Sie gehen zusammen nach Hause, Isak hat sich eine unverdiente Bewunderung erschlichen; die schmeckt aber nicht viel anders als die verdiente. Er setzt auseinander, daß er die ganze Zeit über auf der Jagd nach einer ordentlichen Türschwelle gewesen sei, jetzt habe er eine gefunden. Von jetzt an war es auch nicht mehr verdächtig, wenn er auf dem Bauplatz arbeitete, er konnte dort unter dem Vorwand nach der zweiten Hälfte der Türschwelle zu suchen, roden, soviel er wollte. Und als Sivert nach Hause kam, ließ sich Isak sogar von dem Sohne helfen.

Aber wenn es so weit gekommen war, daß er nicht mehr allein hingehen und einen Stein aus der Erde brechen konnte, dann hatte sich viel geändert, dann sah es gefährlich aus, dann eilte es mit dem Bauplatz. Das Alter hatte Isak eingeholt, er fing an, für die Ausdingstube reif zu werden. Der Triumph, den er sich angeeignet hatte, als er die Türschwelle fand, verglühte im Laufe der Tage, er war unecht und undauerhaft gewesen. Isak fing an, etwas gebeugt zu gehen.

War er denn nicht einstmals in seinem Leben aufmerksam und hellhörig geworden, sobald nur jemand Stein oder Graben zu ihm gesagt hatte? Das war noch gar nicht lange her, nur einige Jahre. Und damals mußte sich ja einer, der ein trocken gelegtes Moor nur mit einem schiefen Blick ansah, vor ihm in acht nehmen. Jetzt fing er so langsam und allmählich an, derartiges mit mehr Ruhe aufzufassen, ach ja, Herrgott im Himmel! Nichts war mehr so wie früher, das ganze Ödland hatte sich verändert, dieser breite Telegraphenweg durch den Wald war früher nicht da, die Berge droben am Wasser waren früher nicht gesprengt und durchwühlt gewesen. Und die Menschen? Sagten sie noch Grüß Gott! wenn sie kamen, und Behüt dich Gott! wenn sie gingen? Sie nickten nur, und oft das nicht einmal.

Aber früher hatte es auch kein Sellanraa gegeben, nur eine Torfgamme; aber was war es jetzt? Und dann war auch früher kein Markgraf dagewesen.

Ja, und was war der Markgraf jetzt! Nichts als ein trauriger und vertrockneter alter Mann. Was nützte es zu essen und gute Gedärme zu haben, wenn das keine Kraft mehr gab? Jetzt war es Sivert, der Kräfte hatte, und gottlob, daß er sie hatte; aber wie, wenn auch Isak selbst sie gehabt hätte! Wozu sollte es gut sein, daß sein Rad anfing sich langsamer zu drehen? Er hatte geschafft wie ein rechter Mann, sein Rücken hatte die Lasten eines Lasttiers getragen, jetzt sollte er Ausdauer darin zeigen, auf einem Hocker herumzusitzen.

Isak ist mißvergnügt, Isak ist schwermütig.

Da liegt ein alter Südwester auf dem Hügel und vermodert. Der Sturm hat ihn hierher an den Waldessaum geweht, oder vielleicht haben ihn auch die Kinder dorthin gebracht, als sie noch klein waren. Da liegt er nun ein Jahr ums andere und vermodert immer mehr, und er war doch einmal ein neuer Südwester gewesen, ein schöner gelber Südwester. Isak erinnert sich noch, wie er damit vom Kaufmann nach Hause kam, und wie Inger sagte, das sei ein schöner Südwester. Ein paar Jahre später ging er damit zum Maler ins Dorf hinunter und ließ ihn glänzend schwarz lackieren und den Schirm daran grün malen. Als er damit nach Hause kam, sagte Inger, er sei jetzt schöner als je. Inger gefiel immer alles ausgezeichnet, ach, das war eine schöne Zeit; er schlug Klafterholz, und Inger sah ihm zu, das war seine beste Zeit im Leben gewesen. Und wenn der März und April kam, dann wurden er und Inger verliebt, gerade wie die Vögel und Tiere des Waldes, und wenn der Mai kam, dann säte er Korn und legte Kartoffeln und arbeitete Tag und Nacht. Es gab Schlaf und Arbeit, Liebe und Träumerei, er war wie sein erster großer Stier, und der war ein Wundertier gewesen, groß und glänzend wie ein König, wenn er in seiner Pracht einherschritt. Aber einen solchen Mai bringen die Jahre jetzt nicht mehr, das gibt es nicht mehr.

Einige Tage lang war Isak niedergeschlagen. Das waren dunkle Tage. Er fühlte weder Lust noch Kraft in sich, mit dem Aufbau des Futterspeichers zu beginnen. Das wird einmal Siverts Sache sein, jetzt galt es, das Ausdinghäuschen fertigzustellen. Auf die Dauer konnte er es nicht vor Sivert verborgen halten, daß es ein Bauplatz war, den er hier am Waldrand rodete, und eines Tages offenbarte er die Sache: Das da ist ein guter Stein, wenn wir einmal wieder etwas mauern wollen, sagte er. — Und das da ist auch ein guter Stein, sagte er. — Sivert verzog keine Miene, er erwiderte: Prächtige Grundsteine. — Ja, was meinst du? sagt der Vater. Wir haben nun hier so lange nach der zweiten Türschwelle gegraben, daß ein ganz schöner Bauplatz entstanden ist. Aber ich weiß nicht. — Das wäre wirklich kein dummer Bauplatz, sagte Sivert und läßt seinen Blick über den Platz hingleiten. — So, meinst du? Wir könnten ja hier ein kleines Häuschen bauen für Besuche, wenn jemand kommt. — Ja. — Es müßte wohl eine Stube und eine Kammer sein? Du hast ja gesehen, wie es war, als die schwedischen Herren das letztemal hier waren, und jetzt haben wir keinen Neubau für sie. Aber was meinst du, eine kleine Küche müßte doch auch dabei sein, falls sie kochen wollten? — Ja, ohne eine kleine Küche könnten sie nicht sein, sie müßten uns ja auslachen, sagt Sivert. — So, meinst du?

Der Vater schwieg. Aber der Sivert war doch ein wunderbarer Junge, wie schnell er begriff und einsah, was schwedische Herren alles notwendig brauchten; nicht eine einzige Frage stellte er, er sagte nur: Wenn ich du wäre, so würde ich an die Nordwand eine kleine Scheune anbauen. Es wäre sehr bequem für sie, wenn sie eine Scheune hätten, falls sie einmal nasse Kleider zum Trocknen aufhängen wollten.

Der Vater fällt sofort ein: Da hast du recht!