Ausgezeichnet! Isak muß nachgeben, wie so manches Mal vorher.
Oline gab nicht nach: Und wenn ich jetzt, wo es dem Winter zugeht, hier barfuß laufen und das nicht zu eigen haben soll, was Gott zu Schuhen für die Füße geschaffen hat, dann sag es lieber geradeheraus. Schon vor drei bis vier Wochen habe ich von Schuhen gesprochen, aber ich habe noch nichts von ihnen gesehen und muß nun mit denen hier herumlaufen. — Isak erwiderte: Was fehlt denn eigentlich deinen Holzschuhen, daß du sie nicht trägst? — Was ihnen fehlt? fragte Oline überrumpelt. — Ja, das möchte ich fragen. — Den Holzschuhen? — Ja. — Du sagst nichts davon, daß ich Wolle kardätsche und spinne, das Vieh versorge und die Kinder aufziehe, davon sagst du nichts. Und zum Kuckuck, deine Frau, die im Gefängnis sitzt, die ist doch wohl auch nicht barfuß im Schnee herumgelaufen. — Nein, sie trug Holzschuhe, sagte Isak. Und wenn sie in die Kirche oder zu ordentlichen Leuten ging, dann trug sie Lappenschuhe, sagte er. — Ja, ja, antwortete Oline, sie war eben soviel besser! — Ja, das war sie. Und wenn sie im Sommer Lappenschuhe trug, so hatte sie nichts als dürres Gras darin. Aber du, du trägst das ganze Jahr Strümpfe und Schuhe.
Oline sagte: Was das betrifft, so werde ich meine Holzschuhe wohl noch abnützen. Ich habe nicht geglaubt, daß es so große Eile hätte, meine eigenen Holzschuhe durchzulaufen. — Sie sprach leise und gedämpft, aber sie kniff die Augen halb zu, oh, sie war klug und schlau. Die Inger, sagt sie, der Wechselbalg, wie wir sie genannt haben, ist unter meinen Kindern umhergegangen und hat da in all den Jahren dies und jenes gelernt. Jetzt haben wir den Dank dafür. Wenn meine Tochter in Bergen einen Hut trägt, dann tut das Inger vielleicht südwärts da drunten auch, ja, vielleicht ist sie nach Drontheim gereist, um sich einen Hut zu kaufen, haha!
Isak stand auf und wollte hinausgehen. Aber jetzt war Oline das Herz aufgegangen, und sie zeigte, wie schwarz es war, ja, sie strahlte wahrhaftig Dunkelheit aus, sagte, keine von ihren Töchtern habe ein Gesicht wie ein feuerspeiendes Raubtier, könne sie gern sagen, aber deshalb seien sie doch gut genug. Nicht alle hätten Geschick dazu, Kinder umzubringen. — Jetzt nimm dich aber in acht! rief Isak, und um sich recht klar verständlich zu machen, fügte er noch hinzu: Du verdammtes Weibsbild.
Aber Oline nahm sich nicht in acht, nein. Haha! sagte sie und sah zum Himmel auf und deutete an, daß es eigentlich übertrieben sei, mit einer solchen Hasenscharte herumzulaufen wie gewisse Leute. Man könne auch darin Maß halten.
Isak war wohl froh, als er endlich glücklich aus dem Hause draußen war. Und was blieb ihm anderes übrig, als Oline Lederschuhe zu verschaffen! Er war ein Ansiedler im Walde und war nicht einmal so weit den Göttern ähnlich, daß er seine Arme über der Brust kreuzen und zu seinem Dienstboten sagen konnte: Geh! Eine so unentbehrliche Haushälterin wie Oline war in Sicherheit, sie mochte sagen und tun, was sie wollte.
Die Nächte sind kühl, und es ist Vollmond, die Moore erstarren so weit, daß sie zur Not einen Mann tragen; bei Tag taut die Sonne sie wieder auf und macht sie ungangbar. Isak wandert in einer kühlen Nacht ins Dorf hinunter, um Schuhe für Oline zu bestellen. Er hat zwei Ziegenkäse mit für Frau Geißler.
Auf halbem Wege nach dem Dorf hat sich nun der neue Ansiedler niedergelassen. Er war wohl ein vermöglicher Mann, da er Zimmerleute vom Dorfe bestellt hatte, die ihm sein Haus bauten, und dazu noch Taglöhner, um ein Stück sandiges Moor für Kartoffeln umzugraben; er selbst tat nichts oder nur wenig. Der Mann war Brede Olsen, Amtsdiener und Gerichtsbote, ein Mann, an den man sich wenden mußte, wenn der Doktor geholt oder bei der Pfarrfrau ein Schwein geschlachtet werden sollte. Brede Olsen war noch nicht dreißig Jahre alt, hatte aber schon vier Kinder zu versorgen, außer seiner Frau, die eigentlich auch noch ein Kind war. Ach, Bredes Mittel waren wohl nicht so sehr groß, es warf nicht so sehr viel ab, Topf und Pfanne zu sein und zu Auspfändungen zu fahren; jetzt wollte er es mit der Landwirtschaft versuchen. Für seinen Hausbau hatte er auf der Bank Geld aufgenommen. Sein Grundstück hieß Breidablick, Lensmann Heyerdahls Frau hatte ihm diesen herrlichen Namen gegeben.
Isak geht an der Ansiedlung vorüber und nimmt sich nicht Zeit, hineinzugehen, aber so früh am Morgen es auch ist, am Fenster stehen schon dichtgedrängt die Kinder und schauen heraus. Isak eilt vorüber, er will beim nächsten Nachtfrost schon wieder hier zurück sein. Im Ödland draußen hat ein Mann gar viel zu bedenken und sich zu überlegen, wie er es auf die beste Weise einrichtet. Er hat zwar jetzt gerade nicht so übermäßig viel Arbeit, aber er hat Heimweh nach den Kindern, die daheim bei Oline zurückgeblieben sind.
Während er so dahinschreitet, muß er unwillkürlich an seine erste Wanderung hier denken. Die Zeit ist dahingegangen, die beiden letzten Jahre sind sehr lang gewesen; vieles ist gut gewesen auf Sellanraa, aber etwas ist schlimm gewesen, ach ja, Herrgott im Himmel! Nun war also eine neue Ansiedlung hier entstanden; Isak erkannte die Stelle gut wieder, dies war einer von den wirklichen Plätzen, die er auf seiner ersten Wanderung untersucht, dann aber wieder aufgegeben hatte. Es war hier näher beim Dorf, jawohl, aber der Wald war nicht so gut; es war hier Ebene, aber Moor, die Erde war leicht umzubrechen, aber das Entwässern war schwierig. Der gute Brede hatte noch keinen Acker damit, daß er Moorboden umgrub. Und was sollte das heißen, wollte denn Brede nicht einen Schuppen an die Scheune anbauen für Geräte und Fahrzeuge? Isak sah einen zweirädrigen Karren unter offenem Himmel gerade vor dem Hause stehen.