hergeben müssen.
Aber nichts da, Barbro hatte die Ringe abgelegt und gab Axel nicht einmal Gelegenheit, um einen billigen Preis zu einem goldenen und einem silbernen Ring zu kommen.
Übrigens war Barbro nicht roh und häßlich, nein, das war sie keineswegs. Sie trug eine lange Schürze mit Trägern und Falten, und um ihren Hals stand ein weißer Streifen in die Höhe, das war hübsch. Die Leute behaupteten, sie habe sich im Dorf bereits wieder einen Schatz angeschafft, aber das war vielleicht nur Gerede; die Frau Lensmann hielt sie jedenfalls gut im Zaum und ließ sie in diesem Jahr durchaus nicht zum Weihnachtstanz gehen.
Na, diese Frau Lensmann paßte wahrlich gut auf; während Axel auf der Straße mit seiner früheren Magd über zwei Ringe verhandelte, trat die Frau Lensmann plötzlich dazwischen und sagte: Du solltest mir doch etwas aus dem Laden holen, Barbro! — Barbro lief davon. Nun wandte sich die Frau an Axel und sagte: Könntest du mir nicht irgendein Stück Schlachtvieh verkaufen? — Hm! war alles, was Axel erwiderte, und er grüßte höflich.