Als Isak gegangen ist, werden die beiden Frauen wieder einträchtiger, sie haben so viel über die Gemeinde miteinander zu reden. Die Stunden vergehen. Am Abend bekommt Oline zu sehen, wie der Viehstand gewachsen ist. Zwei Kühe mit dem Stier, zwei Kälber, ein Gewimmel von Ziegen und Schafen. Wo will das noch hinaus! sagt Oline und schlägt die Augen zum Himmel auf.
Sie bleibt über Nacht.
Aber am nächsten Tag geht sie. Wieder hat sie etwas in einem Bündel mitbekommen; da Isak im Steinbruch ist, macht sie einen kleinen Umweg, um ihn zu vermeiden.
Zwei Stunden später erscheint Oline wieder in der Ansiedlung; sie tritt ein und fragt: Wo ist Isak?
Inger ist beim Geschirraufwaschen. Sie merkt, daß Oline bei Isak und den Kindern, die im Steinbruch sind, vorbeigekommen sein muß, und sie ahnt gleich Unrat. Oline, was willst du von Isak? fragt sie. — Oh, nichts Besonderes! Aber ich habe ihm nicht Lebewohl gesagt. — Schweigen. Oline sinkt ohne weiteres auf eine Bank nieder, wie wenn sie ihre Beine nicht mehr tragen wollten. Sie läßt absichtlich etwas Ungewöhnliches ahnen, gerade indem sie zeigt, daß sie am Umsinken ist. Nun kann sich Inger nicht länger beherrschen, ihr Gesicht ist verzerrt und drückt Wut und Entsetzen aus. Sie sagt: Ich hab' einen Gruß von dir bekommen durch Os-Anders. Es war ein netter Gruß. — Was denn? — Es war ein Hase. — Was du nicht sagst? versetzte Oline merkwürdig freundlich. — Wage nicht, es zu leugnen! ruft Inger mit irren Augen. Ich schlage dir mit der Holzkelle hier mitten ins Gesicht! So, da!
Schlug sie zu? Ja, gewiß. Und da Oline nicht beim ersten Schlag zurücktaumelt, sondern im Gegenteil aufsässig wird und ruft: Nimm dich in acht! Ich weiß, was ich von dir weiß! da gebraucht Inger die Holzkelle weiter und schlägt Oline zu Boden, zwingt sie unter sich und setzt ihr das Knie auf die Brust.
Willst du mich ganz töten? fragt Oline. Sie hatte diesen schrecklichen Hasenmund über sich, eine große, starke Frau mit einem wahren Prügel von einem Holzlöffel in der Hand. Oline hatte schon Beulen von den Schlägen, sie blutete, aber sie knurrte noch mehr und gab nicht nach. So, du willst mich auch umbringen? — Ja — dich umbringen, antwortet Inger und schlägt weiter. Da hast du! Ich werde dich totschlagen! — Sie hatte jetzt die Gewißheit, daß Oline ihr Geheimnis kannte, und es war ihr alles einerlei. — Da hast du eins auf deinen Rachen! — Meinen Rachen! Du hast einen Rachen! stöhnt Oline. Unser Herrgott hat dir ein Kreuz ins Gesicht geschnitten.
Da Oline zu zäh ist, um überwältigt werden zu können, ja, verdammt zäh, muß Inger mit ihren Schlägen aufhören; es nützt alles nichts, sie erschöpft sich nur selbst. Aber sie droht — oh, sie droht Oline mit der Holzkelle dicht vor den Augen, oh, sie werde noch bekommen, sie werde noch für alle Zeiten genug bekommen! Ich hab' auch ein Küchenmesser, du wirst es gleich sehen!
Sie richtet sich auf, wie um nach dem Messer zu greifen, nach dem großen Tischmesser; aber jetzt ist ihre erste Aufregung vorüber, und sie gebraucht nur noch den Mund. Oline richtet sich auch auf und setzt sich wieder auf die Bank, blau und gelb im Gesicht, voller Beulen und blutig. Sie streicht sich das Haar zurück, rückt ihr Kopftuch zurecht, spuckt aus; ihr Mund ist verschwollen! Du Vieh! sagt sie.
Du bist im Wald gewesen und hast herumgeschnüffelt! ruft Inger; dazu hast du die Stunden angewendet, und du hast das kleine Grab gefunden. Aber du hättest gleich ein Loch für dich selbst graben sollen! — Du wirst schon sehen! erwidert Oline, und ihre Augen funkeln vor Rachgier. Ich sage nichts mehr, aber nun wirst du keine Stube nebst Kammer und Orgelwerk mehr haben. — Das kannst du nicht bestimmen! — Oh, das werden die Oline und ich bestimmen!