Er macht seine Besorgung beim Schuhmacher, aber Geißler ist weggereist; da verkauft er seine Ziegenkäse an den Krämer. Am Abend geht er heimwärts. Es gefriert immer mehr, so daß man leicht übers Moor gehen kann; aber Isaks Gang ist schwer. Gott mochte wissen, wann Geißler nun wiederkam, da seine Frau verreist war, vielleicht kam er nie wieder. Inger war fort, die Zeit verging.

Er geht auch jetzt auf dem Rückweg nicht zu Bredes hinein, nein, er macht einen Bogen um Breidablick herum und kommt so ungesehen vorbei. Er will nicht mit Menschen reden, er will nur weitergehen. Noch immer steht Bredes Fuhrwerk im Freien. Ich möchte wissen, ob es da stehenbleibt? denkt Isak. Na, jeder hat das Seine! Jetzt hat er ja selbst, er, Isak, ein Fuhrwerk und einen Schuppen dazu, aber es ist deshalb doch nicht besser gegangen, sein Heim ist nur halb, einmal war es ganz, jetzt ist es nur halb.

Als er bei vollem Tageslicht so weit gekommen ist, daß er sein Haus auf der Halde droben sehen kann, wird ihm leichter ums Herz, obgleich er müde und matt ist nach der zweitägigen Wanderung. Die Gebäude stehen noch da. Rauch steigt vom Schornstein auf, beide Jungen sind im Freien, sowie sie ihn sehen, stürmen sie ihm entgegen. Er geht hinein, in der Stube sitzen zwei Lappen. Oline steht überrascht vom Hocker auf und sagt: Was — bist du schon wieder da? Sie kocht Kaffee auf dem Herd. Kaffee? Kaffee!

Isak hat es wohl schon früher bemerkt: wenn Os-Anders oder andere Lappen dagewesen sind, kocht Oline sich lange Zeit nachher in Ingers kleinem Kessel Kaffee. Sie tut es, wenn Isak im Wald oder auf dem Feld ist; und wenn er unerwartet heimkommt und es sieht, schweigt er. Aber er weiß, daß er jedesmal um ein Bündel Wolle oder einen Ziegenkäse ärmer geworden ist. Deshalb ist es sehr gut von Isak, daß er Oline jetzt nicht packt und zwischen seinen Händen zerschmettert für ihre Niedertracht. Ja, im ganzen genommen versucht es Isak in Wahrheit, ein immer besserer Mensch zu werden, was er auch dabei im Sinne haben mag, ob er es um des lieben Friedens willen tut oder weil er hofft, Gott werde ihm dann Inger früher zurückgeben. Er hat einen Hang zum Grübeln und zum Aberglauben; selbst die Bauernschlauheit, die er hat, ist treuherzig. Jetzt eben im Herbst hatte es sich gezeigt, daß das Torfdach auf seinem Stall auf das Pferd herabzusinken drohte; da kaute Isak ein paarmal an seinem rostigen Bart, aber dann lächelte er wie jemand, der einen Spaß versteht, er richtete das Dach auf und stützte es mit Sparren. Kein böses Wort entfuhr ihm. Ein anderer Zug: Das Vorratshaus, in dem alle seine Lebensmittel untergebracht waren, stand nur mit den Ecken auf hohen steinernen Füßen. Nun gelangten durch die große Öffnung in der Grundmauer kleine Vögel ins Vorratshaus hinein, flatterten darin herum und fanden den Weg nicht mehr hinaus. Oline klagte, die kleinen Vögel pickten an den Eßwaren herum, liefen auf dem Speck hin und her, ja, sie täten auch das, was noch schlimmer sei, darauf. Isak sagte: Ja, es ist auch schlimm, daß die kleinen Vögel hereinkommen und den Weg nicht mehr hinausfinden! Und mitten in der strengen Arbeitszeit brach er Steine aus und füllte die Mauer damit auf.

Gott mochte wissen, was er sich dabei dachte, ob er hoffte, er werde, wenn er sich so gut aufführe, Inger schon bald zurückbekommen.

9

Die Jahre vergehen.

Wieder kam ein Ingenieur mit einem Vorarbeiter und zwei Arbeitern nach Sellanraa, und sie wollten wieder eine Telegraphenlinie übers Gebirge abschreiten. So, wie sie jetzt abschritten, würde die Linie nicht weit von Isaks Haus zu liegen kommen, und ein gerader Weg würde durch den Wald geführt werden. Aber das schadete nichts, es würde den Ort weniger öde machen, die Welt würde hereinkommen und ihn erhellen.

Der Ingenieur sagte: Dieser Platz hier wird nun der Mittelpunkt zwischen zwei Tälern, man wird dir vielleicht die Aufsicht über die Linie nach beiden Seiten hin anbieten. — So, sagte Isak. — Du bekommst fünfundzwanzig Taler im Jahr dafür. — So, sagte Isak, aber was habe ich dafür zu tun? — Die Leitung in Ordnung halten, die Drähte ausbessern, wenn sie abgerissen sind, die Büsche weghauen, wenn sie in die Linie hineinwachsen. Du bekommst eine nette kleine Maschine an deine Wand, die dir zeigt, wenn du hinaus mußt. Dann mußt du augenblicklich alles liegen und stehen lassen und gehen.

Isak überlegte: Im Winter könnte ich die Arbeit übernehmen, sagte er dann. — Nein, es muß das ganze Jahr hindurch sein, das ganze Jahr natürlich, Sommer wie Winter. — Aber Isak erklärte: Im Frühjahr und im Sommer und im Herbst habe ich meine Feldarbeit und keine Zeit für anderes.